Nacktmull
Eusozialität
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Basiswissen|
Daten und Fakten zum Nacktmull [1]|
Körper und Verhalten|
Der Nacktmull als staatenbildendes Säugetier|
Was ist die Dawkins-Drossel?|
Fußnoten
Basiswissen
Nacktmulle (Heterocephalus glaber) sind unterirdisch lebende Nagetiere. Ihre Heimat ist das östliche Afrika südlich der Sahara. Nacktmulle sind neben dem Menschen die einzigen Säugetiere, die zu einer echten Staatenbildung im Sinne einer Eusozialität neigen. Diese Tiere und die Besonderheit ihrer Staatenbildung sind hier kurz vorgestellt.
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Daten und Fakten zum Nacktmull [1]
- Verwandt mit Nagetieren und Stachelschweinen
- Trockene Halbwüsten als Lebensraum
- Man findet sie z. B. in Äthiopien, Kenia, Tansania und 👉 Somalia
- Je 100 bis 300 Tiere bilden eine unterirdische 👉 Kolonie
- Wurzeln dienen als Nahrung.
- Paarungen: etwa 4 bis 5 mal pro Jahr
- Etwa 70 bis 90 Tage Tragzeit
- Bis über 25 Tiere pro Wurf einer Mutter
- Geschlechtsreife mit 7 bis 8 👉 Monate[n]
- Etwa 23 bis 28 Jahre 👉 Lebenserwartung
Körper und Verhalten
Anatomie
Atmung
Körpertemperatur
Nahrung
Stallgeruch
Schmerzunempfindlichkeit
Lebenserwartung
Arbeitsteilung
Der Nacktmull als staatenbildendes Säugetier
Echte Staaten im Sinne der Biologie bilden vor allem Insekten. Das einzige staatenbildende Säugetier - neben dem Mensch - ist der Nacktmull. Man spricht auch von Eusozialität. In einer Kolonie gibt es nur ein einziges Weibchen, das sich mit Männchen fortpflanzt. Diese Königin verändert ihren Organismus so, dass sie mehr Jungtiere pro Zeit "produzieren" kann. Sie wird zum Beispiel länger, wobei sich auch der Knochenbau ändert.
Durch Aggression gegenüber anderen Weibchen werden diese derart gestresst, dass sie vorübergehend unfruchtbar werden, ihr Eisprung bleibt aus.
Merksatz:
1.0: Nacktmulle leben ähnlich wie manche Insekten ein eusozial und zeigen dabei einen reproduktiven Altruismus.
1.0: Nacktmulle leben ähnlich wie manche Insekten ein eusozial und zeigen dabei einen reproduktiven Altruismus.
Den Verzicht auf die eigene Fortpflanzung nennt man reproduktiven Altruismus. [6] Stirbt die Königin, passieren dann zwei Dinge: die Männchen wandern ab und suchen sich eine neue Kolonie. Dadurch wird Inzucht vermieden. Und zum zweiten werden die verbleibenden Weibchen wieder fruchtbar und streiten nun um den Rang der Königin. Diese enge Kanalisierung der Fortpflanzung ist ein wesentliches Merkmal für eine sogenannte 👉 Eusozialität
Was ist die Dawkins-Drossel?
Der englische Zoologe Richard Dawkins (geboren 1941 in Nairobi) betonte eine interessante Parallelität zwischen den Zellen eines Organismus und den Mitgliedern eines Tierstaates: bei beiden Pflanzen sich nur sehr wenige Individuen, auf keinen Fall aber die große Mehrzahl selbst als neuer Organismus fort. In der Biologie spricht man von der sogenannten Keimbahn.
Merksatz:
2.0: Der reproduktive Altruismus unterbindet den sogenannten Genegoismus.
2.0: Der reproduktive Altruismus unterbindet den sogenannten Genegoismus.
Bei Menschen pflanze sich die Aberbillionen Zellen nur durch Samen- und Eizelle fort. Bei Nacktmullstaaten pflanzen sich alle Individuen nur durch die gemeinsame Königin fort. Dawkins zufolge schaltet dieser Mechanismus den Zwang zum Genegoismus aus und ermöglicht einen echten Altruismus unter den beteiligten Individuen. Siehe mehr zu diesem Gedanken im Artikel zur 👉 Dawkins-Drossel
Fußnoten
- [1] Erklärungstafel zum Nacktmull im Frankfurter Zoo, 14. April 2023.
- [2] Richard Dawkins: 1976: Das egoistische Gen. Spektrum, Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin/Oxford, 1994. Originaltitel: The Selfish Gene. ISBN 3-86025-213-5. In der deutschen Ausgabe das Kapitel: Die große Reichweite der Gene. Seite 405.
- [3] Zur Eusozialität von Nacktmullen: Anderson, M. The evolution of eusociality. Annual Review of Ecology, Evolution and Systematics 15, 165–189 (1984).
- [4] Zur Eusozialität von Nacktmullen: Ciszek, D. New colony formation in the "highly inbred" eusocial naked mole-rat: outbreeding is preferred. Behavioral Ecology 11, 1–6 (2000).
- [5] Zur Eusozialität von Nacktmullen: Jacobs, D. & Jarvis, J.: No evidence for the work-conflict hypothesis in the eusocial naked mole-rat (Heterocephalus glaber). Behavioral Ecology and Sociobiology 39, 401–409 (1996). Siehe auch 👉 Eusozialität
- [6] Zum reproduktiven Altruismus von Nacktmullen (mole rats): "The great majority of mole rats never reproduce or even try to, sacrificing their reproductive potential to a higher good: helping the colony to survive in a very challenging environment - an act that behaviorists call reproductive altruism." In: Jane E. Brody: The Strange Dark World of the Naked Mole Rat. New York Times. April 12th, 1994. Siehe auch 👉 reproduktiver Altruismus
- [7] "We report evidence that wild colonies of naked mole-rats invade neighbouring colonies and thus expand their territories. Furthermore, as has been observed in laboratory colonies, invading colonies may kidnap un-weaned pups which can subsequently be incorporated into the workforce. This is convergent with the slave-making ants and suggests that intergroup aggression between naked mole-rat colonies may be a strong selective pressure for group living and extreme colony size." In: Braude, S., Hess, J. and Ingram, C. (2021), Inter-colony invasion between wild naked mole-rat colonies. J Zool, 313: 37-42. Online: https://doi.org/10.1111/jzo.12834