A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 9 Ω
Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Werkstattversuch

Auch für zuhause

© 2016 - 2026




Basiswissen


Seitdem wir im Jahr 2010 die Mathe-AC Lernwerkstatt in Aachen gegründet haben, entwickeln wird dort Versuche und Experimente [1], die wir unmittelbar auch im täglichen Unterricht einsetzen. Das Ziel ist es dabei, über die an sich vielleicht interessanten Effekte hinaus für allem mathematische [2] und naturwissenschaftliche [3] Prinzipien verständlich zu machen und Kinder dauerhaft motivieren, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Auf welche Eigenschaften genau kommt es dabei an?



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Ein einfacher Werkstattversuch: man benötigt nur eine 9-Volt-Batterie und einen ausreichend dünnen Draht, etwa von einem Stück Stahlwolle: schon bei geringen Stromstärken glüht der Draht.☛


Hilfreiche Eigenschaften


a) Keine Black Box


An einem digitalen Strommessgerät erkennt man nicht, wie die Stromstärke tatsächlich gemessen wird. Auch an eng und kompakt gebauten analogen Messgeräten mit Zeigern und Skalen ist das physikalische Messprinzip oft nicht zu erkennen. Man spricht von einer Black Box, einer Kiste, in die man von außen nicht hineinsehen kann. Keine Black Box ist hingegen eine Luftspule als Amperemeter: in der Spule ist ein Magnet auf einer Welle frei drehbar gelagert ist. Der Magnet dreht sich umso mehr, je stärker der Strom in der Spule ist. Siehe auch 👉 Luftspulen-Amperemeter

b) Gefahrlos und einfach


Gefahrlos sind Versuche, die ausschließ mit Haushaltsmitteln und bekannten Alltagsgegenständen auskommen: Glaubersalz, Essigessenz, Schwefel, Alaun sind beispielhafte Stoffe.

c) Konzepte & Prinzipien


Die Versuche der Lernwerkstatt verdeutlichen klar benennbare Prinzipien der Mathematik und der Naturwissenschaften: an einer Luftspule kann das Prinzip gezeigt werden, dass Ströme immer Magnetfelder um sich erzeugen. Beim Entfernen von Kesselstein mit Essigessenz führt eine Erwärmung der Essenz zu einer deutlich stärkeren Reaktion. Das Prinzip hier wäre: Temperatur beschleunigt chemische Reaktionen. Siehe mehr dazu unter 👉 Prinzip

d) Zahlen und Messgrößen


Kubikzentimeter, Millimeter, Volt, Ampere: die meisten Versuche in der Lernwerkstatt bieten einen Anlass zum messen und zählen. Der Umgang mit Zahlen und Messgrößen soll dabei mühelos eingeübt werden. Eine spätere Mathematisierung wird dadurch erheblich erleichtert. Viele Museen und andere außerschulischen Lernorte haben diesen Anspruch nicht, sondern verbleiben oft beim eindrucksvollen Effekt ohne erkennbaren Bezug zur Schulmathematik (z. B. Riesen-Seifenblasen im Mathematikum in Gießen). Ein Beispiel für eine gute Mathematisierbarkeit ist der 👉 Ziegelstein-Wässerungs-Versuch

e) Praktischer Zusammenhang


Ein Werkstattversuch bietet Anlass, größere Zusammenhänge und die praktische Bedeutung zu erkennen. So regt ein Versuch zur Elektrolyse von Wasser Ideen zu einer wasserstoffbasierten technischen Energienutzung auf. Siehe auch 👉 Wasserelektrolyse

f) Spiralcurriculum


Die Anzahl von Versuchen in einer Lernwerkstatt sollte überschaubar sein. Das gilt für physikalisch-reale Räume genauso wie für digitale oder virtuelle Lernwerkstätten. Wächst die Anzahl an Versuchen über eine kritische Schwelle hinaus, drohen mehrere unerwünschte Effekte: a) Lehrpersonen verlieren die Versuche aus dem Blick, denken nicht mehr an sie, b) der Aufwand die Versuche zu pflegen, fehlerhafte Teile zu ersetzen, veraltete Begriffe an die Zeit anzupassen wächts über das Leistbare hinaus, c) es ist einfach kein Platz mehr um alle Versuche unterzubringen und schließlich c) die Kinder und Jugendlichen werden vor immer neue Dinge gestellt und altes, schon Gelerntes, wird nicht genutzt. Diesen Nachteilen entgegen wirkt die Idee von Versuchen, die für verschiedene Altersklassen immer wieder neu durchgeführt werden können. Dabei können ständig neue Aspekte betrachtet werden, die vorher Gelerntes zusammenspinnen zu größeren Zusammenhängen oder abstrakteren Prinzipien. Siehe auch 👉 Spiralcurriculum

