Fermatsches Prinzip
Optik
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Basiswissen|
Definitionen|
Anwendungen|
Spiegelung|
Brechung, Snellius|
Wegumkehrung|
Versetzung|
Sonnenuntergang|
Fata Morgana|
Brennglas|
Elliptischer Spiegel|
Parabolspiegel|
Konkaver Spiegel|
Gravitationslinsen|
Fußnoten
Basiswissen
Licht nimmt auf dem Weg zwischen zwei Punkten immer den schnellsten Weg. [1] Diese Kurzform des Fermatschen Prinzips gilt für homogene (gleichförmige) Medien wie reine Luft ohne Temperatur- und Dichteunterschiede oder reines Glas. Das Fermatsche Prinzip ist ein Sonderfall des sogenannten Hamiltonischen Prinzips.
Definitionen
DEFINITION:
Pierre Fermat, 1662: "Die Natur handelt stets auf dem einfachsten Weg, das heißt entweder auf dem kürzesten, wenn dieser nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt, oder jedenfalls in kürzester Zeit, um ihre Arbeit zu verkürzen und ihren Vorgang schneller abzuschließen." [5]
Pierre Fermat, 1662: "Die Natur handelt stets auf dem einfachsten Weg, das heißt entweder auf dem kürzesten, wenn dieser nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt, oder jedenfalls in kürzester Zeit, um ihre Arbeit zu verkürzen und ihren Vorgang schneller abzuschließen." [5]
Oder:
DEFINITION:
Richard Feynman, um 1961: "Von allen möglichen Wegen, die das Licht nehmen könnte, um von einem Punkt zu einem anderen zu gelangen, nimmt es den Weg, der die kürzeste Zeit erfordert." [1]
Richard Feynman, um 1961: "Von allen möglichen Wegen, die das Licht nehmen könnte, um von einem Punkt zu einem anderen zu gelangen, nimmt es den Weg, der die kürzeste Zeit erfordert." [1]
Diese Fassung von Feynman findet sich sinngemäß auch in vielen Lehrbüchern wieder und gilt als die Kurzform des Fermatschen Prinzips. Sie ist auch nahe am Original aus dem 17. Jahrhundert. Doch spätere Untersuchungen führten zu einer Präzisierung.
DEFINITION:
Richard Feynman, 1961: "Ein Strahl, der sich auf einem bestimmten speziellen Weg bewegt, hat die Eigenschaft, dass es bei einer kleinen Änderung (sagen wir eine einprozentige Verschiebung) des Strahles in einer x-beliebigen Weise, sagen wir des Ortes, wo er auf einen Spiegel trifft, oder der Kurvenform oder sonst irgend etwas, in erster Näherung keine Zeitänderung gibt; es gibt nur eine Zeitänderung in zweiter Näherung". [9]
Richard Feynman, 1961: "Ein Strahl, der sich auf einem bestimmten speziellen Weg bewegt, hat die Eigenschaft, dass es bei einer kleinen Änderung (sagen wir eine einprozentige Verschiebung) des Strahles in einer x-beliebigen Weise, sagen wir des Ortes, wo er auf einen Spiegel trifft, oder der Kurvenform oder sonst irgend etwas, in erster Näherung keine Zeitänderung gibt; es gibt nur eine Zeitänderung in zweiter Näherung". [9]
Mit erster und zweiter Näherung sind hier wahrscheinlich ein linearer Term (erste Näherung) und ein quadratischer Term (zweite Näherung) im Sinne einer Taylor-Reihe gemeint, die die Laufzeit T als Funktion T(ε) einer sehr kleinen Abweichung ε beschreiben. [12] Wenn man zum Beispiel die Seitenlänge a eines Quadrats um ein winziges ϵ verlängert, setzt sich der Flächenzuwachs aus zwei schmalen Randstreifen der Größe 2aϵ (linearer Anteil) und einem winzigen Eckquadrat der Größe ϵ2 (quadratischer Anteil) zusammen, wobei Letzterer bei sehr kleinen Abweichungen so verschwindend gering wird, dass die Änderung in erster Näherung nur durch den linearen Term bestimmt wird.
Und ohne Mathematik:
DEFINITION:
Richard Feynman, 1961: "Mit anderen Worten ist das Prinzip derart, dass das Licht einen Weg in der Weise nimmt, dass es nahebei viele andere Wege gibt, die fast exakt dieselbe Zeit benötigen." [9]
Richard Feynman, 1961: "Mit anderen Worten ist das Prinzip derart, dass das Licht einen Weg in der Weise nimmt, dass es nahebei viele andere Wege gibt, die fast exakt dieselbe Zeit benötigen." [9]
Anwendungen
Viele der folgenden Beispiele (alle aus Feynmans Buch) kann man mehr oder minder gut mit der Kurzversion des Fermatschen Prinzips nachvollziehen. Die Idee der kürzesten Zeit findet sich als Roter Faden immer wieder.
Spiegelung
Spiegelung
Randbedingung
- 1) Das Licht könnte vom Punkt A aus erst senkrecht nach unten auf den Spiegel gehen und dann von dort aus schräg nach rechts oben zum Punkt B.
- 2) Das Licht könnte vom Punkt A aus schräg nach unten rechts auf den Punkt auf dem Spiegel gehen, von wo aus es dann senkrecht nach oben B erreicht.
- 3) Das Licht könnte vom Punkt A aus schräg nach unten rechts gehen und von dort aus schräg nach oben rechts, um letztendlich bei B anzukommen. Hier gibt es unendlich viele Zwischenstationen auf dem Spiegel, die möglich sind.
- 4) Das Licht könnte von A kommend erst einige Schlangenlinien und Kreiswege gehen, dann irgendwo auf den Spiegel treffen und in einer krummen Spirallinie auf B zulaufen.
Probieren
Zeichnerische Lösung
α=α'
Deduktion
Kürzester Weg
Brechung, Snellius
Kürzeste Zeit
Erklärskizze
Kürzester Weg nicht die kürzeste Zeit
Strand-Analogie
Infinitesimalrechnung
Tabelle, Graph
Snellius
Wegumkehrung
Umkehrbarkeit
Versetzung
Versetzung
Sonnenuntergang
Sonnenuntergang
Fata Morgana
Fata Morgana

