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Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Physik am Nordseestrand

Beobachten & experimentieren

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Grundidee


In Wellen schwimmen und spüren, was die Orbitalbewegung und die Driftströmung sind, an zentimetergroßen Sandskulpturen am Spülsaum die Geologie vergangener Jahrmillionen entdecken oder mit einfachsten Mitteln die Entfernung von Schiffen am Horizont abschätzen: auf dieser Seite stehen Anregungen für Besuche an den europäischen Flachküsten vom Pas-de-Calais bis nach Dänemark.

Strömung und Wellen


Wellen im Wasser zählen sicherlich zu den beliebtesten Phänomenen am Strand. Ob man sich sanft in den Wellen weiter draußen auf und ab heben lässt, sich in der Brandung den Rücken massieren lässt oder als Bodysurfer mit ihnen Richtung Ufer schnellt: Wellen auf der Erde gibt es seit mindestens 4 Milliarden Jahren. Aber erst seit vielleicht 400 Jahren fangen wir als Menschheit langsam an ihre Physik zu verstehen. Fangen wir erst einmal an, einige wichtige Fachworte rund um Wasserwellen kennen zu lernen.

Man kennt das Wort der Wellenlänge. Sogar bei Licht und den unsichtbaren Radiowellen spricht man davon. Was aber genau meint die Länge einer Welle? Ganz sicher ist es nicht ihre Länge parallel zum Strand. Tatsächlich hat die Wellenlänge etwas damit zu tun, wie weit voneinander zwei aufeinander folgende Wellenkämme sind. Am Badestrand kann man die Wellenlänge oft recht gut mit einigen allgegenwärtigen Hilfsmitteln abschätzen.



An der Nordseeküste sind die Wellen oft unregelmäßig. Auch ihre Wellenlänge ändert sich oft ständig. Aber zumindest Mittelwerte kann man ganz gut angeben. Bei ordentlicher Brandung sind es oft mehrere Zehnermeter. Mehr unter 👉 Wellenlänge

Und wie schnell sind die Dinger? Ganz generell kann man sagen, dass höhere und längere Wellen eher schnell sind. Kleine Wellen, wie man sie mit der eigenen Hand in einem Teich machen kann, sind sehr viel langsamer.



In diesem Video habe ich mich von einer Welle am Strand wie ein lebendes Surfbrett mitreißen lassen. Das laute Gurgeln und brausen vermittelte ein Gefühl von hoher Geschwindigkeit. Tatsächlich waren es zwar nur etwa 3 m/s. Aber vom Gefühl war das schon genug. Mehr unter 👉 Bodysurfing

Man kann kleinere Wellen auch künstlich erzeugen. Ein kleiner Teich oder sogar ein Fenster vom Sperrmüll können eine Art Mini-Meer für Experimente abgeben. Siehe dazu die Möglichkeiten rund um eine selbst gebaute DIY 👉 Wellenwanne

Neben der Länge und der Geschwindigkeit von Wellen gibt es auch noch eine Frequenz. Die Geschwindigkeit wird oft mit einem kleinen c, die Wellenlänge mit einem l und die Frequenz mit einem f abgekürzt. Und damit wird die Formel c=l·f formuliert: die Geschwindigkeit von aufeinanderfolgenden Wellen ist gleich der Wellenlänge mal der Frequenz. Die Frequenz einer Welle sagt, wie viel viele Wellen pro Zeitdauer am Strand ankommen. Bei Wasserwellen am Meer sind Wert zwischen 0 und 1 üblich.



Um die Frequenz von Strandwellen zu bestimmen, zählt man die Wellen über zum Beispiel 100 Sekunden hinweg. Dann teilt man die gezählte Anzahl durch die dafür benötigte Zeit. Das Ergebnis ist die 👉 Wellenfrequenz

Für Physiker hochinteressant sind besondere Eigenschaften von Wellen, die sie deutlich von festen Körpern und Teilchen unterscheiden. So können Wellen fast unbeeindruckt um ein Hindernis herumwandern. Sie sehen nachher wieder aus wie vorher. Körper die im Vergleich zur Länge der Wellen eher klein sind, erzeugen also keinen "Wellenschatten".



