Queller
Pionierpflanze
© 2016
- 2026
Basiswissen|
Wo wachsen Queller?|
Was ist eine Pionierpflanze?|
Was ist ein Halophyt?|
Was ist die Quellerzone?|
Braucht ein Queller Süßwasser?|
Was haben Queller mit Algenmatten zu tun?|
Rotfärbung|
Festigkeit|
Rötungs-Ereignis Wangerooge, 2026|
Fußnoten
Basiswissen
Der Queller [1] ist eine hellgrüne Pflanze mit vielen schwer unterscheidbaren Unterarten. [2] Er wächst gerne im Bereich von Ebbe und Flut, zum Beispiel an der deutschen Nordseeküste im Watt. Er ist eine typische Pionierpflanze, ein Halophyt und auch ein Halobiont. Interessant ist seine Rotfärbung im Lebensabend.
Queller auf der Nordseeinsel Wangerooge. Dort bilden die Pflanzen oft dichte Bestände im Gezeitenbereich des Wattenmeers.
Wo wachsen Queller?
- Queller gibt es an unter anderem an der Küste der 👉 Nordsee
- Der Queller wächst vor allem gerne im sogenannten 👉 Wattenmeer
- Das Watt liegt bei Flut unter Wasser.
- Nur bei Ebbe fällt es trocken.
- Siehe auch 👉 Wattenmeer
Was ist eine Pionierpflanze?
- Pionierpflanzen besiedeln bisher unbewachsenen Boden.
- Unbewachsene Böden gibt es zum Beispiel nach Vulkanausbrüchen.
- Auch nach einem starken Feuer ensteht unbewachsener Boden.
- Queller sind typisch für die Wattenmeere, wo aus Meer Land entsteht.
- Der Queller besiedelt als erste höhere Pflanze den Wattboden.
- Siehe auch 👉 Pionierpflanze
Was ist ein Halophyt?
- Ein Lebewesen, das viel Salz gut vertragen kann, ist ein 👉 Halobiont
- Geht es speziell um Pflanzen, spricht man von einem Halophyten.
- Typische Halophyten sind zum Beispiel die Strandnelke und der 👉 Meersenf
- Der Queller ist einer der 👉 Halophyten
Was ist die Quellerzone?
So bezeichnet man den Bereich des Watts, der bei Flut regelmäßig aber nur für kurze Zeit vom Salzwasser überspült wird. Hier wachsen zum Beispiel Queller und Schlickgras. Sie auch 👉 Quellerzone
Braucht ein Queller Süßwasser?
Ja, Queller keimen erst, wenn sie ausreichend Süßwasser, vor allem durch Regen, bekommen haben. Außerdem benötigt er hin und wieder Süßwasser.
Was haben Queller mit Algenmatten zu tun?
Im Deutschen Nordseewatt kann man beobachten, dass Queller oft dort im Watt wachsen, wo der Wattboden gleichzeitig fest wie auch sehr rutschig ist. Der Grund sind sogenannte Algenmatten aus Diatomeen. Dieser Pflanzenbewuchs festigt und erhöht den Wattboden gerade ausreichend genug, dass der Queller ausreichend oft bei Regen Süßwasser erhält []. Siehe auch 👉 Algenmatte
Rotfärbung
Die Pflanzenteile aller Queller sind im jungen Stadium zunächst grün. [13] Vom Spätsommer bis zum Herbst färben sich viele Quellerpflanzen in den deutschen Wattenmeeren dann rot. [11] Die rote Farbe stammt von sogenannten Betalainen, den gleichen Farbstoffen, die auch für die Farbe der Roten Beete verantwortlich sind. [11] [3] Im Queller werden diese Stoffe entweder durch eine lang anhaltende Bestrahlung mit Licht oder kurze Bestrahlung mit hoher Intensität erzeugt. [4] Die roten Farbstoffe bilden sich dann in der Außenhaut der Pflanzen. [5] Die Bildung von Betalainen ist dabei eine Stress-Reaktion der Pflanze. [6] Zu viel Licht erzeugt unter anderem gefährliche chemische Stoffe, die den Stoffwechsel der Pflanzen stören. [7] Zu viel Licht führt auch zu einer Verholzung. [8] Einen Zusammenhang der Lichtstrahlung mit dem Salzgehalt scheint es nicht zu geben. [9] Eine Rotfärbung kann durch fehlenden (verfügbaren) Stickstoff verstärkt werden. Als Ursache in Frage kommt auch osmotischer Stress. [14]
