A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 9 Ω
Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Salinitäts-Versuch (Nordseewasser)

Physik

© 2026




Kurzanleitung


Für die offene Nordsee werden Salinitäten von etwa 30 bis 35 Gramm Salz pro Liter Meereswasser angegeben [1], für küstennahe Bereiche immerhin noch deutlich über 20 Gramm [2]. Verdunstet man also einen Liter Wasser von der Nordsee, müssten mindestens 20 Gramm, im Extremfall bis 35 Gramm Salz zurückbleiben.

Video




Einfach einen Liter Meereswasser auf ein Backblech schütten und dort verdunsten lassen, oder mit einem Backofen die Sache etwas beschleunigen: am Ende sollte man so im Sommer mindestens 25 Gramm, vielleicht sogar über 30 Gramm Salz gewinnen können.

Die Salinität der Nordsee


Als Salinität bezeichnet man den Gehalt an Salzen in Wasser. Eine typische Art zur Angabe der Salinität ist es, die Masse der gelösten Salze in Beziehung zur gesamten Masse des betrachteten Wassers zu setzen. Wenn man von einer Salinität von 3,5 % spricht heißt das, dass 3,5 Hundertstel von einem Kilogramm Wasser auf das Konto der gelösten Salze gehen. Und 3,5 % von 1000 Gramm wären dann 3,5 mal 10 oder 35 Gramm. Siehe auch 👉 Salinität

Für den Bereich der küstennahen südlichen Nordsee gelten um die 30 Gramm Salz, entsprechend 3,5 % oder 35 Promille, als realistisch. [1] [2] Am Abend des 29. Juli 2026, etwa gegen 21.00 Uhr, wurde mit einem Messbecher (Küchengerät) ein Liter unbewegten Meereswassers aus einem Priel entnommen. Der Messbecher wurde langsam so eingetaucht, dass nur Wasser aus den obersten ein oder zwei Zentimetern einströmen könnte. Das Ziel war es, nicht versehentlich Meerestiere mit aufzunehmen. Gegen 21.30 Uhr wurde das Wasser auf ein großes Backbleck ausgegossen.

  • Gemessene Gesamtmasse des Messbechers (Küchenhilfe) mit einem Liter Seewasser darinnen: 1158 Gramm
  • Gemessene Leermasse des Messbechers: 154 Gramm
  • Berechnete Masse des Seewassers: 1004 Gramm
  • Berechnete Dichte des Seewassers: 1,004 g/cm³ 👉 Dichten

Am darauffolgenden Tag stand das Backblech mit dem Wasser bei warmen Wetter direkt in der prallen Sonne. Sichtbar viel Wasser war verdunstet, aber nirgends sah das bloße Auge weiße Salzkristalle. Am 31. Juli 2026, gegen 12.00 Uhr, waren noch immer keine Salzkristalle zu sehen. Das restliche Wasser wurde dann in einem Backofen auf etwa 160 °C erhitzt und vollständig verdampft. Auf dem Boden des Blechs entstand dann eine dünne Schicht aus weißen Kristallen. Diese Kristalle wurden dann abgeschabt und mit einer elektronischen Küchenwaage gewogen.

Ein Liter Nordseewasser von der Probestelle in einem Priel auf der Nordseeinsel Wangerooge ergab nach dem Eindampfen rund 30 Gramm blütenweiße Salzkristalle.

Damit konnten die Literaturwerte für die küstennahe südliche Nordsee in einem einfachen Versuch sehr gut bestätigt werden.

Eine Geschäftsidee?


Wenn es so einfach ist, doch recht große Mengen Salz aus dem kostenlosen Meereswasser der Nordsee zu gewinnen, ließe sich dann daraus nicht ein Geschäft aufziehen? Tatsächlich wurde genau das unweit der Wasserentnahmestelle auf Wangerooge probiert. Auf der Binnenseite der Dünen steht noch heute ein Haus mit dem Namen Saline. Dort befand sich einmal eine größere Anlage zur Gewinnung von Salz aus Meerwasser. Das Unternehmen hatte sich letzten Endes aber nicht gerechnet.

