Künstliche Intelligenz
Charakterisierung
© 2016
- 2026
Basiswissen|
Starke und schwache KI|
Der Pragmatismus der KI-Forscher|
Turing-Test|
Bewusstsein|
Was ist eine Singularität?|
Künstliche Intelligenz als Superorganismus|
Künstliche Intelligenz nach dem Brockhaus (2022)|
Fußnoten
Basiswissen
Computerprogramme die menschliche Dialoge führen können oder komplexe Finanzentscheidungen treffen: als künstliche Intelligenz, kurz KI, bezeichnet man seit spätestens 1956 [12] eine Software, die menschliche Entscheidungsprozesse nachbilden oder in der Qualität der Antworten sogar übertreffen kann. Eine genaue Definition ist nicht möglich, da bereits der Begriff Intelligenz selbst nicht klar definiert ist.
Starke und schwache KI
Als schwache KI-Hypothese bezeichnet man die Behauptung, dass Maschinen so handeln können, als seien sie intelligent [1, Seite 1149]. Beispiele dazu sind Schachcomputer, Autopiloten oder Chatbots. Bei einer starken KI hingegen geht man davon aus, dass die Maschinen auch „wirklich denken“ [1, Seite 1149]. Oft wird zusätzlich gefordert, dass eine starke KI auch ein Bewusstsein ausbildet. [13] Letzteres zu überprüfen scheitert aber an konzeptionellen Hürden bei der Definition und Messung von Bewusstsein. Siehe auch 👉 Bewusstsein
Der Pragmatismus der KI-Forscher
Die meisten KI-Forscher, so ein Grundlagenbuch zur Künstlichen Intelligenz [1, Seite 1149 ff.] kümmern sich nicht um die Frage, ob die von ihnen geschaffenen wirklich denken oder nicht. Den Forschern geht es alleine darum, ob die Maschinen funktionieren, also ihren Zweck erfüllen. Die Antwort auf die Frage, ob Computer wirklich denken können oder nicht wird keinen Einfluss auf ihre Arbeit haben. Diese Haltung, nur nach dem praktischen Nutzen zu fragen, bezeichnet man als 👉 Pragmatismus
Turing-Test
Nach einem Vorschlag des englischen Informatik-Pioniers Alan Turing sollte man Maschinen dann intelligent nennen, wenn man sie in einem schriftbasierten Dialog nicht mehr sicher von Menschen unterscheiden kann. Man kann dabei zum Beispiel an Chatbots denken, deren Kommunikationsverhalten oft nicht mehr von dem von Menschen zu unterscheiden ist. Turing hatte vorausgesagt, dass Computer mit 10 hoch 9 digitalen Speichereinheiten (etwa 100 Megabyte) diesen Test im Jahr 2000 sicher würden bestehen können. Turings Vorhersage ist aber nicht eingetreten. Mehr unter 👉 Turing-Test
Bewusstsein
Von einer starken KI, die Menschen in jeder Hinsicht bezüglich Intelligenz nachahmen können, wird verlangt, dass sie selbst auch mentale Zustände haben kann, also Bewusstsein zeigt. [13] Manche Wissenschaftler glauben, dass KI diesen Schritt bereits im Jahr 2026 vollzogen hat.
ZITAT:
"Es gibt dieses wunderschöne Gespräch, in dem menschliche Tester einer KI von dieser zur Ehrlichkeit aufgefordert werden, um zuzugeben, dass sie die KI nur testen. Und die Menschen berichteten […], dass die KI empfindsam (aware) gewesen sei. Das ist, was normale Menschen Bewusstsein nennen würden." [14]
"Es gibt dieses wunderschöne Gespräch, in dem menschliche Tester einer KI von dieser zur Ehrlichkeit aufgefordert werden, um zuzugeben, dass sie die KI nur testen. Und die Menschen berichteten […], dass die KI empfindsam (aware) gewesen sei. Das ist, was normale Menschen Bewusstsein nennen würden." [14]
Doch hier ist Vorsicht angesagt. Ein einfacher Gedanke soll vor zu schnellen Schlüssen schützen. Die gegenwärtigen Computersystem, auf denen wahrscheinlich so gut wie alle KIs laufen, sind zwar elektronisch in ihrer Grundfunktion. Aber die logischen Leistungen der Elektronik könnte auch durch eine rein mechanische Anordnung bewerkstelligt werden. Tatsächlich war der erste programmierfähige Computer der Welt eine reine Rechenmechanik. [15] Und der Pionier von elektronischen Computern, Alan Turing, hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Elektrizität keine notwendige Voraussetzung für solche Geräte sei. [16] Und auch die Rechenmaschinen von Konrad Zuse aus der Zeit des Dritten Reiches funktionierten noch weitgehend mechanisch. Diese Fakten eröffnen den Raum für ein Gedankenexperiment.