An vielen Stränden findet man dicke Holzpfähle im Wasser nahe am Strand. Auch in Hafenanlagen findet man zum Beispiel ähnliche Dalben. Was passiert mit einer Welle, wenn sie auf ein solches Hindernis trifft? Siehe mehr unter 👉 Beugung (Wasserwellen)

Diese Fähigkeit von Wellen, um ein Hindernis herum wandern zu können, war im 17. Jahrhundert einer der stärksten Argumente dafür, auch Schall und Licht als etwas Wellenartiges begreifen zu wollen. Denn unter geeigneten Bedingungen kann man sogar Licht dazu bringen, um Kanten herum den Schattenbereich einzudringen, in den es nach der Logik von geraden Strahlen niemals eindringen können. Siehe dazu auch den Artikel zum 👉 Einzelspaltexperiment (Kerze)

Ein weiteres für Wellen aller Art typische Phänomen ist die sogenannte Superposition. Wer Physik in der Oberstufe hat, wird ausführlich die Interferenzmuster von Licht kennenlernen. Diese folgen direkt aus der Superposition. Sie entsteht zum Beispiel bei dem berühmten Doppelspaltexperiment zur Quantenphysik. Um das Phänomen bei Wasserwellen zu beobachten, eignen sich sehr flache Uferbereiche und eine mehr oder minder glatte See mit nur kleinen Wellen.



Wenn Wellen kleiner werden, muss die Energie der Wellen irgendwo hin gegangen sein. In dem Video hier sieht man, wie ein kleiner "Wald" unter Wasser, die Energie der Wellen aufnimmt und die "Brandung" stark dämpft. Das Phänomen bezeichnet man als 👉 Wellendämpfung

Neben der Beugung von Wellen gibt es auch noch das sehr ähnliche Phänomen der Brechung. Bei der Beugung wandert eine Welle um ein Hindernis, ohne dass sich dabei ihre Geschwindigkeit ändern würde. Bei der Brechung ist es aber gerade die örtliche Änderung der Geschwindigkeit einer Welle, die zu einer Änderung ihrer Richtung führt.



Die Brechung (wie auch die Beugung) kann man auch bei den winzigen Wellen bei Windstille im Wattenmeer beobachten. Schon kleinste Änderungen der Wassertiefe verändern die Geschwindigkeit der Welle (flaches Wasser -> langsame Wellen). Und das kann auch die Richtung der Welle ändern. Siehe dazu auch 👉 Brechung (Physik)



Zwei Wellen durchdringen sich gegenseitig. Wie beim Umwandern eines Holzpfahls scheinen Wellen auch beim gegenseitigen Durchdringen nach der Begegnung wieder ganz ihre alte Form zu haben. Siehe dazu den Artikel zur 👉 Superposition

Bleiben wir noch kurz bei kleinen Wellen. Lange Pfützen sind oft ein idealer Ort für Beobachtungen an Wellen. Wenn Wellen gegen Hindernisse anlaufen, so haben wir oben bei der Beugung gesehen, dann wandern sie oft um diese herum. Es macht aber einen Unterschied, ob die Hindernisse fest und unbeweglich sind oder beweglich. Bewegliche Hindernisse können nämlich den Wellen Energie entziehen, genau die Menge an Energie die selbst für ihre Bewegung benötigen. Und damit werden die Wellen schwächer.

Von der Brechung zu unterscheiden ist das Wellenbrechen. Letzteres ist besser unter dem Namen Brecher bekannt: wenn eine Welle auf den Strand zuläuft wird sie bei einem Kontakt mit dem Meeresboden dort deutlich abgebremst. Oben aber hat die Welle noch ihre alte Geschwindigkeit, ist dort also schneller. Wenn aber der obere Bereich der Welle schneller ist als der unteren, dann wird er irgendwann in der Luft stehen wollen - und dann nach unten herabstürzen.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Vor allem die brechenden Wellen bereiten beim Baden viel Freude. Doch werden die Wellen zu groß, kann ihre Wucht auch zu einer Gefahr werden.

Das Brechen von Wellen hängt eng damit zusammen, dass die einzelnen Teilchen im Wasser beim Durchgang der Welle nicht nur hoch und runter gehen. Tatsächlich vollführen sie eine Bahn wie auf einem Kreis oder auf einer Ellipse. Man spricht von einer Orbitalbewegung. Und das kann man als Schwimmer am Strand selbst mit erleben.



