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Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Partizipatorisches Universum

Naturphilosophie

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Grundidee


Der US-amerikanische Physiker Archibald Wheeler schlug im Jahr 1990 vor, den Kosmos als ein partizipatorisches Gebilde zu deuten, in dem die jeweils momentane Realität erst durch die teilhabende Mitwirkung von Bewusstsein zustande kommt. [1] Wheeler nahm im Jahr 2006 an einer Diskussion mit anderen Physikern im australischen Rundfunk teil. Hier stehen einige Originalzitate von John Archibald Wheeler.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Sind Psyche und Physik so eng verwoben, dass das eine ohne das andere nicht denkbar ist? Dem Physiker John Archibald Wheeler zufolge ist das Universum auf einer ontologisch sehr tiefen Ebene Ausdruck unser psychischen Teilhabe.☛


Originalzitate von Wheeler



ZITAT:

Die Fragestellung: "The brain is small. The universe is large. In what way, if any, is it, the observed, affected by man, the observer? Is the universe deprived of all meaningful existence in the absence of mind? Is it governed in its structure by the requirement that it gives birth to life and consciousness? Or is man merely an unimportant speck of dust in a remote corner of space? In brief, are life and mind irrelevant to the structure of the universe – or are they central to it? [4]"



ZITAT:

Keine ungestörte Beobachtung: "In der Quantenphysik dagegen bedeutet jede Beobachtung einen Eingriff in das Beobachtete; eine Zustandsveränderung am Beobachteten ist auf Grund der quantenphysikalischen Naturgesetze mit dem Beobachtungsprozess zwangsläufig verknüpft. Also nicht ein sowieso, unabhängig von diesem Experiment vorhandener Tatbestand wird wahrgenommen, sondern wir selber rufen die Tatbestände hervor (oder: nötigen sie in bestimmter Richtung zu einer Klärung), die dann zur Wahrnehmung gelangen." [9]



ZITAT:

Ohne Beobachtung keine Realität: "Modern quantum theory, the overarching principles of 20th Century physics leads to quite a different view of reality, a view that man, or intelligent life, or communicating observer participators are the whole means by which the very universe is created: without them, nothing." [2]



ZITAT:

Auch die Vergangenheit ist beeinflussbar: "We are participators in bringing into being not only the near and here but the far away and long ago. We are in this sense, participators in bringing about something of the universe in the distant past and if we have one explanation for what's happening in the distant past why should we need more? [2]" Siehe auch 👉 Blockuniversum



ZITAT:

Das Doppelspaltexperiment: "Bohr asked about it once - where can the photon be said to be in its travel from the entrance to the reception? To be, he said, what does it mean, to be? We have no right to speak of where the photon is, what it's doing. It's like a great smoky dragon: the tail is definite where it enters the equipment, the mouth is definite where it bites the observing device, but in between it's nonsense to talk of what it's doing. [2]" Mehr unter 👉 Doppelspaltexperiment


Anton Zeilinger mahnt Vorsicht an


Der 1945 geborene Physiker und spätere Nobelpreisträger Anton Zeilinger mahnt aber an, dass man nicht zu schnell den Schluss ziehen solle, das Universum würde durch den Beobachter erst erschaffen. [5] Aber er gesteht doch zu, dass die Welt möglicherweise nicht als unabhängig von unserem Zutun und unserer Beobachtung verstanden werden könne. [6] Mehr unter 👉 interaktionistischer Dualismus

Wesley J. Wildmans Interaktivität


Wesley J. Wildman (geboren 1961) ist ein australisch-amerikanischer Theologe und Philosoph mit einem mathematischen Hintergrund. Unter anderem forscht er über die spirituelle und religiöse Erfahrung (spiritual and religious experiences). Wesley hat eine seltene und wertvolle Haltung, verschiedenste und zueinander widersprüchliche Ansichten als Möglichkeit bestehen zu lassen und ihren nützlichen Gehalt zu suchen. In einem Vortrag über die Vertrauenswürdigkeit spiritueller und religiöser Erlebnisse beschreibt er den körperlichen (embodied) Menschen vor allem über seine Interaktivität mit dem Kosmos:


ZITAT:

Wesley Wildman: "Wahrnehmung [nach James J. Gibson ist ein] im Wesentlichen exploratives und hypothetisches System, durch das Organismen mit ihrer Umwelt interagieren und diese beeinflussen. Der Organismus erkundet die Umwelt nach Informationen über Interaktionsmöglichkeiten, die Gibson treffend als „Affordanzen“ bezeichnete. Die Umwelt bietet eine Interaktionsmöglichkeit. Das bedeutet, dass die Umwelt entsprechend den Interessen des Organismus wahrgenommen wird und dass sich die Handlungsoptionen des Organismus innerhalb seiner Umwelt sowohl in seiner Interaktionsbereitschaft als auch in seinem tatsächlichen Verhalten widerspiegeln." [11]


