Bernstein-Schwimm-Versuch
Tischversuch
© 2026
Basiswissen|
Kurze Version|
Lange Version|
Bergbau & Aufbereitung|
Material|
Liste|
Bernstein|
Salzwasser|
Glycerin|
Spiritus|
Gefäße|
Sonstiges|
Durchführung|
Glycerinschwimmen|
Salzwasserschwimmen|
Wassersinken|
Eltern- und Lehrertipps|
Fußnoten
Basiswissen
Entlang der Küste der Ostsee, etwa in Polen und Litauen, gab es früher sogenannte Bernsteinfischer: mit großen Netzen bewaffnet sind Menschen in das Kalte Wasser der Ostsee gestiegen und haben dort im Wasser schwimmende Schmucksteine herausgefischt. Strenge Gesetze haben geregelt, wem der Bernstein gehörte! Ein einfacher Tischversuch zeigt, worauf es ankommt, wenn Bernstein schwimmen soll. Die Erklärung hier eignet sich auch für Erwachsene, die den Versuch gemeinsam mit Kindern durchführen möchten.
Kurze Version
Man nimmt etwa einen Teelöffel voll kleiner Stückchen Bernstein, wie man sie im Schmucksteinhandel für wenig Geld [1] kaufen kann. Man teilt den Haufen in zwei etwa gleich große Hälften. Die eine Hälfte wird in ein Glas mit reinem Leitungswasser gegeben, die andere Hälfte in stark salziges Wasser.
MERKSATZ:
Bernstein in Leitungswasser sinkt zu Boden. Dieselben Stücken schwimmen in stark salzigem Wasser fast alle an der Oberfläche.
Bernstein in Leitungswasser sinkt zu Boden. Dieselben Stücken schwimmen in stark salzigem Wasser fast alle an der Oberfläche.
Der springende Punkt ist die sogenannte Dichte der Flüssigkeit. Hat man zwei gleiche Mengen von Wasser, dann ist das Salzwasser deutlich schwerer als das Leitungswasser. Man hat dann "mehr Gramm pro Milliliter". Man sagt, dass die Dichte von Salzwasser größer ist als die Dichte von Leitungswasser. Und je dichter eine Flüssigkeit ist, desto leichter können Dinge auf ihr Schwimmen. Siehe auch 👉 Salzwasserdichte
Lange Version
Bergbau & Aufbereitung
In der ehemals ostpreußischen Stadt Palmnicken, dem heutigen Jantar in Russland, findet man Bernstein im tonigen und sandigen Untergrund im Boden. In eine Tagebau wird das Material abgebaut. In einem Kubikmeter Boden kann man zum Beispiel 2 Kilogramm Bernstein finden. [2] Aber auch in den Braunkohletagebauen in Mitteldeutschland gab es Erschichten, die viel wertvollen Bernstein enthielten. Man darf sich das so vorstellen, dass große Eimerketten- und Schaufelradbagger ständig große Mengen an Lockerboden auf ein Förderband werfen. Auf diesem schnellen Förderband würde das Material schnell an einem Beobachter vorbeihuschen. In diesem sogenannten Material- oder Förderstrom sind dann hier und da verteilt die kleinen Stückchen Bernstein.
.png)
Hier sieht man wie ein sogenannter Eimerkettenbagger den Untergrund abgräbt. In dem gebaggerten Material sind hier und da verteilt die begehrten Stücke und Stückchen aus Bernstein. Wie viel Material hier anfällt macht der voll beladene Güterzeug deutlich. Die Frage ist: wie fischt man aus dem Material in den großen Güterwaggons den Bernstein heraus?
