A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 9 Ω
Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Stokessche Gleichung

Sinkgeschwindigkeit

© 2016 - 2026




Basiswissen


Wie schnell sinkt eine Kugel in einer Flüssigkeit oder in Luft nach unten? Die Stokessche Gleichung berechnet diese gesuchte Sinkgeschwindigkeit für kugelförmige Körper.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Solange die Auftriebskraft Fd und die Gravitationskraft Fg im Gleichgewicht sind, sinkt ein Körper in einem Fluid mit konstanter Geschwindigeit. Diese Geschwindigkeit kann mit der Stokesschen Gleichung berechnet werden. © Kraaiennest ☛


Video




Eine kleine Eisenkugel fällt in rund 1,6 Sekunden durch 22 cm Strecke recht zähen Glycerins. Wie gut passen die hier gemessenen Werte zur Stokesschen Gleichung?

Worüber sagt die Gleichung etwas?


  • Angenommen man hat eine Flüssigkeit oder ein Gas, also ein 👉 Fluid
  • In dieses Fluid gibt man dann eine Kugel, idealerweise eine kleine.
  • Ist die Kugel schwer genug, sinkt sie langsam nach unten.
  • Die Gleichung sagt, wie schnell diese Kugel dann sinkt.

Wie lautet die Stokessche Gleichung?


  • v = 2/9 · [r²·g·(rhop-rhof] : eta

Legende


  • v ist die Sinkgeschwindigkeit des kugeligen Partikels

Sinkgeschwindigkeit v


  • Je größer und schwerer die Kugel, desto schneller sinkt sie.
  • Man kann v zum Beispiel angeben in m/s, cm/s oder mm/s.
  • Nach kurzer Sinkzeit ist v meistens sehr konstant.

Kugelradius r


  • Die Formel gilt erst einmal nur für Kugeln.
  • Der Radius ist die Hälfte des Durchmessers.
  • Man gibt ihn am besten in m, cm oder mm an.

Erdbeschleunigung g


  • Der Wert auf der Erde ist etwa 9,81 m/s².

Partikeldichte rhop


  • Das Formelzeichen ist das kleine griechische 👉 rho
  • Man fügt dem rho noch ein tiefgestelltes kleines p an.
  • Die Dichte sagt, wie viele Gramm ein Kubikzentimeter von etwas wiegt.
  • Wie dicht eine Kugel ist hängt davon ab, woraus sie besteht.
  • Eine Gipskugel hätte eine Dichte von etwa 2,3 g/cm³.
  • Eine Eisen- oder Stahlkugel hätte eine Dichte von etwa 7,86 g/cm³.

Fluiddichte rhof


  • Man fügt dem rho noch ein tiefgestelltes kleines f an.
  • Dies ist die Dichte der Flüssigkeit, meist in g/cm³.
  • Die Dichte von Wasser ist ziemlich genau 1 g/cm³.
  • Die Dichte von Spiritus ist etwa 0,789 g/cm³.

Viskosität eta [η]


  • Das Formelzeichen ist das kleine griechische 👉 eta
  • Die Viskosität sagt, wie zähflüssig die Flüssigkeit ist.
  • Je größer die Zahl, desto "klebriger" ist die Flüssigkeit.
  • Je kleiner die Zahl, desto dünnflüssiger ist die Flüssigkeit.
  • Wasser kann Viskositäten von 0,89 bis über 1,5 haben.
  • Olivenöl hat eine Viskosität von etwa 100.
  • Eine übliche Einheit ist mPa·s.

Wann gilt die Formel?


  • Die Formel gilt für Gase und Flüssigkeiten als 👉 Medium
  • Das ist bei langsamen Bewegungen und kalten Medien der Fall.

Was wären Beispielwerte?


  • Plexiglaskugel (Dichte 1,2) mit 3 mm Radius: etwa 4 m/s
  • Sandkorn (Dichte 2,65) mit 0,5 mm Radius: etwa 0,9 m/s

Nebeltropfen


  • Nebeltröpfchen haben Durchmesser von 10 bis 100 Mikrometer.
  • Damit haben sie nach Stokes eine sehr gerine Sinkgeschwindigkeit.
  • Ein 20 µm Tröpfchen sinkt rechnerisch mit etwa 10 mm/s.

Hagelkörner


  • Ähnlich - aber etwas anders - berechnet sich die Fallgeschwindigkeit von Hagel.
  • Große Hagelkörner können sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen.
  • Sie können dabei Menschen erschlagen oder großen Sachschaden anrichten.

Der Millikan-Versuch


  • Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts hatten Physiker die Elektronen entdeckt.
  • Doch lange waren die Masse und die Grö0ße der elektrischen Ladung des Elektrons ein Rätsel.
  • Mit einem bahnbrechenden Versuch im Jahr 1910 wurden beide Werte sehr exakt bestimmt.

Was hat Stokes mit dem Coronavirus zu tun?