Bei einer Fata Morgana glaubt man Objekte zu sehen, die an der betrachteten Stelle gar nicht wirklich existieren. Das klassische Beispiel sind Seen oder Oasen in der Wüste. Im Sommer kann man den Effekt oft sehr eindrucksvoll auch über heißen Sandflächen, etwa an Küsten, bewundern.
Luftspiegelung
Brennglas
Brennglas

Bei einer idealen Sammellinse werden alle Lichtstrahlen die von einem Punkt ausgehen, nach dem Durchgang durch die Linse wieder in einem anderem Punkt, dem Brennpunkt, zusammengeführt.
Konstruktionsidee
Elliptischer Spiegel
Elliptischer Spiegel
Parabolspiegel
Parabolspiegel

Betrachtet man sich parallel auf einen Parabolspiegel einfallende Strahlen, und verfolgt man ihren Weg bis hin zum Brennpunkt des Spiegels, dann kann man rechnerisch nachvollziehen, dass alle Strahlen vom Stern bis in den Brennpunkt die gleiche Wegstrecke zurück gelegt haben.
Satellitenschüsseln
Konkaver Spiegel
Beim Hohlspiegel kann der reflektierte Lichtweg bei starker Krümmung ein lokales Maximum der Laufzeit darstellen, da kleine Abweichungen vom Reflexionspunkt den Weg aufgrund der Spiegelwölbung verkürzen würden, während die Bedingung der Stationarität (Ableitung Null) weiterhin erfüllt bleibt. Hier versagt also das historisch ursprüngliche und die heute oft verkürzte Version mit dem kürzesten oder schnellsten Weg. Richtig ist Feynman aufwändigere Definition, dass "das Licht einen Weg in der Weise nimmt, dass es nahebei viele andere Wege gibt, die fast exakt dieselbe Zeit benötigen." Das kann für Tiefpunkte sowie auch für Sattel- und Hochpunkte gelten.
Gravitationslinsen
Bei Gravitationslinsen im Weltraum wird das Licht massereicher Objekte so gebeugt, dass neben Minima auch Sattelpunkte der Laufzeit entstehen, an denen die Zeitänderung in einer Richtung minimal und in der anderen maximal ist, was in beiden Fällen zu konstruktiver Interferenz und sichtbaren Abbildungen führt. Auch das ist wieder ein Beispiel dafür, dass man Feynmans allgemeinere Fassung benutzen muss, um zur richtigen Deutung zu gelangen.
Fußnoten
- [1] Richard Feynman: Feynman Lectures. Band 1, Kapitel 26: "Optik: Das Prinzip der kürzesten Zeit". Siehe auch 👉 Feynman Lectures
- [2] Bei einer Achsenspiegelung eines Punktes geht man vom ursprünglichen Punkt aus senkrecht auf dem kürzesten Weg hin zur Spiegelachse. Von dort aus geht man dann dieselbe Streckenlänge in derselben Richtung weiter und gelangt so zum gespiegelten Punkt. Das ist ausführlich erklärt im Artikel zur 👉 Achsenspiegelung
- [3] Ein Lexikon aus dem Jahr 1904 definiert: "Ökonomie des Denkens, Princip der, ist eine Anwendung des »Principes des kleinsten Kraftmaßes« (s. d.) auf die geistigen, intellectuellen Vorgänge. Es ist ein (biologisch-psychologisches) Princip der Leistung größtmöglicher geistiger Arbeit mit den geringsten Mitteln und führt zur Verdichtung, Vereinheitlichung und Ordnung des Erfahrungsinhaltes." In: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 2. Berlin 1904, S. 52. Mehr dazu im Artikel zur 👉 Denkökonomie
- [4] Konjugiert im Sinne der Optik nennt man zwei Punkte, bei denen alle Lichtstrahlen von dem einen Punkt exakt auch durch den anderen Punkt verlaufen. Es ist das Ziel von künstlich hergestellten Linsen, solche Zustände herbei zu führen. Siehe auch 👉 konjugiert
- [5] "que la nature agit toujours par les moyens les plus aisés, c'est-à-dire ou par les lignes les plus courtes, lorsqu'elles n'emportent pas plus de temps, ou en tout cas par le temps le plus court, afin d'acourcir son travail et de venir plus tôt à bout de son opération". In: Lettre de M. de Fermat à M. de la Chambre, touchant la dioptrique, 1 janvier 1662.
- [6] Zur Verwendung von erster und zweiter Näherung im Zusammenhang mit Taylor-Reihen, siehe den Artikel 👉 erste Näherung