Ein ähnliches Problem haben die Diamantsuche im südlichen Afrika. Dort werden von Küsten und em Meeresboden große Mengen an Sand abgegraben. Und im Sand versteckt sind die sehr, sehr wenigen aber extrem wertvollen Diamanten. Wie findet man sie? [4]
Wie man solche Fragen und Probleme angeht, gehört in das Gebiet der sogenanten Aufbereitung. Man konnte oder kann Aufbereitung als Technik sogar studieren. Von den Inhalten und Methoden ist es oft eng an der Verfahrenstechnik. Wenn es darum geht, neue Verfahren zu entwickeln, führt das nach der ersten Idee oft zu Versuchen im Labor.
Material
Liste
Bernstein
Bernstein ist überraschend billig. Dabei muss man sich aber mit kleinen Stückchen zufrieden geben. Große Stücke weden schnell teuer. Im Handel wird oft ein sogenanntes Bernsteingranulat angeboten. [1] Das ist die billigste Variante und für die Versuche hier auch ideal: viele kleine Stücke, als Haufen vielleicht für einen Teelöffel ausreichen, sind für den Versuch hier gut.
Salzwasser
Man könnte Salzwasser von Urlaub mitbringen. [5] Aber vom Effekt her genau so gut funktioniert selbst hergestelltes Salzwasser. Je salziger das Wasser ist, desto leichter schwimmt der Bernstein auf ihm.
Ab etwa 70 Promille ist das Salzwasser dichter als Bernstein. Das wären etwa 70 Gramm Salz auf einen Liter Wasser. Das wäre gut doppelt so salzig wie das Wasser der Nordsee.
Auch ohne Waage kann man das Salzwasser herstellen: wenn man den Boden eines Bechers mit etwa 1 cm Salz bedeckt und dann den Becher bis auf etwa 4 cm Höhe mit heißem Wasser auffüllt, hat man eine Mischung für ein ausreichend dichtes Salzwasser. Das Salz ist dann ganz aufgelöst, wenn das Wasser auch bei Rühren ganz klar bleibt.
Glycerin
Glycerin kann man in Apotheken, Drogerien und immer auch im Versandhandel kaufen. Es ist eine zähe, süße Flüssigkeit und trotzt ihres bedrohlichen Namens (Nitrogylcerin) sogar als Lebensmittel zugelassen. Man könnte es theoretisch essen. Wichtig für den Versuch hier ist die hohe von etwa 1,26.
Damit ist es deutlich dichter als Bernstein. Man kann Bernsteinstücken auf den Boden eines Glases mit Glycerin drücken. Sie werden sehr schnell wieder nach oben streben und dann an der Oberfläche bleiben. Siehe auch 👉 Glycerin
Spiritus
Spiritus oder reiner Alkohol können in jeder Drogerie in großen Mengen, etwa in Flaschen für einen Liter, preiswert gekauft werden. Solange Spiritus auf dem Behälter steht, ist es für den Bernstein-Schwimm-Versuch geeignet. Der Geschmack ist unwichtig. Achtung: Spiritus ist leicht entzündlich und nicht immer leicht zu löschen.
Gefäße
Um den bloßen Effekt von Schwimmen und Sinken zu betrachten ist die Art des Gefäßes recht unwichtig. Irgendwelche Becher oder Gläser tun es. Will man aber dem Bernstein auch unter der Oberfläche zusehen, sind Glasgefäße ideal. Für Versuche mit Messungen sind Messbecher und Messzylinder ideal.
- Nur für den rein qualitativen Effekt: einfache Becher
- Für Beobachtungen "unter Wasser": durchsichtige Gläser
- Für labormäßige Messungen 👉 Messbecher
- Sowie optional 👉 Messzylinder
Für die Tischversuche in unserer Lernwerkstatt in Aachen haben sich gläserne Messbecher mit einem Durchmesser von etwa 5 cm gut bewährt. Man benötigt dann nicht zu viel Flüssigkeit und hat dennoch ausreichend Platz für ein bequemes Hantieren.
