Solaris-Welten
Belebte Himmelskörper
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- 2026
Basiswissen|
Solaris-Welten als lebende Himmelskörper|
Solaris-Welten als Zukunftsszenarien|
Drei Varianten hin zu einer Solaris-Welt|
Schlusszitat|
Fußnoten
Basiswissen
Solaris-Welten ist ein Sammelbegriff für verschiedene Zukunftsszenarien oder generell auch kosmische Szenarien, bei denen Himmelskörper wie Planeten, Gasnebel, Sonnen oder ganze Galaxien lebende Wesen sind. Die Vorstellung wurde von verschiedenen Autoren ausgearbeitet. Namensgebend für diese Klasse von Welten ist der hypothetische Planet Solaris aus Stanislaw Lems gleichnamiger Geschichte. Der mit einer Flüssigkeit bedeckte Planet zeigt verstörende Anzeichen von Lebendigkeit. Doch trotz vieler verzweifelter Versuche menschlicher Forscher eine Kommunikation mit dem Himmelskörper aufzubauen, bleibt es letzten Endes unklar, ob der Planet wirklich lebt oder ob sich dort nur physikalische Prozesse abspielen.
Solaris-Welten als lebende Himmelskörper
- Ein lebender Planet liest menschliche Gedanken aus 👉 Solaris
- Die Erde als funktionales Lebewesen (ohne Psyche) 👉 Gaia-Theorie
- Planetare Nebel als empfindsame Lebewesen 👉 Nebula Maker
- Sterne als lebende Wesen? Ist das messbar? 👉 Gregory Matloff
- Eine lebende Erdrinde wird angebohrt 👉 als die Erde schrie
Solaris-Welten als Zukunftsszenarien
- Der Mensch verschmilzt mit seiner Technologie zu Überwesen 👉 Metaman-Welten
- Das spezifisch menschliche ist und bleibt Endpunkt der Evolution 👉 Star-Trek-Welten
- Der Mensch ist Teil einer sich vergeistigenden Weltmaterie 👉 Chardin-Welten
- Für eine große Übersicht siehe auch 👉 Futurologisches Tableau
Drei Varianten hin zu einer Solaris-Welt
Rein theoretisch sind mindestens drei Wege denkbar, die zu einer Solaris-Welt führen könnten. Zum ersten ist es denkbar, dass eine Art nicht-biologischer aber dennoch möglicherweise darwinistischer Evolution innerhalb von Himmelskörpern abläuft. Der englische Philosoph Olaf Stapledon hat einen solchen Prozess an beseelten Sternen dargestellt. Bei den Sternen sind die inneren Gas- und Plasmaströme die materiellen Träger der Evolution. Dass Flüssigkeiten Träger von Rechen- und damit algorithmischen Denkoperationen sein können, wurde mehrfach am Beispiel flüssiger Computer gezeigt [3], was dem Szenario einer nicht-biologischen Evolution eine gewisse Plausibilität verleiht.
- 1) Abiologische Evolution
- 2) Biologische Evolution
- 3) Göttliche Beseelung
Zweitens ist es denkbar, dass auf Himmelskörpern zunächst eine biologische Evolution beginnt, vielleicht ausgelöst durch Panspermie oder klassische Abiogenese. Die biologischen Lebensformen entwickeln dann eine Technologie, die letztendlich von der gesamten Materie des Himmelskörpers Besitz ergreift und diesen in ein lebendes Wesen umwandelt. Drittens aber sollte die metaphysische Idee einer Beseelung im klassisch theologischen Sinn nicht übersehen werden: ein göttliches Wesen haucht Materie eine Seele ein. Nicht der materielle Vorgang oder Zustand ist dann wesentlich sondern ein mehr oder minder willkürlicher Akt einer Beseelung.
Schlusszitat
Schließen möchte ich mit einem Zitat des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe. Poe ist bekannt als Autor von Gruselgeschichten. Aber wie ein zarter Faden ziehen sich naturphilosophischen Empfindungen durch sein Werk. Im Jahr 1841 erschien sein Island of the Fay. Darin beschreibt er Landschaften und die Erde als Ganzes ganz im Sinne einer Solaris-Welt als ein Lebewesen.