g) Verbesserungsdrang


Auf einer Physikertagung bekam ich im Jahr 2024 einen kleinen Stehaufkreisel geschenkt. Einmal in Schwung gesetzt, dreht sich der Kreisel langsam nach und nach von alleine vom Kopf auf den Fuß. Dieser Effekt ist so verblüffend, dass es sogar ein Bild von den Urvätern der Quantenphysik Niels Bohr und Wolfgang Pauli als alte Männer gibt, wie sie mit sichtlich kindlicher Verzückung damit spielen. Ich führte verschiedene Schülern, alt und jung, den Kreisel vor, sprach von der komplizierten Physik dahinter und ließ sie auch selbst etwas experimentieren. Immer jedoch erlahmte das Interesse nach nur wenigen Sekunden bis Minuten. Ganz anders verlief die Sache aber als ich plötzlich das Ziel ausgab, dass sich der Kreisel nach dem Aufrichten möglichst viele Sekunden lang aufgerichtet weiter dreht. Mit diesem Ziel beschäftigten sich zwei Jungen im Alter von etwa 9 und 12 Jahren über eine Stunde lang intensiv und intelligent mit dem Teil. Siehe mehr unter 👉 Verbesserungsdrang (Didaktik)

Was ist der Unterschied zu einem Freihandversuch?


Das Wort Freihandversuch wird oft als Synonmy für einen Werkstattversuch benutzt. Das Wort betont die geringe Vorbereitungszeit der Versuche im aktuellen Unterricht. Idealerweise kann man einen solche Versuch bei Bedarf ad hoc durchführen. Anders als bei den hier beschriebenen Werkstattversuchen ist aber ein erkennbarer Bezug zur Mathematik zwar oft vorhanden, aber nicht zwingend nötig. Siehe auch 👉 Freihandversuch

Was ist der Unterschied zu einem Laborversuch?


Bei einem Laborversuch darf das benötigte Material oder die Raumeinrichtung aufwändig, spezialisiert, gefährlich oder teuer sein. Beispiele sind Versuche mit einem Bunsenbrenner (gefährlich), mit einer Wellenmaschine (aufwändig) oder zur Röntgenkristallographie (spezialisiert). Solche Versuche benötigen oft eine Einweisung und Überwachung durch Fachpersonen. Demgegenüber sollen Werkstattversuche auch ohne Fachpersonal durchführbar sein. Siehe auch 👉 Laborgeräte

Was ist ein Spiralcurriculum?


Ein zentrales Motiv der Lernwerkstatt Aachen ist die Idee des Spiralcurriculums. Versuche sollen idealerweise schon ab dem Grundschulalter verständlich sein. Gleichzeitig sollen sie stets neue Interpretationen bis hin ins Studium erlauben. Das trifft in hohem Maße zum Beispiel auf viele Versuche der Optik zu. Siehe mehr dazu unter 👉 Spiralcurriculum

Lernwerkstatt Aachen


In Aachen bietet die Mathe-AC Lernwerkstatt seit 2010 einen praxisnahen außerschulischen Unterricht in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie an. Dabei werden theoretische Themen der Nachhilfe oder des Mentoring mit praktischen Elementen aus einer Lernwerkstatt verbunden. Mehr dazu unter 👉 Mathe-AC Lernwerkstatt Aachen

19 Tipps aus der Praxis


Wie kann man Experimente so gestalten, dass sich Kinder, Jugendliche oder Studenten möglichst lange, gewinnbringend und vor allem mit Freude damit beschäftigen können? Hier stehen unsere Erfahrungen seit dem Jahr 2010.

