Algen-Killer-Versuch
Biologie
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Grundidee|
Algen auf Steinen|
Algen töten|
Die ph-minus-Lösung: Soda|
Die Wirkung von Soda|
Anleitung|
Die ph-plus-Lösung: Essigessenz|
Ist das erlaubt?|
Fußnoten
Grundidee
Auf Stein- oder Holzflächen außerhalb von einem Haus bildet sich oft ein grünlicher, rutschiger Belag. Das sind in der Regel Algen. Wenn Feuchtigkeit und viel Sonnenlicht zusammen kommen, gedeihen sie oft besonders gut. Da man auf dem Algenbelag leicht ausrutschen kann, macht es Sinn, den Belag zu entfernen. Neben mechanischen Mitteln wie Schrubben oder Kratzen oder einem Abflämmen kann man einige Haushaltsmittel verwenden. Doch wie gut funktionieren sie?
Algen auf Steinen
Algen nutzen die Steine als Haftgrund. Auf rauen Oberflächen wie Beton oder Naturstein finden sie in winzigen Poren und Rissen idealen Halt. Zum Wachsen benötigen sie nur Licht, Kohlendioxid und Feuchtigkeit. Da Steine Wasser speichern können [2] und oft Mineralien enthalten, bilden sie besonders an feuchten Stellen ein perfektes Mikroklima. Über die Zeit entsteht ein Biofilm, der nicht nur unschön aussieht, sondern durch die Speicherung von Feuchtigkeit sogar die Verwitterung des Steins beschleunigen kann. Und da der Grünbelag aus Algen bei Feuchtigkeit auch sehr rutschig ist, kann man leicht darauf ausrutuschen. Algenbeläge auf Gehflächen sind damit auch eine Unfallgefahr.
Algen töten
Algen sind einzellige Lebewesen aus dem Reich der Pflanzen. Wie alle Pflanzenzellen haben Algen eine Zellwand. Im Inneren der Zellwand befindet ein hoher Anteil an Flüssigkeit. Um Algenzellen zu töten, kann man verschiedene Mittel wählen. Hier sind einige Beispiele:
- Man zerstört die Zellwände indem man sie chemisch auflöst. Das können zum Beispiel alkalische Lösungen, also Lösungen mit einem hohen ph-Wert.
- Man bringt die Zellen zum Platzen: ist der Salzgehalt außerhalb der Zellen höhere als in ihrem Innerne, strömt durch den Prozess der sogenannten Osmose Wasser von außen ins Zellinnere. Der Effekt kann so stark sein, dass die Zellen bersten.
Die ph-minus-Lösung: Soda
Die Wirkung von Soda
Waschsoda (Natriumcarbonat, Na₂CO₃) wirkt als Algizid durch seinen alkalischen Charakter. Wenn Soda in Wasser gelöst wird, entsteht eine Lauge mit hohem pH-Wert.
- Zellzerstörung: Der hohe pH-Wert greift die Zellwände der Algen [3] an und zerstört die schützende Schleimschicht des Biofilms.
- Plasmolyse: Die hohe Salzkonzentration der Lösung entzieht den Algenzellen durch Osmose das Wasser, woraufhin die Zellen austrocknen und absterben.
Ein vorher trockener Boden ist aus folgendem Grund gut: sind die Ritzen und Risse in den Steinen vorher schon feucht oder nass, kann dort die Soda-Lösung nicht oder nicht gut eindringen. So entfaltet sie dort auch nicht ihre algentötende Wirkung. Ist der Boden aber sehr trocken, zieht die Soda-Lösung über die Kapillarwirkung sehr tief in die Ritzen und Risse ein und tötet die auch dort lebenden Algen wirkungsvoll ab.
Anleitung
- Vorbereitung: wähle einen trockenen Tag. Mischt etwa 20 bis 30 Gramm Waschsoda pro Liter warmem Wasser. Rührt so lange, bis sich alle Kristalle aufgelöst haben.
