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Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Zeitatom

Kleinster Baustein der Zeit

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Basiswissen


In Analogie zu einem Atom als kleinstem Baustein der Materie kann man auch die Frage nach einem kleinsten Bestandteil von Zeit stellen. Während ein Zeitpunkt als ausdehnungsloser (zeitloser) Punkt auf einer Zeitskala gedacht wird, würde ein Zeitatom aber Zeit in Anspruch nehmen, hätte aber keine sinnvolle innere Struktur mehr. Sehr nahe an dieses Konzept kommt der Begriff Planck-Zeit.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Die Physik kennt einen kleinst möglichen Zeitabschnitt: die Planck-Zeit. Innerhalb der Planck-Zeit ist eine weitere Unterscheidung von Zeiträumen nicht mehr sinnvoll. Dies kommt der Idee eines Zeitatoms sehr nahe.☛


Antike Ursprünge


Die Frage, ob die Zeit ein Kontinuum sei oder aus einzelnen Stücken mit einer inneren Ausdehnung besteht, hat ihre Wurzeln spätestens im philosophischen Denken der antiken Griechischen. Parmenides (ca. 515–450 v. Chr.) dachte kritisch über das Verhältnis von Sein und Nichtsein nach. Er kam zu dem Schluss, dass Wandel und Vielheit eine Illusion sein müssten. Ein Schüler des Parmenides, Zenon (ca. 490–430 v. Chr.) versuchte die Gedanken seines Lehrers mit Gedankenexperimenten zu untermauern. Berühmt ist sein fliegender Pfeil, der eigentlich unmöglich fliegen könne. Jeder Versuch, sich einen fliegenden Pfeil wirklich als fliegend vorzustellen, ende, so Zenon, in Widersprüchen. In der Auslegung nach Friedrich Nietzsche klingt könnte eine Lösung sein, dass die Zeit aus Atomen bestünde, was aber wiederum unmöglich ist:


ZITAT:

Friedrich Nietzsche "In jedem Augenblick seines Fluges hat er eine Lage: in dieser Lage ruht er. Wäre jetzt die Summe der unendlichen Lagen der Ruhe identisch mit Bewegung? Wäre jetzt das Ruhen, unendlich wiederholt, Bewegung, also sein eigner Gegensatz? Das Unendliche wird hier als Scheidewasser der Wirklichkeit benutzt, an ihm löst sie sich auf. Wenn aber die Begriffe fest, ewig und seiend sind – und Sein und Denken fällt für Parmenides zusammen –, wenn also das Unendliche nie vollendet sein kann, wenn Ruhe nie Bewegung werden kann, so ist der Pfeil in Wahrheit gar nicht geflogen: er kam gar nicht von der Stelle und aus der Ruhe, kein Zeitmoment ist vergangen. Oder anders ausgedrückt: es gibt in dieser sogenannten, doch nur angeblichen Wirklichkeit weder Zeit noch Raum noch Bewegung. Zuletzt ist der Pfeil selbst nur eine Täuschung: denn er stammt aus der Vielheit, aus der durch die Sinne erzeugten Phantasmagorie des Nicht-Einen. Angenommen, der Pfeil hätte ein Sein, dann wäre er unbeweglich, zeitlos, ungeworden, starr und ewig – eine unmögliche Vorstellung! Angenommen, die Bewegung wäre wahrhaft real, so gäbe es keine Ruhe, also keine Lage für den Pfeil, also keinen Raum – eine unmögliche Vorstellung! Angenommen, daß die Zeit real sei, so könnte sie nicht unendlich teilbar sein; die Zeit, die der Pfeil brauchte, müßte aus einer begrenzten Anzahl von Zeitmomenten bestehen, jeder dieser Momente müßte ein Atomon sein – eine unmögliche Vorstellung! Alle unsre Vorstellungen, sobald ihr empirisch gegebner, ausdieser anschaulichen Welt geschöpfter Inhalt als veritas aeterna genommen wird, führen auf Widersprüche." [2]


Persönliche Anmerkung


 Portrait von Gunter Heim Die moderne Mathematik umgeht die von den antiken Denkern aufgeworfenen Probleme mit Hilfe der Mathematik. Führt man reelle Zahlen ein und auf ihnen aufbauend das Denken mit mathematischen Grenzwerten, verschwinden die Probleme wie Dunst in der warmen Morgensonne. Doch dabei wird oft stillschweigend und vielleicht auch unkritisch unterstellt, dass die Wirklichkeit von Raum und Zeit genau ein solches Kontinuum sei wie die Welt der reellen Zahlen. Dass diese Prämisse ein fauler Zauber sein könnte zeigt sich vielleicht an der fundamentalen mathematischen Unverträglichkeit von Relativitätstheorie und Quantentheorie. Für mich ist es jedenfalls eine denkerische Ungeheuerlichkeit, dass unendlich viele ausdehnungslose Punkte auf einem Zahlenstrahl aufaddiert eine Strecke ergeben können sollen. Und ich glaube, dass das letzte Wort zu diesem Thema auch nach über 2500 Jahren Ideengeschichte noch nicht gesprochen ist.

Fußnoten


  • [1] Friedrich Nietzsche: Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen. In: Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 3. Online: http://www.zeno.org/nid/20009257829
  • [2] Adam Becker: Woraus besteht die Raumzeit. In: Spektrum der Wissenschaft. Mai 2022. Seite 13 bis 21. Eine atomare Raumzeit ist besprochen auf Seite 15.

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