Mit einer wasserdichten Kamera ließ ich mich von einigen Wellen hin und her mit bewegen. Da die Bewegung hin zum Ufer überwiegt, kommt es letztendlich als Nettoeffekt zur sogenannten Stokes Drift. Siehe dazu den Artikel zur 👉 Stokes Drift

Während die Stokes Drift der Wellen eher schwach ist, sieht es mit Driftströmungen infolge von Wind ganz anders aus. Solche Querströmungen parallel zum Ufer können auch gut trainierte Schwimmer an ihre Grenzen bringen.



Etwa 5 Windstärken (Wetterbericht) ergaben bei kräftigem Wellengang im Brandungsbereich eine Driftgeschwindigkeit von etwa 0,5 Metern pro Sekunde, genau wie beim ersten Versuch. Gegen eine solche Strömung anschwimmen zu wollen, würde die meisten Menschen schnell erschöpfen. Das Phänomen ist ausführlich besprochen im Artikel zur 👉 Driftströmung

Wenn man schon bei gefährlichen Strömungen ist, müssen die sogenannten Brandungsrückströme erwähnt werden. Auf englisch heißen sie auch rip currents. Das Wortspiel mit rip (eigentlich reißend) übertragen als RIP (rest in peace) deutet schon auf die Gefahr hin. Weltweit sterben jährlich zig Personen durch solche Strömungen. Lebensgefährlich sind sie zum Beispiel in Frankreich aber auch in den Niederlanden. Sie entstehen auf eine nur schwer erkennbare Weise selbst bei ganz ruhigem Wetter. Man braucht nur ein paar Wellen und einen trügerisch geformten Strand.



Der hier gefilmte Brandungsrückstrom ist wohl eher ungefährlich. Anders sähe die Sache bei einer tieferen Strandrinne aus. Siehe auch 👉 Brandungsrückstrom

Die parallel zur Uferlinie verlaufenden Strandrinnen sind typisch für die Flachküsten von Belgien bis Dänemark. Bei Ebbe liegen sie trocken. Wenn aber bei auflaufendem Wasser die Flut ansteigt, laufen sie blitzschnell wieder mit Wasser voll. Hat die Flut erst einmal den sogenannten Strandwall überspült, dauert es oft nur Minuten, bis das Wasser ganze Zehnermeter weit Richtung Land vorgedrungen ist.



Der im Video gezeigte Priel-Effekt ist recht harmlos. Doch stellt man sich das Spiel mit einem breiteren und tieferen Priel vor, eventuell noch bei aufkommendem Nebel im Watt, kann man sich leicht ausmalen, warum immer wieder Menschen im Wattenmeer und auf Sandbänken ihr Leben lassen. Siehe auch 👉 Priel

Betrachten wir jetzt einmal Wellen an künstlichen Bauwerken. Für die Nordseeküste typisch sind je nach Gebiet Buhnen, Deiche und natürlich Häfen.



Vergleichsweise harmlose Wellen klatschen auf das Deckwerk auf einer Nordseeinsel. Wer hier als Schwimmer an Land gehen möchte, kann aber durchaus von dem schwappenden Wasser auf Steine und andere Hindernisse gedrückt und geworfen werden. Und das wiederum ist nicht ganz ungefährlich. Siehe auch 👉 Deckwerk

In Hafenbecken kann man oft Wellen einer ganz besonderen Art beobachten. An den Mauern des Hafenbeckens werden anklatschende Wellen immer wieder neu zurückgeworfen. Am Ende laufen Wellen in alle Herrgotts-Richtungen umher. Das so entstandene Wellenmuster nennt man eine Clapotis.



Die Clapotis im Video wurde in einer Wellenwanne künstlich erzeugt. In Hafenbecken kommt das noch typisch klatschende, schmatzende Geräusch dazu, das dem Wellenmuster auch seinen Namen gegeben hat. Siehe mehr unter 👉 Clapotis

Nun kommt ein Sprung zu Albert Einsteins Relativitätstheorie. Einstein wollte mit seiner Theorie ein Problem lösen, das selbst als Problem noch nicht einmal ganz einfach zu verstehen ist. Denn was für Wasserwellen ganz offensichtlich richtig sein muss, funktioniert mit den hypothetischen Wellen des Lichts überhaupt nicht. Das Video zeigt, wie sich Wasserwellen tatsächlich verhalten.