Sonstiges
Wie kriegt man den Bernstein später wieder aus der Flüssigkeit heraus? Man kann dazu Siebe und Pinzetten verwenden. Ein bloßes Abgießen über den Rand in den Abfluss birgt die Gefahr, dass ein kleines Stückchen Bernstein mit dem Wasser Richtung Klärwerk verschwindet.
Die Waage macht Sinn, wenn man sehr exakt die verwendeten Massen bestimmen will. Wie viel Flüssigkeit man hat, lässt sich oft bequemer mit einer Waage als mit Messgefäßen bestimmen.
Durchführung
Man kann den Versuch auf sehr viele verschiedene Weisen durchführen. Hier ist also nur eine von vielen Möglichkeiten beschrieben. Das Besondere an der Variante ist, dass man Messwerte für eine spätere Auswertung aufnimmt.
Glycerinschwimmen
Wir fangen mit dem Glycerin an. Dort sehen wir am deutlichsten, was schwimmen heißt. Beim Glycerin wirken starkte Kräfte auf die Bernsteinstücken, um sie an der Oberfläche zu halten und nach dort zurück zu bringen.
Messbecher
- Stelle einen leeren Messbecher auf eine Waage. Notiere das angezeigte Gewicht.
- Fülle einen Messbecher bis auf eine Höhe von etwa 1 cm mit Glycerin auf. Das Glycerin muss tief genug sein, dass die Bernsteinstückchen ganz untergetaucht werden können.
- Notiere das jetzt angezeigte Gewicht von Becher mit Glycerin.
- Messe das Volumen des Glycerins, zum Beispiel über Ablesen an der Skala. Wenn die Oberfläche wie ein dicker Strich aussieht, liest vom unteren Rand des Striches ab. Siehe dazu auch 👉 Meniskus
- Berechne das Volumen des Glycerins: miss den Innendurchmesser des Messbechers und die Höhe des Glycerins. Das Glycerin füllt als Form einen Zylinder aus. Berechne das 👉 Zylindervolumen
Dichte
- Glycerin in stark hygroskop. Es zieht also Wasser aus der Luft an.
- Steht Glycerin offen in einem Raum, bildet sich oben dann ein Wassersee aus. [6]
- Mit den folgenden Messungen überprüft man die Reinheit des Glycerins.
- Berechne aus den Messwerten von oben die Masse des Glycerins in g [Gramm]
- Berechne oder nimm aus den Werten oben das Volumen des Glycerins in cm³ [Kubikzentimeter]
- Berechne, wie viel mal so groß die Grammzahl ist wie die Kubikzentimeterzahl.
- Das Ergebnis ist die Dichte von Glycerin in 👉 Gramm pro Kubikzentimeter
- Wenn die Dichte in der Nähe von 1,26 g/cm³ liegt, war es gut 👉 Glycerindichte
Schwimmversuch
Wenn die Dichte deutlich über 1,2 g/cm³ liegt, sollte der Versuch einen sehr deutlichen Effekt zeigen. Der Bernstein wird wie von Zauberhand geführt immer wieder der Oberfläche zustreben.
- Setze ein Stück Bernstein auf die Oberfläche des Glycerins. Der Bernstein sollte stabil schwimmen.
- Drücke das Stück Bernstein mit der Pinzette auf den Boden des Bechers. Der Bernstein sollte schnell wieder nach oben aufsteigen.
Interessant ist hier noch der Einfluss der Zähigkeit. Glycerin ist, wie auch zum Beispiel Honig, sehr zähflüssig. Das heißt, die Bewegung des Bernsteins ist wie in einem klebrigen Stoff. Das macht den Aufstieg des Bernsteins vom Boden an die Oberfläche vielleicht langsam. Aber letzten Endes sollte der Bernstein immer wieder zur Oberfläche zurück gekehrt sein.
TO-DO:
Könnte man den Effekt auch mit Honig erzielen? Wäre Honig dicht genug? Würden die Glycerinstückchen, einmal auf den Boden einen Honigglases gedrückt, letztendlich darin von alleine aufsteigen?
