Super-Wesen
Hypothese
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- 2026
Basiswissen|
Eine neue Metatransition|
Sprache als Nervensystem|
Super-Wesen als Proto-Faschismus?|
Wirkungsgeschichte|
Fußnoten
Basiswissen
Dem russisch-amerikanischen Informatiker Valentin Turchin zufolge kann die menschliche Gesellschaft mitsamt ihrer Produkte als ein großes Super-Wesen [5] angesehen werden. Diese Idee ist hier kurz skizziert.
Eine neue Metatransition
Gab es im Kosmos schon früh sogenannte Metasystem-Transitionen, etwa von Einzellern zu Vielzellern. Doch mit der Entstehung menschlicher Gesellschaften sei etwas qualitativ Neues dazugekommen: der Wille menschlicher Individuen [1, Kapitel: The Super-Being]. Während mehrzellige Tiere und Plfanzen ganz durch evolutionäre Prozese kontrolliert seien, habe der Mensch die Kraft durch Ideen und Inspiration den Weg selbst zu bestimmen. Der Körper des Wesens besteht nach Turchin aus allen Menschen zuzüglich ihrer Produkte: Kleidung, Gebäude, Maschinen, Bücher etc. Ihre Physiologie setzt sich aus der Physiologie einzelner Menschen sowie der Physiologie der Kultur zusammen: bestimmte Methoden zur Kontrolle der Umwelt, der Elemente des sozialen Körpers und der Art und Weise wie Menschen denken.
Sprache als Nervensystem
Das Nervensystem wird durch Sprache gebildet. Sprache hat dabei zwei Funktionen: a) es dient dem Austausch zwischen Information zwischen einzelnen Teilen des ganzes System sowie der Kontrolle sowie b) mit Sprache wird die Umwelt modelliert.
Super-Wesen als Proto-Faschismus?
Valentin Turchin lebte bis in die späten 1970er Jahre in der damaligen Sowjetunition. Turchin sah sein Heimatland als eine Diktatur an und äußerte sich öffentlich dazu. Letztendlich musste er sich zwischen drohender Lagerhaft und einer Auswanderung in die USA entscheiden. Ein möglicherweise entstehendes Super-Wesen, so Turchin, folge generellen evolutionären Prinzipien, die man in vulgärer Form auch als förderlich für faschistisch-totalitäre Systeme ansehen können.
ZITAT:
Valentin Turchin, 1977: "Der kybernetische Ansatz gibt uns einen zusätzlichen Blickwinkel auf die tiefere Bedeutung der Analogie zwischen Gesellschaft und Organismus. Er bezeugt die Existenz von außerordentlich allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Evolution welche auf allen Ebenen der organisierten Materie vorkommen und in die Richtung zukünftiger Entwicklunen zeigen. Dieser Blick birgt in sich die große Gefahr das in vulgarisierter Form leicht zum Entwurf faschistoider (fascist-type) totalitärer Staaten führt." [6]
Valentin Turchin, 1977: "Der kybernetische Ansatz gibt uns einen zusätzlichen Blickwinkel auf die tiefere Bedeutung der Analogie zwischen Gesellschaft und Organismus. Er bezeugt die Existenz von außerordentlich allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Evolution welche auf allen Ebenen der organisierten Materie vorkommen und in die Richtung zukünftiger Entwicklunen zeigen. Dieser Blick birgt in sich die große Gefahr das in vulgarisierter Form leicht zum Entwurf faschistoider (fascist-type) totalitärer Staaten führt." [6]
Ein interessanter Querbezug führt zurück in die späten 1930er Jahre, als als mehrere Länder Europas von faschistischen Regierungen geführt wurden. Der sozialistische Schriftsteller erkennt in einer Rezension eines Buches von Caryl P. Hasinks genau diese Nähe gesellschaftlich gedeuteter Vorbilder aus der Biologie zum Faschismus. Siehe dazu den Artikel zu 👉 Of Ants and Men (Caryl P. Haskins)
Wirkungsgeschichte
Nach seiner Auswanderung in die USA gründeten Turchin und Jeff Closlyn im Jahr 1989 das Projekt Principia Cybernetica Weg, welches später von dem Belgier Francis Heylighen auch in Europa stark popularisiert wurde. Die gleichnamige Webseite gilt heute als ein herausragendes Archiv kybernetischen Denkens und der Vision eines Globalen Gehirns für die Zeit von 1990 bis etwa 2000. Siehe auch 👉 Global Brain
Fußnoten
- [1] Valentin Turchin: The Phenomenon of Science. New York: Columbia University Press. ISBN 978-0-231-03983-3. Erstmals veröffentlicht im Jahr 1977. Hier vor allem das Kapitel: The Super-Being. Online: https://pespmc1.vub.ac.be/POS/TurPOS-prev.pdf
- [2] Valentin Turchin: "The concept of a supercompiler". ACM Transactions on Programming Languages and Systems. 1986. 8 (3): 292–325. doi:10.1145/5956.5957. S2CID 8403840.
- [3] Valentin Turchin: "A dialogue on metasystem transition". World Futures. 45 (1): 5–57. 1995. CiteSeerX 10.1.1.214.9001. doi:10.1080/02604027.1995.9972553.
- [4] Caryl P. Haskins: Of Ants and Men. Prentice Hall, 1939. Ameisenstaaten als Vorbild faschistoider Menschengesellschaften 👉 Of Ants and Men (Caryl P. Haskins)
- [5] Die Entstehung eines Superbeings hin zu einem "Social Body" ist eine Metasystem-Transition: Society can be viewed as a single super-being. Its `body' is the body of all people plus the ob jects that have been and are being made by people: clothing, dwellings, machines, books, etc. Its `physiology' is the physiology of all people plus the culture of society, which I understand in a very wide sense as a certain method of controlling the physical component of the social body and the way that people think. The emergence and development of the social body marks the beginning of a new metasystem transition". In: Valentin Turchin: A Dialogue on Metasystem Transition. The City College of New York. July 12, 1999. Dort die Seite 48. Siehe auch 👉 Metasystem-Transitionen
- [6] Zur Gefahr des Faschismus: "the cybernetic approach brings us to another point of view according to which the analogy between society and sthe organism has a profound meaning, testifying to the existence of extraordinarily general laws of evolution that exist at all levels of the organization of matter and pointing out to us the direction of society's development. This point of view conceals in itself a great danger that in vulgarized form it can easily lead to the conception of a fascist-type totalitarian state." In: Valentin Turchin: The Phenomenon of Science. New York: Columbia University Press. ISBN 978-0-231-03983-3. Erstmals veröffentlicht im Jahr 1977. Hier vor allem das Kapitel: The Super-Being. Online: https://pespmc1.vub.ac.be/POS/TurPOS-prev.pdf