Erzeugt man Wellen in einer Strömung, breiten sie sich relativ zum Meeresboden mit der Strömung schneller aus als gegen die Strömung. Diese offensichtliche Tatsache gilt aber für den zur Zeit Einsteins vermuteten Äther des Lichts überhaupt nicht mehr. Siehe dazu den Artikel zum 👉 Lichtäther

Verlassen wir mit dem Verweis auf Einsteins Relativitätstheorie nun das Thema der Strandwellen. Man kann sich unendlich in dieses Thema vertiefen. Man kann von der Wellenform auf die Windstärke schließen, es gibt Monsterwellen (gerade in der Nordsee!) und auch die Gezeiten sind eigentlich eine Welle. Die verlinkten Artikel führen selbst wieder weiter zu allen möglichen Themen innerhalb und außerhalb der Physik. Wer wirklich tiefer in die Physik der Wellen am Strand einsteigen will, ohne direkt Physik studieren zu wollen, dem sei noch das gut lesbare rororo Sachbuch des amerikanischen Ozeanographen James Trefil empfohlen: Physik im Strandkorb. Von Wasser, Wind und Wellen. [1]

Skulpturen aus Sand


Wechseln wir nun das Medium. Gehen wir vom Wasser ans Land. Dort ist der Wind eine der wichtigsten gestaltenden Kräfte für die Landschaftsformen der Nordseeküste von Belgien bis Dänemark. Was der Wind an Formen erschafft nennt man in der Geologie auch äolisch, nach dem griechischen Gott des Windes.

Noch ganz nah am Ufer, dort wo die Wellen über den Sand spielen, sieht man oft tausendfach immer wieder ähnliche Muster: kleine Teile von Muschelschalen, Steinchen oder angespültes Treibgut sehen aus wie kleine Mini-Dünnen. Die noch vom Wasser erzeugten Strömungsmuster nennt man Strömungskämme. Obwohl wir sie auf dem Land sehen, sind sie doch Geschöpfe des Wassers. Siehe dazu 👉 Strömungskamm

Aber geht man etwas weiter weg von der Uferlinie, dort wo der Sand nur selten vom Wasser erreicht wird, sehen wir ganz ähnliche Strukturen nur sehr viel größer. Hier handelt es sich um sogenannte Embryonaldünen.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Nur wenige Zentimeter hoch, sind die Embryonaldünen oft ein Keim für eine möglicherweise Zehnermeter hohe ausgewachsene Weißdüne. Siehe auch 👉 Embryonaldüne

Wenn der Wind gegen ein Hindernis stößt, wird er dort langsamer. Wo er das Hindernis dann umgeht, ist die Windgeschwindigkeit wieder höher. Und nach dem Hindernis nimmt sie wieder ab. Und je stärker der Wind bläst, desto eher kann er kleine Sandkörner mitreißen. Durch komplizierte Vorgänge der Strömungsmechanik entstehen dann die kleinen Dünen.



Der vom Wind mitgerissene Flugsand weht oft gut sichtbar über die weiten Flächen am Strand. Bei ausreichend Windstärke kann das an den bloßen Knöcheln sogar prickelnd bis leicht schmerzhaft werden. Es ist dieser Flugsand, der beim Bau einer Embryonaldüne beteiligt ist. Siehe auch 👉 Flugsand

Aber wenn der Wind irgendwo Sand anhäuft, muss er ihn woanders her genommen haben. Die Nordseeküste, sich selbst überlassen, würde ständig ihre Form und ihr Aussehen ändern.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Die vom Wind zerschliffenen Dünen wirken fast gespenstisch. Für den Küstenschutz stellt vor allem die Erosion der schützenden Dünen eine ständige Aufgabe dar. Siehe dazu mehr im Artikel zur 👉 Korrasion

Aber der Sand tritt uns am Nordseestrand nicht nur in Form seiner Erosion entgegen. Auch Verfestigungen lassen sich beobachten. Am seeseitigen Fuße einer Düne fiel mir einmal ein fast brettharter Sand auf. Er war äußerlich vom Anblick her kaum vom restlichen hellen und trockenen Sand zu unterscheiden. Tatsächlich kann man durch Zugabe von Salzwasser Sand stark verfestigen. Man forscht sogar, den Effekt für den schnellen Bau von provisorischen Start- und Landebahnen für Flugzeuge praktisch nutzbar zu machen.