Könnte man den Effekt auch mit Honig erzielen? Wäre Honig dicht genug? Würden die Glycerinstückchen, einmal auf den Boden einen Honigglases gedrückt, letztendlich darin von alleine aufsteigen?
Steigrate
Hat man ein Stückchen Bernstein gefunden, das im Glycerin gut nach oben aufsteigt, kann man die sogenannte Steigrate bestimmen. Das Wort wird eigentlich eher in der Fliegerei verwendet. Es sagt, wie schnell etwas aufsteigt.
- Setze das Bernsteinstückchen auf den Boden.
- Lasse es los. Miss die Zeit bis zum Erreichen der Oberfläche in Sekunden.
- Wenn die Zeit zu kurz ist, gieße mehr Glycerin in das Gefäß.
- Miss die Höhe vom Boden bis zur Oberfläche in Millimetern.
- Teile die Millimeterzahl durch die Sekundenzahl.
- Das Ergebnis ist die 👉 Steigrate
Werte für die Dichte und Steigraten können später dabei helfen, wenn man Anlagen bauen will, in denen Bernstein in einem industriellen Maßstab getrennt werden soll. Das Glycerin hätte den Vorteil, dass Bernstein deutlich oben aufschwimmt, Steine aber noch absinken würden. Aber der Vorgang der Trennung dauert vielleicht zu lange. Vielleicht finden sich für eine Trennung von Bernstein und "Nebengestein" noch bessere Flüssigkeiten?
Salzwasserschwimmen
Auch mit Salzwasser kann man Bernstein aufschwimmen lassen. Hier ist der Charme, dass man Wasser mit verschiedenen Salzgehalten selbst anrühren kann. Damit kann man auch Wasser verschiedener Dichten herstellen. Bis 1,15 g/cm³ sind problemlos machbar. Damit kommt man deutlich über die Dichte von reinem Bernstein, die oft bei nur etwa 1,050 g/cm³ liegt. Wie das Salzwasser hergestellt werden kann, wurde weiter oben schon einmal beschrieben. Eine einfache Variante ist es, den Boden des Glases mit 1 cm Kochsalz zu bedecken. Dann füllt man das Glas bis auf 4 cm Höhe mit Wasser an. Gut umrühren bis das Wasser ganz klar ist, und fertig ist das Salzwasser.
Messbecher
- Stelle einen leeren Messbecher auf eine Waage. Notiere das angezeigte Gewicht.
- Fülle einen Messbecher bis auf eine Höhe von etwa 1 cm mit Kochsalz (Natriumchlorid) auf.
- Notiere das Gewicht von Messbecher mit dem Salz.
- Fülle den Becher bis auf 4 cm Höhe mit Leitungswasser auf.
- Notiere das Gewicht des Messbechers mit dem Salz und dem Leitungswasser.
- Die bis jetzt notierten Gewichte erlauben es später, den Salzgehalt des Wasser zu berechnen.
- Aus dem Durchmesser des Messbechers und der Füllhöhe des Salzwassers kann man das Volumen des Salzwassers berechnen 👉 Zylindervolumen
- Der Gewichtsunterschied des Messbechers mit dem Salzwasser zum leeren Messbecher gibt die Masse des Salzwassers.
Dichte
- Es gibt dichtes und weniger dichtes Salzwasser. Die Dichte hängt vom Salzgehalt ab.
- Eine Tabelle sagt, bei welchem Salzgehalt man welche Dichte hat 👉 Salzwasserdichten
- Teile das Gewicht des Salzwassers in Gramm durch sein Volumen in cm³.
- Wenn die Dichte über 1,10 g/cm³ sollte es für den Versuch gut sein.
Schwimmversuch
Wenn die Dichte deutlich über 1,1 g/cm³ liegt, sollte der Versuch einen Effekt zeigen. Die meisten Bernsteinstückchen sollten obe auf der Oberfläche des Salzwassers schwimmen.