Gestaltung


  • a) Alles auf einen Griff: Experimente sollten auf einen Griff mit allen nötige Teilen verfügbar sein. Sehr gut bewährt haben sich dazu unsere standardisierten Holzkisten. Hat man Angst, dass man eh wieder längere Zeit und ohne Erfolgsgarantie nach wichtigen Teilen suchen muss, lässt man es irgendwann ganz sein. Siehe als Beispiel den 👉 WH54 Physik-Raum
  • b) Fest Orte: man sollte immer wissen, wo man etwas findet. Hier hat sich bewährt, dass die Teile feste Orte in den Räumen haben. Je seltener man umräumt, desto besser.
  • c) Alles auf einen Blick: sind Versuche in zweiter Reihe hinter Büchern oder in selten genutzten Kisten in dunklen Ecken aufbewahrt, geraten sie schnell in Vergessenheit. Je mehr ständig sichtbar, etwa an der Wand, ist, desto öfters nutzt man es auch.
  • d) Wysiwyg: what-you-see-is-what-you-get heißt frei übersetzt, dass die Funktion aller Bauteile von außen gut einsehbar ist. Wie ein Flüssigkeitsthermometer funktioniert sieht man. Wie eine elektronische Waage die Masse bestimmt sieht man nicht, sie ist eine Black Box. Je durchsichtiger die Gegenstände die physikalischen Prinzipien zeigen, desto besser. Siehe zu dieser Idee etwa den 👉 Spiritusausdehnungsversuch
  • e) KISS: keep it simple and stupid. Man kann eine Wellenwanne mit Stroboskop, appgesteuerten Erregern, pfiffigen Wasserauslässen und Wellendämpfern an den Rändern ausstatten. Doch dann beschäftigen sich Lernende oft mehr mit den technischen Rafinessen als mit den physikalischen Prinzipien. Je simpler, so meine Erfahrung, desto besser. Siehe dazu unsere Versuche mit der 👉 Wellenwanne
  • f) Reparierbarkeit: unsere Materialien bestehen zum größten Teil aus haushaltsüblichen Mitteln oder aus Dingen aus dem Baumarkt. Nichts gefährdet die langfristige Nutzung eines Experiments mehr als ein kleines aber zwingend nötiges Ersatzteil, das man nicht mehr nachkaufen kann. Ein Beispiel für einen Aufbau ganz aus Haushaltsmaterial ist die 👉 Streichholzrakete
  • g) Verwaltbar: es tut weh, wenn man ein liebgewonnenes Experiment "entsorgt", in das man einmal viele Stunden kreativer Arbeit gesteckt hat. Aber es macht sich immer wieder bezahlt, wenn die Menge an Material "verwaltbar" und übersichtlich bleibt: if in doubt throw it out.
  • h) Sicherheit: richtig viel Freude haben viele Lernende am eigenen Experimentieren, oft lange Zeit ohne "Beaufsichtigung". Hier hat es sich bewährt, dass wir lange Zeit nach Experimenten gesucht haben, die man mit ungefährlichen Mitteln durchführen kann. Ein Beispiel dazu ist das Experiment 👉 Zementation (Calciumacetat)
  • i) Dokumentiert: die Fähigkeit Experimente alleine durchführen zu können schwankt von Schüler zu Schüler ganz beträchtlich. Manchen genügt es, wenn sie die Kernidee verstanden haben, andere benötigen detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Zu fast jedem Experiment haben wir deshalb eine ausführliche Dokumentation. Sehr hilfreich ist es, wenn ein QR-Code am Experiment selbst sofort zur Anleitung führt.
  • j) Old School: das heißt für uns vor allem, dass wir viele gute Bücher rund um Naturwissenschaften, Mathematik, Philosophie, Geschichte, Technik oder Natur haben. Gerade jüngere Kinder lieben das Blättern in altersgerechten Sachbüchern. Für die Älteren ist die Arbeit mit einschlägigen Lehrbüchern, teilweise auf dem Niveau eines Bachelor-Studiums, von großem Wert. So baut sich über die Zeit ein gutes Leseverständnis auf. Internet ist oft (nicht immer) intellektuelles Finger Food. Bücher vermitteln oft (nicht immer) "Gedanken am Stück". Siehe beispielhaft unsere 👉 Physik Lehrbücher
  • k) Reizarmut: wir haben insgesamt zwei große und zwei kleine Schiefertafeln zum Schreiben mit Kreide. Fast alles Schüler nutzen die Tafeln gerne um darauf große Übersichten anzulegen. Sehr bewährt hat sich, dass man an die großen Tafel Magnete anheften kann. So lassen sich viele Versuche, etwa mit einer optischen Bank, direkt an Tafel ausführen. Die möglichen Vorteile eines Whiteboards werden nach meiner Erfahrung durch die ablenkende Beschäftigung mit der Technik und durch die Verführung zu einem zu hastigen Abspulen von Inhalten seitens der Lehrer und Schüler zunicht gemacht.
  • l) Freie Tische: sehr großen Wert lege ich auf große und immer ganz frei geräumte Tische. Für ein vernünftiges Lernen braucht man Platz für Bücher, sein Tablet, Stifte, Versuchsaufbauten, Schreibunterlagen und was sonst noch. Jede Tischfläche sollte mindestens einen halben Quadratmeter Platz anbieten. Je mehr, desto besser.
  • m) Spiralcurriculum: viele Experimente kann man mit Gewinn schon in der Grundschule durchführen. Oft kann exakt dasselbe Experiment aber auch noch bis tief in ein Studium unter immer neuen Aspekten betrachtet werden. Wie auf einer spiralförmigen Wendeltreppe führt das Experiment um sich selbt kreisend mit jeder Umrundung zu einer höheren Stufe der Erkenntnis. Legt man Lerninhalte gezielt nach diesem Prinzip an, spricht man von einem 👉 Spiralcurriculum