trockener Sand vom Dünenfuß + Salzwasser + Mikrowellenherd + Energie -> feste, zementierte Brocken aus Sand. Ist das ein erster Schritt hin zu einer Diagenese, einer Gesteinsbildung? Siehe auch 👉 Zementation_(Versuch)

Möglicherweise sind es hier die feinen Kristalle der Salze aus dem Meereswasser, die beim Verdunsten des Wassers die Sandkörner miteinander verbinden. In der Geologie spricht man von einer Zementation. Die Entstehung von festen Gesteinen aus ursprünglich lockerem Material bezeichnet man als Diagenese.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Dass die Diagenese schon in kürzester Zeit aus dem Strandmaterial gesteinsähnliche Körper erzeugen kann, bezeugt dieses Bild. Das eingebackene Armband einer Uhr zeigt, dass der Prozess höchstens einige wenige Jahrzehnte gedauert haben kann. Geologie im Zeitraffer. Siehe dazu mehr im Artikel zur 👉 Diagenese

Wie viel Salz im Meereswasser enthalten ist, kann auch überraschen. In einem Liter Nordseewasser sind über 30 Gramm Salz enthalten. Um das sichtbar zu machen, kann man einfach einen ganze Liter Meereswasser in einem großen Gefäß an der Sonne verdunsten lassen.



Hier wurde etwas gesättigte Salzlake (über 300 g pro Liter!) auf einen heißen Untergrund in der prallen Sonne gegeben. Sehr schnell entstehen gut sichtbar schöne weiße Salzkristalle als sogenannte Evaporite. Siehe dazu auch den Artikel zur 👉 Evaporation

Der Wind als Helfer und als Last


Wir haben gesehen, wie der Wind aus dem Material der Nordseeküste Gebilde erschaffen aber auch wieder vernichten kann. Auch in der Welt der Tiere tritt der Wind sowohl als Helfer als auch als Widersacher im ewigen Kampf um einen Platz im Leben auf. Vögel am Meer nutzen den Wind geschickt für ihre Zwecke. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Taktiken entwickelt. Betrachten wir also zunächst, wie der Wind hilft.



Ein Turmfalke kann vom Boden aus gesehen ganz regungslos längere Zeit in der Luft still stehen. Der deutsche Flugpionier Otto Lilienthal holte sich von den Vögeln seine bahnbrechenden Anregungen zum Bau erster Fluggeräte. Siehe auch 👉 Turmfalke

Physikalisch interessant ist hier die Betrachtung der sogenannten Relativgeschwindigkeit. Wir sind ihr schon unausgesprochen bei den Wellen und Einstein begegnet. Relativ zur Luft des Windes bewegt sich der Turmfalke. Aber relativ zum Boden steht er still. Siehe auch 👉 Relativgeschwindigkeit

Noch viel enger mit der See verbunden als Falken sind die Möwen. Auch sie haben es über die Jahrmillionen ihrer Evolution gelernt, die Winde optimal für ihre Flüge zu nutzen.



Hier fliegt eine Möwe relativ zum Wind und relativ zum Grund schnell an einer Dünenkette entlang. Nutzt sie hier möglicherweise Aufwinden? Vor Jahrzehnten hatte ich ähnliche Flugmanöver bei Drachenfliegern über Dünenketten am niederländischen Grevelingenmeer beobachtet.



Früher, in den 1970er Jahren, konnten Möwen noch auf üppiges Essen im Gefolge von Schiffen hoffen. Von der Bordküche ging der Abfall oft direkt ins Meer. Heute ist diese Nahrungsquelle hoffentlich weitgehend versiegt. Dennoch folgen Möwen gerne dem Heck eines Schiffes. Und wieder verwenden sie dabei kaum einen Flügelschlag.



Rauchschwalben zeigen an Deichen ein seltsames Verhalten: fährt man mit dem Fahrrad auf der Deichkrone entlang, jagen sie in wildem Flug dicht vor dem eigenen Vorderrad quer an einem vorbei. Was veranlasst die Tiere zu diesem burlesken Spiel? Jagen sie Insekten, die durch das Fahrrad aufgescheucht wurden? Nutzen sie irgendwelche Winde am Deich? Siehe auch 👉 Rauchschwalbe

Wissenschaftlich eingehend untersucht ist die Frage, in welcher Höhe Vögel idealerweise über das Meer fliegen sollten, wenn sie möglichst wenig Energie dabei verbrauchen möchten. Als Gegenwind nämlich wird die Bewegung der Luft zum Widersacher. Ihm gilt es dann nach Möglichkeit auszuweichen.