- Setze ein Stück Bernstein auf die Oberfläche des Salzwassers. Der Bernstein sollte stabil schwimmen.
- Drücke das Stück Bernstein mit der Pinzette auf den Boden des Bechers. Der Bernstein sollte wieder nach oben aufsteigen.
Beim Glycerin hatten wir beobachtet, dass die Zähigkeit den Aufstieg des Bernsteins etwas verlangsamt. Glycerin ist sehr zähflüssig, das Fachwort dafür ist viskos. Aber Salzwasser ist sehr viel weniger viskos. Entsprechend schneller sollte das Stückchen Bernstein aufsteigen.
Steigrate
Hat man ein Stückchen Bernstein gefunden, das im Salzwasser gut nach oben aufsteigt, kann man wieder wie schon beim Glycerin die Steigrate bestimmen.
- Setze das Bernsteinstückchen auf den Boden.
- Lasse es los. Miss die Zeit bis zum Erreichen der Oberfläche in Sekunden.
- Wenn die Zeit zu kurz ist, gieße mehr Salzwasser in das Gefäß.
- Miss die Höhe vom Boden bis zur Oberfläche in Millimetern.
- Teile die Millimeterzahl durch die Sekundenzahl.
- Das Ergebnis ist die 👉 Steigrate
Eine hohe Steigrate könnte die industrielle Trennung sehr beschleunigen. Kippt man Bernstein zusammen mit Sand und kleinen Kiesstückchen in Salzwasser, wäre es ideal, wenn der Bernstein oben schwimmend bleibt und die anderen Stoffe zu Boden sinken. Wird ein Stückchen Bernstein beim Schüttvorgang mit zu Boden gerissen, wäre es gut, wenn es von alleine schnell wieder aufsteigt.
Wassersinken
Nun betrachten wir, wie sich Bernstein in Leitungswasser verhält. Leitungswasser hat etwas weniger Dichte als Glycerin. Da die Dichte von echten Bernsteinstücken nicht immer gleich ist, kann es manche Stücke geben die Schwimmern, andere sinken zum Boden ab. Ein Grund für besonders leichte Stückchen Bernstein können etwa eingeschlossene Luftblasen sein.
Messbecher
- Stelle einen leeren Messbecher auf eine Waage. Notiere das angezeigte Gewicht.
- Fülle einen Messbecher bis auf eine Höhe von etwa 4 bis 10 cm mit Leitungswasser.
- Leitungswasser ist billig. Je höher aufgefüllt, desto besser.
- Notiere das jetzt angezeigte Gewicht von Becher mit Wasser.
- Messe das Volumen des Wassers, zum Beispiel über Ablesen an der Skala. Wenn die Oberfläche wie ein dicker Strich aussieht, liest vom unteren Rand des Striches ab. Siehe dazu auch 👉 Meniskus
- Berechne das Volumen des Wassers: miss den Innendurchmesser des Messbechers und die Höhe des Glycerins. Das Glycerin füllt als Form einen Zylinder aus. Berechne das 👉 Zylindervolumen
Dichte
- Berechne aus den Messwerten von oben die Masse des Wassers in g [Gramm]
- Berechne oder nimm aus den Werten oben das Volumen des Wassers in cm³ [Kubikzentimeter]
- Berechne, wie viel mal so groß die Grammzahl ist wie die Kubikzentimeterzahl.
- Das Ergebnis ist die Dichte von Leitungswasser in 👉 Gramm pro Kubikzentimeter
- Wenn die Dichte in der Nähe von 1,00 g/cm³ liegt, war es gut 👉 Wasserdichte
Schwimmversuch
- Gib einen halben Teelöffel von Bernsteingranulat auf die Wasseroberfläche.
- Manche Teilchen sinken sofort zum Boden, andere bleiben an der Oberfläche.
- Schüttele den Becher etwas. Vielleicht sinken jetzt noch mehr Teilchen ab.