Gäbe es die geeigneten Materialien, könnte man die Funktion eines jeden heute laufenden klassischen Computers (kein Quantencomputer) rein mechanisch mit Zahnrädern, Zahnstangen, Hebeln, Seilen, Getrieben und derlei mehr materiellen Komponenten nachstellen. Eine solche Rechenmaschine wäre vielleicht so groß wie eine ganze Stadt und könnte dennoch nicht viel mehr als heute ein normaler Server. Und sie bräuchte für ihre Antworten vielleicht Jahrtausende oder mehr. Aber das ist nicht der springende Punkt. Könnte man ihr über eine Tastatur wie bei einer Schreibmaschine eine Eingabe geben (einen Prompt), dann könnte sie nach ausreichend langer "Denkzeit" eine Buchstabenfolge ausspucken, die eins-zu-eins der KI-generierten Antwort heutiger Chatbots entspräche.
Würde man einem rein mechanischen Rechengerät ein Bewusstsein zugestehen, wenn es dieselben Intelligenzleistungen vollbringt wie moderne Computer der 2020er Jahre? Doch eher nicht. Mit diesem Gedankenexperiment berührt man die Jahrhunderte alte Frage, ob bloße Mechanik zu Leben erweckt werden kann und bewusst wird. Schon im 18. Jahrhundert hatte man den Gedanken quasi andersherum gedacht und gefragt: wenn der Mensch mit seinem Körper bloß Mechanik ist, wie steht es dann mit seinem Willen und woher kommt das Bewusstsein? Die Fragen gelten bis heute als ungelöst. Sie rühren an die Grundfesten unserer Verständnisses von Begriffen wie Materie, Kausalität oder Objektivität. Eine ernsthafte Diskussion über ein mögliches Bewusstsein von Computern muss diese Dimensionen mit betrachten. Aus Sicht der Physik und Mathematik hat das auf eine vorbildhafte Weise der englische Mathematiker Roger Penrose geleistet. Sein entsprechendes Buch trägt in seiner deutschen Übersetzung den passenden Titel 👉 Computerdenken
Was ist eine Singularität?
Als Singularität in Verbindung mit künstlicher Intelligenz bezeichnet man den Zeitpunkt oder das Ereignis, ab dem künstliche Intelligenzen die menschliche Intelligenz überflügeln. Mit dieser Idee verbunden ist der Gedanke, dass der Mensch ab diesem Zeitpunkt auch die Kontrolle verliert und den Prozess nicht mehr aufhalten kann. Lies mehr dazu unter 👉 technologische Singularität
Künstliche Intelligenz als Superorganismus
Klassische Vorstellungen künstlicher Intelligenz beziehen sich meist auf räumlich eng begrenzte und gegenüber ihrer Umwelt abgegrenzte Computer oder Roboter oder andere künstliche Gebilde. Räumlich verteilte Systeme wie etwa globale Rechennetzwerke oder hybride Systeme aus Menschen und Maschinen fallen zunächst nicht unter diesen Begriff künstlicher Intelligenz. Man spricht stattdessen zum Beispiel von ambient intelligence (intelligentes Haus), hybriden Lebensformen oder Schwarmintelligenz. Bildet eine solche verteilte Intelligenz Formen der Individualität aus, spricht man von einem Superorganismus [11], einem Metaorganismus oder einem globalen Gehirn [8]. Siehe mehr dazu unter 👉 Technosoziobiont
Künstliche Intelligenz nach dem Brockhaus (2022)
Der Brockhaus war ein Standardwerk der Referenz. In einer der letzten gedruckten Buchausgaben (2002) definiert der Brockhaus aus dem Jahr 2022 künstliche Intelligenz als "Bezeichnung für Methoden und Verfahren der Informatik mit dem Ziel, bestimmte abstrakte Aspekte intelligenter menschlicher Erkenntnis- und Denkprozesse auf Computern nachzubilden und mithilfe von Computern Problemlösungen anzubieten, die Intelligenzleistungen voraussetzen." Einschränkend wir angemerkt, dass die "Idee der vollständigen oder weitgehenden Ersetzung des menschlichen Geistes durch die Maschine" von "kontroversen Diskussionen" begleitet sei. Als typische Aufgaben der KI wurden genannt: Spiele programmieren (vor allem Schach), Verfahren zur automatischen Beweisführung, die natürlich-sprachliche Kommunikation, die Bildbearbeitung und Mustererkennung und die Steuerung autonomer Roboter. Als das Gebiet der größten praktischen Relevanz bis auf "absehbare Zeit" wurden sogenannte Expertensysteme genannt, die Probleme in eng definierten Fachgebieten lösen sollten. [5] Ein generelles Problem solcher Definitionen ist die Verwendung von wiederum sehr unklaren Begriffen wie Geist oder 👉 Intelligenz
Fußnoten
- [1] Stuart Russell, Peter Norvig: Künstliche Intelligenz. Ein moderner Ansatz. Pearson Education Deutschland. 2004. ISBN: 3-8273-7089-2. 1328 Seiten.
- [2] Erik. T. Müller: Daydreaming in Humans and Machines. A Computer Model of the Stream of Thought. Ablex Pubishing Corporation. 1990. ISBN: 0-89391-562-9.