- Junge Queller sind zunächst immer grün. [13]
- Rotfärbung stammt von eine speziellen Pigment. [3]
- Der rote Farbstoff liegt vor allem in der Haut. [5]
- Licht führt zu chemischen Stress der Pflanzen [7]
- Lichtstress führt zu einer Verholzung. [8]
- Licht beeinflusst nicht den Salzgehalt. [9]
- Fehlender Stickstoff kann zur Rötung beitragen. [10]
- Osmotischer Stress kann zur Rötung beitragen. [14]
- Salzgehalt der Böden landwärts oft höher. [14]
- Nicht alle Quellerarten färben sich ähnlich rot. [11]
Die Rotfärbung spielt unter anderem für die Vermarktung von Queller eine wohl wichtige Rolle. [12] Queller werden zum Beispiel als Beilage zu Salat verkauft und gegessen. Von einem rot gefärbten Queller verspricht man sich höhere Verkaufszahlen. So entsteht die Frage, wie man Queller gezielt rot Färben könnte, ohne dass andere, ungewollte Eigenschaften der Pflanze, etwa eine Verholzung, mit gefördert werden.
Festigkeit
Wird eine Pflanze längere Zeit Lichtstress ausgesetzt, beginnt sie von unten nach oben hin zu Verholzen. Grund dafür ist die Bildung von Lignin. [8] Ein einfacher Versuch am Strand kann das sichtbar machen: Am 9. August 2026 wurde eine frisch grüne Quellerpflanze am Hauptstrand der Nordseeinsel Wangerooge angespült. Mit einem Küchenmesser an mehreren Stellen quer zur Wuchsrichtung durchgeschnitten konnte man die Verholzung bereits wahrnehmen: zu den spitzen hin bot die Pflanze dem Messer kaum mehr Widerstand als es auch Butter tun würde. Im unteren Bereich aber benötigte man viel Kraft, um den Stängel durchzuschneiden. Man fühlte sich an das Schneiden von verholztem Ingwer erinnert.
Rötungs-Ereignis Wangerooge, 2026
Seit etwa 2016 verbringe ich den Sommerurlaub auf Wangerooge. Im Jahr 2026 nahm ich zum ersten Mal rot verfärbte Quellerpflanzen wahr. Die Urlaubszeit lag immer im Juli und August 2026. Bestimmungsbüchern zufolge soll sich der Queller erst im Herbst rot verfärben. Vielleicht gab es auch in den Vorjahren schon in diesen Monaten schon rote Queller, aber sie sie waren meiner Aufmerksamkeit entgangen. Oder aber es gab 2026 tatsächlich zum ersten Mal eine so deutliche Rotverfärbung vieler Queller so früh im Jahr. Für letztere Deutung spricht, dass auch eine langjährige Mitarbeiterin des Nationalparkhauses mir bestätigte, dass auch ihr das aufgefallen war. Hier sind nun eine Beobachtungstatsachen rund um dieses "Quellerereignis" festgehalten.
- Das Phänomen wurde in den Quellerwiesen am östlichen Rand des Ostaußengrodens beobachtet (Anfang August 2026).
- Das Phänomen wurde in den Quellerwiesen am Süderheller, an der Einstiegsstelle der Surfer beobachtet (Anfang August 2026).
- Das Phänomen wurde auf dem Festland im Hafenbereich von Harlesiel beoabachtet (Ende Juli 2026)
- Es gab flächig größere (etwa bis zu einem Ar) Bereiche, an beiden Stellen, die gegenüber dem sonstigen Bewuchs deutlich rötlicher erschienen.
- Es gab an beiden Standorten ausgedehnte Bereiche ohne auffällige Rotfärbung des Quellers.
- Es gab einzelne Pflanzen, die fast ganz rot gefärbt waren.
- Es gab einzelne Pflanzen ohne jede Andeutung einer Rotfärbung.