- Auftragen: kehre die Fläche trocken ab. Verteilt die Lösung großzügig mit einer Gießkanne oder einer Bürste auf den befallenen Steinen. Der Stein sollte die Flüssigkeit richtig „einsaugen“.
- Einwirken: Lasse das Ganze mindestens 24 Stunden einwirken. Die Algen verfärben sich in dieser Zeit meist braun oder grau – ein Zeichen, dass sie abgestorben sind.
- Reinigen: schrubbe die Fläche mit einem harten Besen oder einer Bürste ab.
- Nachspülen: spüle die Reste einfach mit klarem Wasser (Gartenschlauch) weg.
Die ph-plus-Lösung: Essigessenz
- Schütze dich:
- Ziehe Handschuhe und alte Kleidung an.
- Arbeite möglichst draußen oder in gut belüfteten Bereichen.
- Material:
- CH3COOH, ca. 25 % Säure 👉 Essigessenz
- Normales 👉 Leitungswasser
- Sprühflasche oder Eimer
- Bürste mit weichen Borsten
- Optional 👉 Schutzbrille
- Verdünnung:
- Mische 1 Teil Essigessenz mit 3–4 Teilen Wasser (z.B. 250 ml Essigessenz + 750–1000 ml Wasser).
- Niemals unverdünnt auf empfindliche Oberflächen auftragen!
- Auftragen:
- Sprühe oder gieße die Lösung gleichmäßig auf die Algenstellen.
- Lass die Lösung 10–15 Minuten einwirken.
- Reinigen:
- Schrubbe die Fläche vorsichtig mit der Bürste.
- Spüle anschließend gründlich mit klarem Wasser nach, um Essigreste zu entfernen.
- Sicherheit:
- Essigessenz ist stark ätzend in konzentrierter Form.
- Augenkontakt vermeiden. Bei Kontakt sofort mit viel Wasser spülen.
- Steinschonung
- Bei empfindlichen Natursteinen vorher an einer unauffälligen Stelle testen.
- Kalkhaltige Steine werden durch die Säure aufgelöst 👉 Kalknachweis (Essigessenz)
- Regelmäßig wiederholen, um Neubildung von Algen zu verhindern.
Ist das erlaubt?
In der Europäischen Union ist es grundsätzlich verboten, Pflanzenschutzmittel auf Gehwegen oder Terrassen einzusetzen. [1] Setzt man Essig, Essigessenz oder Lösungen mit Natron zum Abtöten von Unrkäutern ein, dann verwendet man sie als Pflanzenschutzmittel. Ist der Zweck jedoch ein anderer, so fallen sie wahrscheinlich nicht unter die Verordnung. Verwendet man die Mittel in kleinen Mengen im Sinne eines Versuchs, dürfte der Zweck Bildung plausibel und der Einsatz von zum Beispiel Essig, Essigessenz oder Natron erlaubt sein. Siehe mehr unter Pflanzenschutzmmittel (externer Link)
Fußnoten
- [1] Was ein Pflanzenschutzmittel im Sinne der Gesetzgebung ist, hängt nicht so sehr von der chemischen Beschaffenheit ab, vor allem wichtig ist, wozu man den Stoff verwendet. So können auch haushaltsüblicher Essig oder Natron schnell zu verbotenen Mitteln werden. Die Verordnungen der EU sind jedoch nicht einfach auszulegen. Siehe mehr dazu im Artikel über 👉 Pflanzenschutzmittel
- [2] Es ist verblüffend, wie viel Wasser in Steine eindringen kann. Siehe dazu den 👉 Ziegelstein-Wässerungs-Versuch
- [3] Natronlauge kann Zellwände auflösen: " During NaOH pretreatment, the feedstock fiber arrangement was altered and deconstructed due to the strength of the NaOH, which broke the covalent and hydrogen bonds that bind the feedstock." In: DM Madyira, et al.: Alkali Pretreatment of Lignocellulose Feedstock Improves Microstructural Arrangement. Sustainability 17, no. 2 (2025): 534, DOI:10.3390/su17020534, Online: https://www.mdpi.com/2071‑1050/17/2/534