ZITAT:
Edgar Allan Poe, 1841: "Edgar Allan Poe, in: The Island of the Fay: "I love, indeed, to regard the dark valleys, and the gray rocks, and the waters that silently smile, and the forests that sigh in uneasy slumbers, and the proud watchful mountains that look down upon all, - I love to regard these as themselves but the colossal members of one vast animate and sentient whole - a whole whose form (that of the sphere) is the most perfect and most inclusive of all; whose path is among associate planets; whose meek handmaiden is the moon, whose mediate sovereign is the sun; whose life is eternity; whose thought is that of a God; whose enjoyment is knowledge; whose destinies are lost in immensity; whose cognizance of ourselves is akin with our own cognizance of the animalculae which infest the brain - a being which we, in consequence, regard as purely inanimate and material, much in the same manner as these animalculae must regard us." [6]
Edgar Allan Poe, 1841: "Edgar Allan Poe, in: The Island of the Fay: "I love, indeed, to regard the dark valleys, and the gray rocks, and the waters that silently smile, and the forests that sigh in uneasy slumbers, and the proud watchful mountains that look down upon all, - I love to regard these as themselves but the colossal members of one vast animate and sentient whole - a whole whose form (that of the sphere) is the most perfect and most inclusive of all; whose path is among associate planets; whose meek handmaiden is the moon, whose mediate sovereign is the sun; whose life is eternity; whose thought is that of a God; whose enjoyment is knowledge; whose destinies are lost in immensity; whose cognizance of ourselves is akin with our own cognizance of the animalculae which infest the brain - a being which we, in consequence, regard as purely inanimate and material, much in the same manner as these animalculae must regard us." [6]
ZITAT:
Edgar Allan Poen, 1841: "As we find cycle within cycle without end -- yet all revolving around one far-distant centre which is the Godhead, may we not analogically suppose, in the same manner, life within life, the less within the greater, and all within the Spirit Divine? In short, we are madly erring, through self-esteem, in believing man, in either his temporal or future destinies, to be of more moment in the universe than that vast 'clod of the valley' which he tills and contemns, and to which he denies a soul for no more profound reason than that he does not behold it in operation." [6]
Edgar Allan Poen, 1841: "As we find cycle within cycle without end -- yet all revolving around one far-distant centre which is the Godhead, may we not analogically suppose, in the same manner, life within life, the less within the greater, and all within the Spirit Divine? In short, we are madly erring, through self-esteem, in believing man, in either his temporal or future destinies, to be of more moment in the universe than that vast 'clod of the valley' which he tills and contemns, and to which he denies a soul for no more profound reason than that he does not behold it in operation." [6]
Fußnoten
- [1] Stanislaw Lem: Solaris. 1961.
- [2] Olaf Stapledon: Nebula Maker. Geschrieben um 1932/1933. Erstausgabe im Jahr 1976.
- [3] Adamatzky Andrew 2019A brief history of liquid computers. In: Phil. Trans. R. Soc. B3742018037220180372. http://doi.org/10.1098/rstb.2018.0372
- [4] Karl Freiher du Prel: Der Kampf ums Dasein am Himmel: Die Darwin'sche Formel nachgewiesen in der Mechanik der Sternenwelt von Karl Freiherr du Prel. Denicke's Verlag. Berlin. 1874. 110 Seiten. Auf Seite 9 wird der Darwinismus auch auf den Himmel übertragen: "Die Biologie in ihrer neueren Gestalt, für welche Darwins Untersuchungen grundlegend geworden sind, zeigt uns, daß wir alle Anpassung der Organismen an ihre respektiven Lebensverhältnisse, alle Zweckmäßigkeit in der leiblichen Verfassung der Individuen als das natürliche Resultat langer Entwicklungszustände zu erachten haben, daß aber keine Entwicklung ohne die Inkonvenienz begleitender Kämpfe auftritt. Daß aber dieses Gesetz keineswegs auf die biologischen Veränderungen beschränkt sei, sondern vielmehr in modifizierter Form nach Maßgabe der Verschiedenheit der von den Spezialwissenschaften behandelten Objekte auf alle übertragen werden kann, möchte schon daraus erhellen, daß alle Zeige der empirischen Forschung dem Erklärungsprinzip der Entwicklung zutreiben. Wenn wir nun in Bewunderung der zweckmäßigen Anordnung der Gestirne auch an sie den gleichen Maßstab legen und nach Analogien suchen wollen zwischen den biologischen und den kosmischen Vorgängen, so erscheint das bei der totalen Verschiedenheit der Objekte vorerst allerdings unthunlich; wir werden aber gleichwohl sehen, daß in allgemeiner Hinsicht sehr mekrwürdige Analogien vorhanden sind, und dies erfüllt uns mit dem Vertrauen, daß auch für die Astronomie etwas Ähnliches geleistet werden kann, wie es durch Darwin für die Biologie geleistet ist." Auf Seite 95 geht du Prel von einem Bewusstsein der evolvierten Himmelskörper aus: "Und wenn wir in diesen Specialentwicklungen überhaupt eine Absicht walten sehen wollten, so könnte dieselbe nur darin liegen, daß mit Hülfe jenes Kampfes um's Dasein auf den Sternen eine hochgesteigerte Stufe des Bewußtseins erzielt werde, mit welcher das Gestirn seine Aufgabe erfüllt hätte und abtreten müßte , um anderen Plaß zu machen."
- [5] Dass auch nicht-biologische Systeme (stars, minerals, atmospheres) evoluieren, wird betrachtet von: Michael L. Wong, Carol E. Cleland, Daniel Arend Jr., Robert M. Hazen: On the roles of function and selection in evolving systems. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS). 2023. 120 (43) e2310223120. Online: https://doi.org/10.1073/pnas.2310223120
- [6] Edgar Allan Poe: The Island of the Fay. 1841. Ähnliche naturmystische Gedanken findet man auch in anderen Geschichten Poes, etwa The Domain of Arnhem, Eureka, Landor's Cottage, Instinct vs. Reason und The Philosophy of Furniture.