Eine erste Abschätzung, ob sich eine Saline heute auf Wangerooge rechnen könnte kann man leicht mit Hilfe einiger weniger Zahlen durchführen. Eine wichtige Leitentscheidung ist dabei, ob man das Meereswasser natürlich verdunsten lassen will oder ob man es durch eine Erhitzung aktiv verdampfen möchte. Gegen die natürliche Verdunstung spricht vor allem, dass der Prozess bei üblichem Nordseewetter sehr lange dauert, man dazu große Verdunstungsflächen benötigt und Regen den Erfolg immer wieder bedrohen würde. Und im Winter dürften die Verdunstungsraten so niedrig sein, dass der Betrieb ganz eingestellt werden müsste. Das alles spricht für eine aktive Verdampfung des Wassers durch Zufuhr von Energie. Bequem nutzbare Energie aber ist nicht umsonst zu haben. Für einen Betrieb auf der Urlaubsinsel dürfte ein Betriebserlaubnis für eine Siedeanlage mit Öl- oder Gasfeuerung fragwürdig sein. Wenn überhaupt, käme als Energiequelle wahrscheinlich nur Strom in Frage. Mit den folgenden Zahlen kann man selbst abschätzen, wie teuer es wäre, das Meerwasser ganz zu verdampfen.

  • Die Ausgangstemperatur des Wassers kann man je nach Jahreszeit irgendwo zwischen 0 °C und maximal 20 °C ansiedeln.
  • 3,6 Millionen Joule oder 3600000 Joule ergeben als Energiemenge zusammen eine 👉 Kilowattstunde
  • Im Jahr 2026 konnte man den Preis für eine Kilowattstunden Strom mit grob etwa 50 Cent ansetzen.
  • Im Jahr 2026 kostete ½ kg billiges Tafelsalz im Supermarkt etwa 30 Cent.

Mit diesen Angaben kann man selbst abschätzen, ob sich der Gedanke einer Salzgewinnung durch aktive Verdampfung wirtschaftlich überhaupt lohnen kann. Wenn die Kosten für den Strom höher sind als der mögliche Erlös beim Verkauf, muss man überhaupt nicht mehr weiter denken.

Fußnoten


  • [1] Der Salzgehalt der Nordsee liegt im Nordwesten, auf der Höhe von Schottland, mit etwa 3,5 % am höchsten. Ander südlichen Küste nimmt er im Sommer von der Oosterschelde in den Niederlanden bis zur Elbmündung im Osten von etwa 3,4 auf um die 3,0 % ab. Im Winter liegen die Werte entlang dieses Küstenabschnittes näher bei 3,0 %. Eine wichtige Rolle spielen hier die Süßwassereinträge von Flüssen. In: SH, Nordseezustand 2008-2011, Berichte des BSH, Nr. 54, 311 pp., Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Hamburg und Rostock, 2016. ISSN-Nr. 0946-6010. Dort im Kapitel "3. Meeresphysik", Unterkapitel "3.6 Salzgehalt", Seite 138. Online: https://www.bsh.de/download/Berichte-des-BSH-54.pdf
  • [2] Für den Jadebusen an der deutschen Nordseeküste wurden in den 1970er Jahren Salinitäten zwischen 2,2 bis 3,3 % (22 bis 33 Promille) angegeben. Die niedrigsten Werte hat man am Ende der verdunstungsarmen und regenreichen Winterzeit im März, die höchsten Werte von Ende August bis Ende Oktober, wenn die Verdunstung eher stark ist. In: Hans-Erich Reineck: Das Watt. Ablagerungs- und Lebensraum. Dritte Auflage. Senckenberg-Buch 50. Verlag Waldemar Kramer. Frankfurt am Main. 1982. ISBN: 3-7829-1067-2. Dort im Kapitel "IV. Das Watt als Lebensraum", von Jürgen Dörjes, speziell die Seiten 111 (Jahresgang als Graph) bis 113 (explizite Angaben im Text).



Mit Google weiter auf Rhetos suchen





Startseite Impressum Feedback © 2010-2025 Nachilfe Physik Nachilfe Chemie