Ohne auf Physik, geschweige denn Quantenphysik einzugehen, zeichnet Wesley hier ein Bild von menschlicher Handlung, das sehr nahe an Wheelers Konzept eines partizipatorischen Universums heran kommt. Wesley unterstreicht in seinem hier zitierten Vortrag noch zwei wichtige Aspekte: die verschmierte Grenze zwischen Subjekt und Objekt sowie die große Bedeutung von Werten (values). Wesley zufolge nehmen wir Teile des Universums direkt mit starken, individuell sehr unterschiedlichen Werthaftigkeiten wahr. [12]

Fußnoten


  • [1] John Archibald Wheeler: Information, physics, quantum: The search for links. In: Zurek, Wojciech Hubert (ed.). Complexity, Entropy, and the Physics of Information. 1990. Redwood City, California: Addison-Wesley. ISBN 978-0-201-51509-1. (Definition von "participatory universe" auf Seite 5).
  • [2] Paul Davies, David Deutsch, John Archibald Wheeler, Frank Tipler, Martin Redfern: The anthropic universe. Radio Präsentation vom 18. Februar 2006. ABC Radio Australia.
  • [3] Alexei V. Nesteruk: A "Participatory Universe" of J. A. Wheeler as an Intentional Correlate of Embodied Subjects and an Example of Purposiveness in Physics. In: Journal of Siberian Federal University. 6 (3). 2013: 415–437. arXiv:1304.2277. Bibcode:2013arXiv1304.2277N.
  • [4] John Archibald Wheeler: The Universe as Home for Man. In: The Nature of Scientific Discovery. Edited by O. Gingerich, Washington, D.C.: Smithsonian Institution Press, 1975, pp. 261-96.
  • [5] Der Physiker Anton Zeilinger warnt vor zu schnellen Schlüssen: "Wie weit geht nun der Einfluß des Beobachters? Wie weit ist der Einfluß auf die Natur? Es wird nun unglücklicherweise immer wieder behauptet, daß die Quantenmechanik sage, die Welt würde durch den Beobachter erst geschaffen. Diese Aussage ist genau von der oben erwähnten Natur, daß unklares Verständnis der naturwissenschaftlichen Terminologie zu unbegründeten metaphysische Aussagen verleitet." In: Anton Zeilinger: Jenseits jeder Gewißheit: Das Rätsel der Quantenwelt. Ausstellung in der Neuen Galerie in Graz (1997) und im Ludwig Museum in Budapest (1996). Katalog im Passagen Verlag, Wien. Online: https://homepage.univie.ac.at/franz.embacher/Quantentheorie/sciweek2000/Zeilinger-Artikel/index.html
  • [6] Der Physiker und Nobelpreisträger Anton Zeilinger (geboren 1945) steht einem starken Subjektivismus nahe. Die Ergebnisse von Versuchen zur Quantenverschränkung und dem Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon legen für ihn nahe: „Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist. Wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden.“ In: Interview von Andrea Naica-Loebell mit Anton Zeilinger. Telepolis, 7. Mai 2001. Siehe auch 👉 Subjektivismus
  • [7] B. Kanitscheider: Von der mechanistischen Welt zum kreativen Universum. WBG, Darmstadt. 1993.
  • [8] In Richtung eines partizipatorischen Universums denkt auch der schottische Neurowissenschaftler und Psychiater Iain McGilchrist: The Matter with Things: Our Brains, Our Delusions, and the Unmaking of the World (Vols. 1–2). Perspectiva Press. 2021.
  • [9] Pascual Jordan: Quantenmechanische Bemerkungen zur Biologie und Psychologie, Erkenntnis, Vol. 4 (1934). p. 228. ISBN: 9781914568053
  • [10] Jörg Starkmuth: Die Entstehung der Realität. Wie das Bewusstsein die Welt erschafft. Verlagssgruppe Random House Gmbh. 2010. ISBN: ISBN 13: 9783442219261
  • [11] Wildmans interaktiver Mensch: "The root ideas of an ecological theory of perception are alreay present in the work of psychologist James Gibson. He conceived perception as an essentially exploratory and hypothetical system by which organisms interact with and manipulate their surrounding environment. The organism samples the environment for information about interactive possibilities and Gibson intriguingly and aptly calls them affordances. The environment affords a way of interacting with it. This means that both the environment is perceived according to the organisms interests and that the organisms action possibilities within its environment are disclosed according to both the way the organism is prepared to interact and the way it actually behaves." In: Wesley J. Wildman: Can you Trust Your Instincts? Lecture hosted by the Center for the Study of Religion and Psychology at Boston University's Danielsen Institute on February 25, 2008. Online: https://www.youtube.com/watch?v=rmqDilaO9XQ
  • [12] Als Beispiel für eine werthaftige Wahrnehmung von Objekten beschrieb Wildman in seinem Vortrag von 2008 die Reaktion eines Freundes auf ein neu heraus gebrachtes Auto der Firma Chrysler, den PT Cruiser. Dieses Auto habe bei seinem Freund starke emotionale Reaktionen hervor gerufen. Der Freund habe nicht nur technische Details auf ihre Nützlichkeit hin bewertet. Er sah in dem Retro-Auto eine schwer in Worten zu beschreibende Lebenshaltung, das Verbindungsglied zu einer Gemeinschaft ähnlich fühlender Menschen und die Inspiration für wertvolle Erinnerungen.



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