Storytelling


Man kann ein farbloses Experiment (Stoßgesetze der Physik) durch eine gute Rahmengeschichte (Wärmetod des Universums) aufwerten. Die passende Story drumherum hängt dabei stark vom Alter und der Neigung der Kinder und Jugendlichen ab. Es gibt einige Tendenzen.

  • n) Stoffumwandlungen: jüngere Kindern sind unendlich fasziniert von der Umwandelbarkeit der Stoffe. Sie scheinenoch ganz naiv das Faszinosum zu erleben, dass in der reinen Materie selbst steckt. Ein Klassiker dazu ist der Versuch zur 👉 Fällung (Natriumsulfat)
  • o) Phänomenal: einer der größten Spaßkiller ist es, wenn man Kindern zu schnell fertige und zu abstrakte Theorien aufdrängt. Sie interessieren sich noch nicht so sehr für die Frage nach Modellen oder Theorien. Sie können aber ausdauernd darin schwelgen, aus Tintentropfen in Wasser immer neue Formen und Farben herauszuholen oder den Formen- und Farbenreichtum von Kristallen zu beschreiben. Siehe auch 👉 Phänomenologie
  • p) Grenzerfahrungen: gerade jüngere Kinder lieben Fragen nach dem Höchsten, Schnellsten und Besten und anderen Extrema. Und um das Machbare auszutesten lieben sie Versuche, bei denen man das Material an die Grenzen seiner Fähigkeitkeiten bringt. "Kaputtmachen" ist oft gut. Ein gutes Beispiel dafür ist der 👉 Lupen-Albedo-Versuch
  • q) Optimierbar: ebenso beliebt wie das Austesten von Grenzen ist die ständige Verbesserung von Dingen. Wer gerne Wettbewerbe hat, kann hier in Konkurrenz zu anderen Personen gesetzt werden. Siehe dazu etwa den 👉 Filz-Trocknungs-Versuch
  • r) Mathe-Zauber: in der Schule und noch mehr in der Hochschule werden Physik und Chemie oft gleichgesetzt mit einer formelhaften Mathematisierung. Die Faszination, dass die Welt um uns herum Zahlengesetzen zu folgen scheint, stellt sich bei Kindern ab einem Alter von etwa 14 Jahren oft spontan ein: ein Junge beschrieb einmal, er fände es "gruselig", dass sich rechtwinklige Dreiecke an den Satz des Pythagoras hielten. Viele Schüler sind fasziniert davon, dass man bei 200 geworfenen Würfeln meist (nicht immer) zwischen 28 und 38 Sechsen wirft. Dieses Gefühl des Zauberhaften kann man nutzen, um die (nicht zu früh), die Natur auch mathematisch zu beschreiben. Siehe als beispielhaftes Experiment dazu den 👉 200-Würfel-Versuch
  • s) Philosophierbar: ab vielleicht 14 bis 16 Jahren Lebensalter wandelt sich das Interesse vieler Jugendlicher. Gesellschaftliche und philosophische Themen gewinnen dann an Bedeutung. Bei philosophisch geneigten Jugendlichen sind Themen wie unser kosmologisches Schicksal, der Freie Wille oder auch religiöse Aspekte und historische Aspekte ein motivierender Rahmen. Ein bewährtes Beispiel dafür ist die Entstehung des Wärmetodes des Universums aus den Stoßgesetzen. Siehe dazu auch 👉 Wärmetod
  • t) Anwendbar: während manche Jugendliche einen starken Drang zur reinen Grundlagenforschung, zur Theorie oder auch Philosophie haben, finden andere die praktische Anwendbarkeit wichtiger. Oft changiert das Interesse der Jugendlichen noch unentschieden. Verblüffend fand ich selbst, dass man tatsächlich dazu forscht, wie man mit Salz Böden verfestigen kann (z. B. für Pisten für Flugzeuge und Autos im Krieg). Die rein akademische Frage, ob Salz Sand zementieren kann, gewinnt so plötzlich eine spannende praktische Bedeutung. Bei dem weiten Feld der Anwendungen motiviert oft die Medizin ganz besonders stark.