- Es gab einzelne Pflanzen mit einigen dunkelroten Teilen.
- Es gab einzelne Pflanzen mit rosafarbenen Teilen.
- Es gab sehr junge Pflanzen, wenige Zentimeter hoch und ohne Verzweigung, die dunkelrot waren.
- Es schien so, dass eher die Pflanzen am Rand einer größeren Quellerflur von der Rotfärbung betroffenen waren als die Pflanzen weiter innen.
Fußnoten
- [1] [24] Jorge Groß; Hansjörg Küster; Manfred Thies; Klaus Wächter: Leben in Gezeiten: Die Nordseeküste entdecken. VerlagsKG Wolf, 2016. ISBN: 978-3-89432-435-3. Seite 25.
- [2] Viele Unterarten: "Die schwierig zu unterscheidenden Unterarten des Quellers werden oft vereinfacht als S. herbacea (L.) L. oder S. europaea L. zusammengefaßt, was umstritten ist". In: Lellau, Thomas Franz. Isolierung und Charakterisierung von sekundären Naturstoffen aus Halophyten. Dissertation, Universität Oldenburg, 2000. URL: https://oops.uni-oldenburg.de/329/1/359.pdf
- [3] Chemie der Rotfärbung: "In Japan […] wurde die Struktur des roten Farbstoffes aufgeklärt, der für die typische Verfärbung der Pflanzen im Herbst verantwortlich ist und ihr auch den Namen Roter Queller eintrug [H. Chiji: (1976) Studies on betalain pigments of centrospermae plants. With special reference to a violet red pigment in Salicornia europaea L.. Mem. Fac. Agric., Hokkaido Univ. 9(4) 303 – 372.]. Es handelt sich bei dem Salicornia-Pigment um ein Betalain (auch Betacyanin oder nitrogenes Anthocyanin)". In: Lellau, Thomas Franz. Isolierung und Charakterisierung von sekundären Naturstoffen aus Halophyten. Dissertation, Universität Oldenburg, 2000. URL: https://oops.uni-oldenburg.de/329/1/359.pdf
- [4] Licht, nicht der Salzgehalt, ist der Haupttreiber der Rotfärbung: "Light irradiation is the most important trigger for the biosynthesis of secondary metabolites [z. B. die Betalaine]. Accumulated studies on other Amaranthaceae plants have revealed that betacyanin synthesis is induced by exposure to high−intensity or long−term light treatments". Und: "Several studies in Amaranthaceae […] and Mesembryanthemum crystallinum L. […] have reported that betacyanin accumulation occurs in an extremely short period of one to ten days after light irradiation." In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [5] Die roten Farbstoffe bilden sich in der Außenhaut der Pflanzen: "The microscopic views of transverse sections revealed differing changes in the pigmentation of the epidermis and palisade parenchyma. As the light intensity increased, the colourless epidermis gradually turned red and became much brighter than in the treatments involving exposure to low light intensities."
- [6] Lichstress bildet die roten Farbstoffe: "light exposure just before harvesting effectively promotes the biosynthesis of stress−responsive secondary metabolites without reducing yield". In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [7] Zu viel Licht führt eindeutig zu einer chemischen Stressreaktion im Queller: "Excessive light energy causes photoinhibition and photooxidative damage […]. The regulation of pigment composition is an adaptive response that reduces damage […]. Betacyanin is synthesised under stress conditions to reduce the intensity of light reaching the chloroplast […] and scavenge reactive oxygen species […] to protect metabolism […]. Chlorophyll, a key pigment responsible for photosynthesis, is actively degraded under stressful conditions […] to reduce light absorption and redistribute nutrients to relieve harmful stress" In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [8] Lichtstress führt zu einer Verholzung: "[…] it is worth noting that undesirable lignification, namely the formation of secondary cell walls, is […] induced by light stress". In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [9] Die Intensität der Lichtbestrahlung hat keinen Einfluss auf den Salzgehalt der Pflanzen: "Na content in edible parts did not increase as the light intensity increased." In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [10] Auch fehlender Stickstoff kann zur Rötung beitragen: "[…] nitrogen deficiency could promote betacyanin synthesis in other Amaranthaceae plants". In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [11] Zur Rotfärbung des europäischen Quellers (Salicornia europaea): "Vor allem diese Form entwickelt zwischen Spätsommer und Herbst eine intensive Rotfärbung durch Betalaine - die gleichen Farbstoffe wie in der Roten Beete." In: Klaus Jahnke; Bruno P. Kremer: Düne Strand und Watt. Franckh-Kosmos Verlags-GmhH & Co. KG Stuttgart 2018. ISBN: 978-3-440-15406-9. Dort auf Seite 78.