Kormorane gibt es im Binnenland und an der Küste. Auffällig ist, dass sie oft ohne erkennbaren Grund ganz dicht über der Wasseroberfläche fliegen. Bei Gegenwind ist dort die Windstärke geringer als weiter oben. Das könnte das Verhalten erklären. [2] Siehe dazu auch den Artikel zur 👉 Flughöhe

Ganz anders nutzen Piloten den Gegenwind wenn sie starten oder landen. Wenn sie gegen den Wind fliegen, haben sie bei gleicher Geschwindigkeit relativ zum Boden schon sehr viel früher eine hohe Geschwindigkeit relativ zur Luft. Und damit können sie letzten Endes auch mit weniger Startbahn starten (oder landen).



Startet ein Flugzeug gegen den Wind, dann muss es über Grund sehr viel weniger schnell sein, als würde es mit dem Wind, also mit Rückenwind starten. Überlebenswichtig wird dieser Umstand zum Beispiel auch auf Flugzeugträgern. In dem Video sieht man kurz auch den rot-weißen Windsack auf dem Flugplatz. Er zeigt deutlich, dass das Flugzeug gegen den Wind startet. Siehe auch 👉 Geschwindigkeitsmessung (Translations-Methode)

Licht und Optik


Maler und Urlauber schwärmen gleichermaßen von dem immer wechselnden Licht an der Küste. Das Zusammenspiel von Meer, Land, Himmel und Wolken gibt eine Bühne für ständig neue Stücke. Bleiben wir zunächst auf dem Meer selbst.



Oft scheint das Meer zu funkeln. Einem lustigen Spiel gleich blitzt das Meer oft an vielen kleinen Stellen für kurze Zeit auf. Es sind die Flanken von Wellen, die gerade für einen kurzen Moment so zwischen Sonne und uns stehen, dass die Sonnenstrahlen in unsere Augen gelenkt werden. Dahinter steckt das Phänomen der Totalreflexion. Das ist näher erklärt im Artikel zum 👉 Sonnenglitzern



Welche Farbe hat das Meereswasser? Ein leuchtendes Blau wird man in der Nordsee kaum antreffen. Eher ist es grünlich oder gräulich. Schlägt man es aber mit der Hand auf, kann man weißen Schaum schlagen, den sogenannten 👉 Meeresschaum


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
s = 3,57·√H ist die Horizontformel. Damit kann man zum Beispiel abschätzen, wie weit ein Schiff entfernt ist. Die Formel nutzt aus, dass die Meeresoberfläche recht gut Kugelform hat. Wer direkt an der Uferlinie auf dem Bauch liegt, sieht von den Schiffen weit draußen oft nur die Oberbauten. Stellt man sich, wird auch der Rumpf sichtbar. Und geht man einige Meter die Dünen nach oben, wird plötzlich das ganze Schiff der Höhe nach sichtbar. Zur Optik hinter dem Phänomen siehe den Artikel zur 👉 Horizontformel

Fußnoten


  • [1] James Trefil: Physik im Strandkorb. Von Wasser, Wind und Wellen. rororo science Sachbuch. Ins Deutsche übersetzt von Helmut Mennicken. 4. Auflage. Juli 2025. ISBN: 3-499 19683 2.
  • [2] Der Formationsflug und die optimale Flughöhe von Vögeln ist mit seine Vorteilen (Nutzen) und Nachteilen (Kosten) ausführlich beschrieben in: Peter Südbeck, Franz Bairlein, Reno Lottmann (Herausgeber): Zugvögel im Wattenmeer. Faszination und Verantwortung. Brune-Mettcker Druck- und Verlags-GmbH. Wilhelmshaven, Wittmund. 2018. Dort das Kapitel 2 "Von großen Keilen, langen Linien und leuchtenden Wolken", verfasst von Thorsten Krüger. Seite 23 bis 43. Siehe auch 👉 Flughöhe



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