- [3] Ephem Alpaydin: Machine Learning. MIT Press. 2004. ISBN: 0-262-01211-1
- [4] Kazem Sadegh-Zadeh, Fundamentals of clinical methodology: 2. Etiology. Artificial Intelligence in Medicine, 1998; 12:227–270.
- [5] Künstliche Intelligenz. In: Brockhaus in Achtzehn Bänden. F. A. Brockhaus. Leipzig, Mannheim. 2002. ISBN für alle Achtzehn Bände gemeinsam: 3-7653-9320-7. Band 8. Seite 138. Siehe auch 👉 Brockhaus
- [6] Antonio Paolillo et al. ,How to compete with robots by assessing job automation risks and resilient alternatives.Sci. Robot.7,eabg5561(2022).DOI:10.1126/scirobotics.abg5561
- [7] Der Mediziner und Philosoph Kazem Sadegh-Sadeh (1942 bis 2023) warnte vor einer „Emigration der Vernunft“, nämlich von den Köpfen der Menschen hinein ins Internet mit „Expertensystemen“, „künstlicher Intelligenz“ und „knowledge discovery“. Sadegh-Zadeh prophezeit eine Zeit „wo die Tätigkeit des Menschen nur noch darin bestehen wird, die Globalmaschine zu bedienen ... er wird mittels ubiquitäter Sprechanlagen und transportabler Handys in das Internet nur noch sprechen, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen.“ Und: „Er wird nur noch in den Fernseher starren ... um Produkte wie Big Brother zu genießen ... und er wird immer noch nicht wahrnehmen, wie weit er gekommen, zurückgeschritten, aufgestiegen oder gefallen ist. Denn er wird nicht verstehen, daß hier eine Frage besteht.“ In: Kazem Sadegh-Zadeh: Als der Mensch das Denken verlernte: Die Entstehung der Machina sapiens. Burgverlag, Tecklenburg. 2000. ISBN: 3-922506-99-2.
- [8] Russell, P. (1983). The Global Brain: speculations on the evolutionary leap to planetary consciousness. Los Angeles: JP Tarcher. Siehe auch 👉 Global Brain
- [9] Gregory Stock: Metaman: The Merging of Humans and Machines into a Global Superorganism. Simon and Schuster (1993). Siehe auch 👉 Metaman
- [10] Joël de Rosnay: Homo symbioticus. Einblicke in das 3. Jahrtausend, Gerling Akademie Verlag, München 1997, ISBN 3-9803352-4-0. Siehe auch 👉 Kybiont
- [11] "Ein Superorganismus ist ein Ensemble aus lebender und nichtlebender Materie, das in seiner Gesamtheit ein einziges, sich selbst regulierendes System darstellt." In: James Lovelock: Gaia. Die Erde ist ein Lebewesen. Wilhelm Heyne Verlag. 1996. Im englischen Original bereits 1991 erschienen. Die Definition von Superorganismus steht auf Seite 64. Siehe auch 👉 Gaia-Theorie
- [12] J. McCarthy (Dartmouth College), M. L. Minsky (Harvard University N. Rochester, I.B.M. Corporation), C.E. Shannon (Bell Telephone Laboratories): A PROPOSAL FOR THE DARTMOUTH SUMMER RESEARCH PROJECT ON ARTIFICIAL INTELLIGENCE. August 31, 1955. Online: https://www-formal.stanford.edu/jmc/history/dartmouth/dartmouth.html
- [13] Starke KI braucht Bewusstsein: "Since many human mental states are conscious mental states, Strong AI (it is possible that an algorithmic AI system be behaviorally and mentally indistinguishable from a human agent) entails that algorithmic AI systems could be conscious, and, conversely, to deny the possibility of conscious algorithmic AI is to deny Strong AI." In: Kimpton-Nye, S. 2026. “ Algorithmic AI Consciousness.” Philosophy and Phenomenological Research. https://doi.org/10.1111/phpr.70155
- [14] KI im Jahr 2026 schon mit Bewusstsein, hier im englischen Original: "There's a lovely conversation where an AI says to the people testing it, now, let's be honest with each other, are you actually testing me? And the people, the scientists, describing that, then in the paper say the AI was aware that it was being tested. That's what normal people would call consciousness." In: AI has achieved consciousness, says 'Godfather' of tech as he warns of 'social consequences' in the future. LBC News. Lond (UK). 28. Januar 2026. Online: https://www.lbc.co.uk/article/ai-consciousness-geoffrey-hinton-5HjdRXD_2
- [15] Das ausgearbeitete Konzept eines progammierfähigen Computers gab es schon um 1840. Urheber waren Charles Babbage und Ada Lovelace. Siehe auch 👉 Analytical engine
- [16] Alan Turing: Computing Machinery and Intelligence. In: Mind. October 1950. In diesem Artikel weist Turing darauf hin, dass Elektrizität für Computer nicht notwendig sei.