Neuronal-organisationale Kommunikationsstruktur
Analogie
© 2016
- 2026
Basiswissen
Hierarchien [1] und Abteilungsstrukturen gelten heute vielfach als überholt. Flache Hierarchien gelten als das Ideal. Tatsächlich bilden sich in längerlebigen Unternehmen oft Hierarchien mit starren Kommunikationskanälen aus. Möglicherweise stellt das eine evolutionär vorteilhafte Struktur sowohl in Unternehmen als auch in biologischen Nervennetzen (kortikale Säule) dar.
Beispiel: Bergwerk?
Klassisch strukturierte Unternehmen bestehen oft aus Abteilungen, die intern oft hierarchisch aufgebaut sind. Stehen eine Unternehmenstentscheidung an, die mehrere Abteilungen betrifft, bilden sich oft wiederkehrende Kommunikationsmuster aus. Angenommen ein Rohstoffunternehmen will über die Aufnahme eines Berwgwerkbetriebes in einer politisch sehr instabilen Region entscheiden. Den potentiell hohen Profiten steht ein ebenfalls realistisches eines Totalverlustes der Investition gegenüber.
Viel abteilungsinterne Kommunikation
Das Rohstoffunternehmen kann nun verschiedene Abteilungen haben wie etwa zu den Themen: Lagerstättenbeurteilung, Abbautechnik, Aufbereitungstechnik, Recht, Lobbying und Public Relations. Innerhalb jeder dieser Abteilungen kann die Entscheidung zur operativen Expansion in eine politisch brisante Region intensiv diskutiert werden: was verspricht die Lagerstätte? Kann das Gestein zu erträglichen Kosten gelöst werden? Wie teuer wäre die Aufbereitung des Roherzes? Gibt es dafür ausreichend Energie und Wasser? Kann man die Investition rechtsverbindlich finanziell absichern (Versicherungen, Bürgschaften des Staates)? Gibt es gute Lobby-Verbindungen zu den Machthabern in der Region? Muss man Angst vor einer gewinngefährdenden Kampagne von Umweltschützern oder Menschenrechtlern haben? Zur Beantwortung jeder dieser Fragen kann ein enormer Aufwand stecken.
Informationsarbeit als Informationsreduktion
Hat jede Abteilung für sich ihre interne Informationsarbeitet abgeschlossen, oder soll diese im noch laufenden Prozess koordiniert werden, dann treffen sich oft nur ausgewählte Mitarbeiter jeder Abteilung zu einem Treffen. Große Datenbestände werden dann oft auf knappe Tischvorlagen reduziert. Die Reduzierung großer Informationsmengen auf kontextbezogene knappe Aussagen ist möglicherweise ein wesentlicher Teiler von Wissensarbeit. Siehe dazu auch 👉 neuronal-organisationales Axon
Typische Kommunikationsstruktur
Eine typische Kommunikationsstruktur in großen Organisationen zeigt viel interne Kommunikation innerhalb jeder Abteilung, mit scharfen dichten Grenzen zwischen den Abteilungen und dann gezielte, zeitlich synchronisierte (Meetings) Austauschprozesse über sehr dünne Informationskanäle (Chefs, Vertreter). Eine sehr ähnliches Muster zeigt sich auch im Zusammenhang mit den sogenannten kortikalen Säulen im menschichen Großhirn. Siehe auch 👉 neuronale Organisation
Fußnoten
- [1] In einem Artikel aus dem Jahr 2024 wird über die hierarische Struktur von Hive minds bestehend aus einzelnen KIs spekuliert: "If and when AI systems become conscious, they might be linked in the same kinds of ways that invertebrate minds are" und " it might even be possible for hive minds to be layered, with individual minds making up collective minds that, themselves, make up even larger collective minds." In: Roelofs, L., Sebo, J. Overlapping minds and the hedonic calculus. Philos Stud 181, 1487–1506 (2024). Siehe auch 👉 Hive mind