- [12] Roter Queller als Nahrungsmittel: "Salicornia europaea, a green, salty and crunchy succulent vegetable, turns red during senescence because of betacyanin accumulation. However, eating the reddish S. europaea is challenging because of its stiff texture and excessive saltiness. In this study, we aimed to create a fresh, reddish edible S. europaea strain by promoting a rapid synthesis of betacyanin with light irradiation treatments and inhibiting lignification through early harvesting." In: Koshida, K., Kawagishi, K., & Ito, Y. (2026). Effects of light intensity on the betacyanin synthesis and lignification in Salicornia europaea L. The Journal of Horticultural Science and Biotechnology, 1–15. URL: https://doi.org/10.1080/14620316.2026.2636285
- [13] Alle Teile junger Quellerpflanzen sind zunächst grün, nicht alle werden rot: "All the aerial parts of every individual of every Salicornia plant are green initially. Axial vegetative parts of all plants lose their green chlorophyll colour sequen- tially, revealing yellow (xanthophyll) colouration as chlorophyll is degraded. Later, the peripheral succulent stem tissue collapses, until only brown wiry stems and branches remain at fruiting time. Both Yellow Glass- wort and green Long-spiked Glasswort (S. procumbens agg.) exhibit these changes, and their green embryos within the seeds are characteristically visible in the translucent, disintegrating spikes […]. There seems little ‘inclination’ to produce the red/purple pigment betacyanin in these two segregates". In: D. J. Hambler: Salicornia: photographs – a visual aid. BSBI (Botanical Society of the British Isles) News. April 2012 No. 120. Seite 28 ff.
- [14] Salzstress scheint auch einen Einfluss zu haben: "It was shown […] that the red pigment betacyanin (an osmolyte) was synthesised by Salicornia europaea (? agg.) as a result of, and maybe as an alleviator of, osmotic stress. Such stress increases landward. […] soil salinity on a marsh increased landward to a maximum at or just above mean high water (MHW)." In: D. J. Hambler: Salicornia: photographs – a visual aid. BSBI (Botanical Society of the British Isles) News. April 2012 No. 120. Seite 28 ff.
- [15] Kortarige zeekraal groeit als pionier en zoutbehoevende soort op open en zonnige, natte en voedselrijke, sterk zilte zand- en kleigrond. De eenjarige en vormrijke plant groeit buitendijks voornamelijk boven de gemiddelde-hoogwaterlijn in schorvegetatie [kkk]" In: René van Moorsel, Niko Buiten: Salicornia europaea subsp. europaea. Kortarige zeekraal. FLORON Verspreidingsatlas Vaatplanten. Abgerufen am 18. August 2026. Online: https://www.verspreidingsatlas.nl/1635
- [16] Schriftliche Aussage eines Mitarbeiters der "Schutzstation Wattenmeer" sowie als implizite Aussage in mehreren Fachveröffentlichungen.
- [17] "The seedlings of S. brachystachya were sometimes bright red, which colour could return at the end of the growing season; S. dolichostachya plants turned at the end of the growing season light green to yellow. The plants of S. brachystachya were in general of a darker green colour than the S. dolichostachya plants." Und: "The highest density of S. dolichostachya plants was reached at a level lower [im Bezug auf Hochwasserlinie oder auch den Amsterdamer Pegel] than that of S. brachystachya. This difference existed throughout the growing season." In: A. H. L. Huiskes 1 and P. F. M. Elenbaas: Cytotaxonomic status and morphological characterisation of Salicornia dolichostachya and Salicornia brachystachya. Acta Bot. Neerl. 34(3), August 1985, p. 271-282. Online: https://natuurtijdschriften.nl/pub/540563/ABN1985034003002.pdf