- Es kann auch sein, dass alle Stückchen zum Boden absinken.
Sehr kleine Stückchen von Bernstein könnten auch über die sogenannte Oberflächenspannung des Wassers oben gehalten werden. Den Effekt nutzen auch Tiere wie der sogenannte Wasserläufer. Hier kommt zum Kampf zwischen Schwerkraft und Auftrieb noch eine dritte Kraft hinzu. Wenn man aber einmal stark das Gefäß schüttelt oder mit einem Stab darin rührt, wird die Oberflächenspannung zerstört. Oder man gibt einen Tropfen Spülmittel ins Leitungswasser. Spültmittel zerstört auch die Oberflächenspannung. Nach beiden Maßnahmen bestimmt wieder nur die Dichte das Schwimm- und Sinkverhalten. Zum physikalischen Hintergrund siehe auch den Artikel zur 👉 Oberflächenspannung
Sinkrate
Es erscheint offensichtlich, dass von alleine abgesunkene Stücke Bernstein nicht mehr von alleine an die Oberfläche aufsteigen (eine quasi-Ausnahme lernen wir später kennen). Also macht es auch keinen Sinn, eine Steigrate bestimmen zu wollen. Stattdessen versuchen wir eine Sinkrate zu bestimmen. Aber das ist nicht ganz einfach.
- Gib mit der Pinzette ein größeres Stückchen Bernstein auf die Wasseroberfläche.
- Versuche mit einer Stoppuhr die Zeit bis zum Erreichen des Bodens zu messen.
- Die Wasserhöhe in mm geteilt durch die Sinkzeit in Sekunden ergäbe die Sinkrate in mm/s.
Es kann gut sein, dass die Stückchen Bernstei aber im Wasser so schnell zu Boden sinken, dass ma die Zeit mit einer handgeführten Stoppuhr nur schlecht messen kann. Zu träge ist unsere Reaktion oder die Schaltermechanik der Uhr. Zwei Ideen können weiter helfen.
- Die Sinkzeit über die Auswertung eines Films in Zeitlupe bestimmen
- Die Sinkzeit mit Taucherbrille im Sprungbecken eines Schwimmbads messen.
Videoauswertungen sind heute über Apps selbst für jüngere Kinder oft kein Problem mehr. Kniffliger dürfte der Versuch sein, ein kleine Stückchen Bernstein in einer vielleicht 4 Meter tiefen Sprunggrube in einem Schwimmbad zu bestimmen. Man benögtigt eine wasserfeste Stoppuhr, muss mit dem Teilchen gemeinsam zu Boden tauchen und darf durhc eigene Schwimmbewegungen das Sinken des Bernsteins nicht stören.
Wer eine Sinkrate irgendwie bestimmt hat, sollte möglichst überzeugend dokumentieren, warum man dem Wert glauben sollte.
Eltern- und Lehrertipps
Der Bernstein-Schwimm-Versuch gehört seit vielleicht 2015 zum festen Repertoire in unserer Aachener Lernwerkstatt. Wenn die Beschreibung oben zu umständlich oder zu eng wirkt, dann mag folgende Beobachtung helfen. Bei interessierten Kindern genügt es oft, jede Menge Material auf den Tisch zu stellen und nur eine einzige Leitfrage zu stellen. Die Kinder entwickeln dann oft Ideen, auf die man selbst bisher noch nie kam. So wurde einmal aus dem bloßen Vorführeffekt der Elektrolyse ein Projekt von über anderthalb Jahren. Eine ideenfördernde Leitfrage zum Bernsteinschwimmen könnte sein: wie kann man aus einem großen Haufen Sand darin untergemische Bernsteinstücke möglichst schnell herausfischen?