Persönliche Anmerkung


 Portrait von Gunter Heim Im Einsatz dieser Versuche mit Kindern und Jugendlichen können wir grob zwei unterschiedliche Interessen erkennen: eher praktisch oder eher theoretisch. Nur selten sind beide Interessen ausgewoge stark erkennbar. Praktisch geneigte Kinder oder Jugendliche haben Freude am Messen, an Geräten und am Aufbau von komplizierteren Anordnungen. Sie verlieren schnell das Interesse, wenn man zu viel Theorie oder Auswertung hinzutun. Und es gibt auch das entgegengesetzte Extrem: Kinder die gerne nur zusehen, selbst nur wenig praktisch tätig werden wollen. Sie genießen Gespräche und den freien Flug von Thesen. Sind sie älter, können sie sich für rein theoretische Betrachtungen begeistern. Vevölkern Kinder aus jeder dieser zwei Gruppen später auch bevorzugt eher praktische oder theoretische Gebiete? Finde man die einen später in der experimentellen Physik, im Ingenieurwesen, in Technik und Handwerk und die anderen eher in theoretischer oder mathematischer Physik, in der Grundlagenforschung, als Lehrer oder Wissenschaftsautoren?


Fußnoten


  • [1] Die Worte Versuch und Experiment werden im Sprachgebrauch oft Synonym verwendet.
  • [2] Oft bleiben interessante Versuche beim bloßen Staun-Effekt stehen oder sie deuten einen mathematischen Hintergrund an, der für die jeweilige Altersklasse zu hoch ist. Werktattversuche im Sinn einer Lernwerkstatt sind im Idealfall so angelegt, dass ein rechnerischer oder mathematischer Zugang möglichst von der Grundschule bis hin zu einem Studium möglicht ist. Zur Idee der altersübergreifender Versuche siehe auch den Artikel zum sogenannten 👉 Spiralcurriculum
  • [3] Mit naturwissenschaftlichen Prinzipien sind hier keine eng begrenzten Spezialfälle wie zum Beispiel das Brechungsgesetz der Optik mit Brüchen und dem Sinus gemeint. Naturwissenschaftliche Prinzipien sind eher möglichst einfache aber grundlegende Gedanken, die sich dann aber durch möglichst viele Phänomene ziehen. Ein soches Prinzip ist zum Beispiel die 👉 Vorhersagbarkeit
  • [4] Ein Beispiel für eine größeren Zusammenhang, der wiederholt in unserer Lernwerkstatt in Aachen gerade ältere Schüler stark angesprochen hat, ist die philosophische Idee von einem Freien Willen. Jeder Versuch, der für bestimmte Ausgangsgedingungen immer zuverlässig auch dieselben Messergebnisse liefert (Pendelversuch, Schattenversuch) kann über die Idee einer Determiniertheit der physikalischen Welt hingeführt werden zur Idee eines Freien Willens. Unserer Erfahrung in der Lernwerkstatt in Aachen ist es, dass bei philosophisch interessierten Jugendlichen dazu ein bis zwei Minuten genügen, etwa der Art: wenn man das Pendel so gut vorausberechnen könnte, dann könnte man vielleicht alles was aus Materie ist letztendlich gut vorausberechnen. Wenn aber auch du nur aus Materie besteht, dann könnte man theoretisch auch vorausberechnen, was du in zwei Minuten sagen wirst. Es ist nicht wichtig, ob dieser Gedanke wirklich zutrifft oder nicht. Wichtig für eine Aufwertung der Versuche ist es nur, dass der größere Zusammenhang erkennbar wird. Siehe dazu auch unter 👉 Zusammenhang

Startseite Impressum Feedback © 2010-2025 Nachilfe Physik Nachilfe Chemie