  • Corona steht kurz eine Infektion mit bestimmten Viren, z. B: Covid-19
  • Eine wichtige Frage ist: wie schnell sinken Teilchen mit Viren in Luft auf den Boden?
  • Denn: je schneller ein Teilchen zu Boden sinkt, desto weniger gefährlich ist es.

Praxis-Check


Tischversuch I


Am 9. März 2026 wurde mit wenig Aufwand ein erster Pilotversuch durchgeführt. Mit den gemessenen Werten kann man dann abschätzen, ob die Stokessche Gleichung in etwa die richtigen Werte voraussagen kann.

  • Durchmesser der Stahlkugel: 3,7 mm oder 0,0037 m
  • Masse der Stahlkugel: 0,14 Gramm oder 0,00014 kg
  • Dichte des Glycerins: 1,2 g/cm³ oder 1200 kg/m³ [1]
  • Viskosität des Glycerins: 1480 mPa·s oder 1,480 Pa·s
  • Sinktiefe: etwa 240 mm oder 0,24 m
  • Sinkdauer: maximal 4 s, eher weniger
  • Sinkrate v: minimal 0,006 m/s

Formel

  • v = 2/9 · [r²·g·(rhop-rhof] : eta

Einsetzen

  • v = 2/9 · ((0,00185 m) · 9,81 m/s² · ( 5280 kg/m³ - 1200 kg/m³) / 1,480 Pa·s

Überschlag

  • v ≈ 2/9 · (2/1000)² · 10 · 4000 / 1,5 m/s
  • v ≈ 2/9 · 4/1000000 · 40000 · 15/10 m/s
  • v ≈ 320/9000 · 15/10
  • v ≈ 32/9 durch 10000
  • v ≈ 0,0035 m/s

Der Rechenwert liegt damit in der Größenordnung des beobachteten Wertes von maximal 0,006 m/s². Eine Fehlerquelle ist wahrscheinlich die Dichte der Kugel. Mit den gemessenen Werten gibt sie etwa 5 g/cm³. Vermutlich besteht die Kugel aber aus Eisen oder Stahl mit einer Dichte von fast 8 g/cm³. Setzt man diesen Wert in die Stokessche Gleichung ein, kommt man auf eine Geschwindigkeit von etwa 0,006 m/s. Das entspräche genau dem Messwert aus dem Laborversuch.

Tischversuch II


Am 10. März 2026 machten wir einen zweiten Tischversuch: Die Kugel war ähnlich groß wie beim ersten Versuch. Aber wir hatten eine fast doppelt so große Masse gemessen.



In nur 1,6 Sekunden durchfällt die kleine Stahlkugel die Sinkstrecke von rund 22 cm (mit Lineal gemessen).

  • Durchmesser der Stahlkugel: 3,95 mm
  • Masse der Stahlkugel: 0,27 g
  • Masse des Glycerins (gemessen): 269,2 g
  • Volumen des Glycerins: 223 ml
  • Volumentrische Dichte des Glycerins: 1,21 g/cm³
  • Dichte über Spindelmessung: 1,22 g/cm³
  • Viskosität des Glycerins: 1480 mPa·s oder 1,480 Pa·s [3]
  • Sinkstrecke (gemessen): 22 cm
  • Sinkdauer (gemessen): etwa 1,6 s
  • Sinkrate v: etwa ________ m/s

Fußnoten


  • [1] Die Dichte wurde sowohl volumetrisch sowie auch mit einer Dichtespindel bestimmt. In beiden Fällen lag der Messwert bei rund 1,2 g/cm³. Der Literaturwert ist 1,26 g/cm³. Möglicherweise hat das Glycerin seit seit Abfüllung vor dem Jahr 2019 Wasser aus der Luft aufgenommen und ist damit etwas verwässert. Siehe auch 👉 Glycerindichte
  • [2] Der Kugeldurchmesser wurde mit einem Messschieber gemessen, die Masse mit einer elektronischen Waage. Die daraus berechnet Dichte von rund 5,3 g/cm³ entspricht keinem gängigen Metall, das man als Material für solche Kugeln erwarten würde. Aluminium hat eine Dichte von nur etwa 2,7 g/cm³. Eisen und Stahl liegen bei etwa 7,86 g/cm³, Vanadium bei etwa 6,1 g/cm³ und Titan bei etwa 4,5 g/cm³. Zu erwärten wäre Stahl als Material, was aber hier nicht zur berechneten Dichte passst.
  • [3] Die Viskosität von Glycerin soll mit schon geringen Mengen an Wasser drastisch zurück gehen. Der Wert von 1480 mPa·s gilt für reines Glycerin. Da die Dichte des von uns verwendeten Glycerins mit etwa 1,22 g/cm³ deutlich unter der Dichte reinen Glycerins von 1,26 g/cm³ lag, ist mit einer entsprechenden Verunreinigung durch Wasser zu rechnen. Inwiefern das die Viskosität unter einen Wert von 1480 mPa·s drückte bleibt hier zunächst offen.

Startseite Impressum Feedback © 2010-2025 Nachilfe Physik Nachilfe Chemie