Fußnoten
- [1] Der Ambershop aus Hamburg bot im Februar 2026 an: "1/2 Kilo (500 Gramm) rohes Bernsteingranulat. Nicht bearbeitet! Rohbernsteine von 0,2 bis 0,8 cm Größe." Der Bruttopreis inklusive Mehrwertsteuer lag bei 35 Euro. Damit kommt man auf 70 €/kg. Aber Achtung: für die gleiche Masse von einem Kilogramm bezahlt man 800 €, wenn die Stückchen größer sein sollen: "Circa 200 - 280 Stück. Steingrößen von ca. 3 - 4 cm Länge und ca. 3 - 7 Gramm Gewicht. Baltischer Rohbernstein ist ein wunderschönes Naturprodukt." Dort liegt der Preis dann bei 800 €/kg. Online: https://ambershop.de/
- [2] Bei Palmnicken im ehemaligen Ostpreußen, lässt sich der Bernstein im Tagebau großtechnisch gewinnen: bis zu 500 t im Jahr. Der graugrüne Glaukonit Sand (= Tonmineral; Kalium-Eisen-Aluminium-Silikat; „Blaue Erde“) enthält dort etwa 2 kg Bernstein je m³ . Die Russen nannten Palmnicken nach dem 2. Weltkrieg in Anlehnung an das russische Wort für Bernstein „jantar“ in „Jantarni“ um." In: Wolfgang Hasenpusch: Vom Gold Ostpreußens zu den modernen Chemiefasern. CLB Chemie in Labor und Biotechnik, 58. Jahrgang, Heft 03/2007. Dort auf Seite 88. Online: https://www.clb.de/ck2011rx52_files/CLB03-07.pdf
- [3] Zur Abtrennung des relativ leichten Rohbernsteins der Dichte 1,05 bis 1,10 g/cm³ von der Erde verwendete man besonders aus Braunkohlegruben in Mitteldeutschland eine konzentrierte Magnesiumchlorid-Sole (Dichte = 1,2 -1,3 g/cm³). Dabei schwamm der Bernstein auf, während sich die braunkohlehaltige Sandschicht am Boden sammelte." In: Wolfgang Hasenpusch: Vom Gold Ostpreußens zu den modernen Chemiefasern. CLB Chemie in Labor und Biotechnik, 58. Jahrgang, Heft 03/2007. Dort auf Seite 88. Online: https://www.clb.de/ck2011rx52_files/CLB03-07.pdf
- [4] In Namibia und Südafrika konnte ich den 1990er Jahren noch selbst beobachten, wie Privatleute und kleine Unternehmen Sand abbauten und nach Diamenten durchsuchten. Sie verwendeten dazu oft einfache Siebe aber auch ausgekügelte Geräte, die Diamanten aus einem herabfallenden Strahl Sand erkannten und blitzschnell mit einem Wasserstrahl herausschießen konnten. Siehe etwa den Artikel zum 👉 Diamantkutter
- [5] Wer das Salzwasser aus der Nordsee nachstellen möchte, löst etwa 35 Gramm Salz in einem Liter Wasser auf. Je wärmer das Wasser ist, desto schneller löst sich das Salz auf. Siehe mehr im Artikel zu 👉 Salzwasser
- [6] Die Hygroskopie des Glycerins ist so stark, dass wir in einem Langzeitversuch seit 7 Jahren keinerlei Flüssigkeitsverlust in einem offenen Messbecher mit Glycerin hatten: im Januar 2019 wurden etwa 40 ml (Milliliter) Glycerin abgefüllt. Bis zum Februar 2026 hat die Menge an Flüssigkeit in dem Gefäß nicht abgenommen. Die Vermutung ist, dass das Glycerin Wasser aus der Luft anzieht. Da Wasser leicht ist als Glycerin schwimmt es oben auf. Und somit verdunsten letzten Endes nur Wasser, was aber bald wieder aus der Luft zurück in das Glyceringefäß gebunden wird. Siehe mehr zu diesem Langzeitversuch im Artikel zum 👉 Verdunstungsversuch (Glycerin)