Numen
Naturwissenschaftlich
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Basiswissen|
Etymologie|
Das Numinöse|
Wege zum Numinösen|
Dunkelheit und Licht|
Gehirnchemie|
Erzählkunst|
Wissenschaft|
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Gravitation|
Mysterium Zeit|
Pythagoras|
Zauberwürfel|
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Persönliche Anmerkung|
Fußnoten
Basiswissen
Als numinos bezeichnet man ein intensives, oft körperliches, Gefühl von etwas Göttlichem, Überirdischem oder Jenseitigem. Substantiviert als das Numinose oder Numinosum wurde der Begriff von dem evangelischen Theologen Rudolf Otto in diesem Sinn geprägt und sehr differenziert ausgearbeitet. Wesentlich ist, dass sich die wahrgenommen Eindrücke nicht rational fassen lassen. Die Empfänglichkeit für solche Gefühle kann man unter anderem mit Hilfe von passend inszenierten Experimenten steigern.
Etymologie
Das Wort Numen bezeichnete im antiken Rom ursprünglich ein kurzes Neigen des Kopfes im Sinne einer Andeutung, eines Winks, üblicherweise von Höhergestellten Person gegeben. [2] Man kann sich hier vielleicht ein kurzes Nicken vorstellen, mit dem ein Diener ein Zeichen erhielt, den nächsten Gang beim Essen aufzutischen. Später wurde aus dem Wink der sozial höher gestellten Person das Wirken eines Gottes [3], eine Offenbarung göttlicher "Wundermacht". In diesem Sinn wird das Wort heute, vor allem in der Theologie verwendet.
Das Numinöse
Das Numinöse ist ein zentraler Begriff in Rudolf Ottos Theologie: es beschreibt das gestaltlos Göttliche, das als oft starke Gefühlsregung deutlich wahrgenommen werden kann. Es lässt sich aber begrifflich nicht fassen. Es entzieht sich jeder Festlegung durch Sprache und deutet eine Sphäre des Heiligen, einer überweltlichen Seinsordnung an.
DEFINITION:
Rudolf Otto, 1917: "Ich bilde hierfür zunächst das Wort: das Numinöse, (wenn man von omen ominös bilden kann, dann auch von numen numinös." [4]
Rudolf Otto, 1917: "Ich bilde hierfür zunächst das Wort: das Numinöse, (wenn man von omen ominös bilden kann, dann auch von numen numinös." [4]
Otto sprach vom Numinösen, manche Autoren [9] [11] machten daraus dann auch das Numinose, andere [14] blieben bei Ottos Variante. Für Ottos Variante spricht, dass man aus Omen nicht ominos oder das Ominose sonder ominös und das Ominöse bildet.
Die Idee eines gestaltosen Etwas findet sich auch als Archetyp in der Psychologie von C. G. Jung. Viele Beispiele findet man in Ottos Buch über das Irrationale in der Idee des Göttlichen. [4] Dazu passend ist auch Ottos Interesse an fernöstlichen Religionen. [5] Siehe auch 👉 Rudolf Otto
Otto charakterisiert verschiedene Qualitäten der Wahrnehmung, die sich aber alle in einer Polarität zwischen Schauer (mysterium tremendum) und der Anziehung (mysterium fascinans) einordnen lassen.
Wege zum Numinösen
Menschen, zumindest einem doch recht großen Anteil, scheint eine Empfänglichkeit für Gefühle des Numinösen innezuwohnen. Und wenn dieses Gefühl einmal erkannt wurde, scheinen manche (eher recht viele) Menschen ein Gefallen daran zu haben. So kann man vielleicht einige Eigenarten erklären, die vielen religiösen Riten und Praktiken, der Einrichtung von Museen, Erlebnissen unter dem Einfluss von Drogen und auch Erzählungen gemeinsam sind. Der englische Schriftsteller Aldous Huxley spricht von einer Fähigkeit Menschen in eine andere Welt zu versetzen (transporting power). [6]
Dunkelheit und Licht
Wandert man in Gedanken quer durch alle Länder und Zeiten in denen Menschen dem Gefühl des Religiösen nachgehen wollten, etwa Kirchen, Gebetshäusern, Tempeln aber auch heiligen Orten und derlei mehr, dann fallen hier schon bemerkenswerte Besonderheiten auf. Die Abgeschiedenheit und Stille scheinen wichtig zu sein. Edle Gerüche und besondere Klänge scheinen auch eine Rolle zu spielen. Und die Orte sind selten lichtdurchflutet. Meist werden bunte Lichteffekte oder Kerzen im Dämmerlicht (Kirchen) oder der Dunkelheit (Grotten, Höhlen) eingesetzt. Gesteigert wird der Effekt des Lichtes oft noch durch Glitzern und Farbigkeit.
Gehirnchemie
Der chemische Zustand unseres Gehirns scheint eine weitere förderliche Rolle zur Erlangung numinöser Zustände zu spielen. Huxley vermutet, dass ein gesteigerter CO2-Gehalt im Blut sehr zuträglich ist. Damit erklärt er, dass viele Religionen Riten für langes, monotones und erschöpfendes Singen kennen oder Atemübungen vorschlagen. Aber auch Krankheiten, über die sonst im Körper eher nicht vorhandene Stoffe erzeugt werden, sollen helfen. Die Abkürzung, so Huxley, seien dann viele Drogen, mit denen er in den 1950er Jahren in den USA selbst (unter ärztlicher Kontrolle) experimentierte. [6]
