Roger Bacon
Scholastiker
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Basiswissen
Vordenker der experimentellen Naturwissenschaft: Roger Bacon lebte von 1214 bis 1294. Er lehrte an den Universitäten Paris und Oxford. Da seine Tätigkeit der Kirche verdächtig erschien, musste er eine zeitlang in Klosterhaft leben. Bacon betonte die Bedeutung der Empirie, also der Überprüfung von Aussagen am Versuch oder der Naturbetrachtung.
Erfinder der Brille, Optik
Roger Bacon gilt als Erfinder der Brille. Seine optischen Betrachtungen griffen umfangreich auf die Erkenntnisse des arabischen Gelehrten Alhazen zurück. [1] Das Wort Brille ist etymologisch verwandt mit dem Namen des Minerals Beryll. Im Rahmen seiner optischen Betrachtungen beschäftigte sich Bacon auch mit der sogenannten Camera obscura, einem abgedunkelten Raum in dessem Inneren ein Abbild der Außenwelt erscheint. Zur Zeit Bacons nutzte man eine Camera obscura im Wesentlichen nur, um die Sonne gefahrlos betrachten zu können. Bemerkenswert ist, dass eine Camera obscura einen runden Lichtfleck erzeugt, auch wenn die Öffnung in dem Zimmer eckig ist. Bacon begründete das damit, dass Licht möglicherweise eine runde Welle sei. Diese Intuition nahm das Wellenbild von Licht um gut 400 Jahre vorweg!
Die langfristige Wirkung Bacons
Bacon entwickelte seine Gedanken im Umfeld einer Denkströmung, die man heute als Scholastik bezeichnet. Die Scholastik versuchte die strenge Logik mit der christlichen Lehre zu einem in sich stimmigen Gedankengebäude zu verbinden. Als Wahrheitskriterium galten Zitate anerkannter Autoritäten (z. B. Augustinus, Aristoteles), die Bibel und daraus abgeleitete logische Schlüsse. Die Beobachtung der Natur im heutigen Sinn der Naturwissenschaften wurde bereits von dem arabischen Denker Alhazen klar gefordert und von Scholastiker wie Bacon erneut aufgegriffen. Nicht mehr nur Autoritäten und Logik sondern auch Naturbeobachtungen sind eine Quelle von Erkenntnis. Dieses Denken setzte sich in der Zeit nach Bacon immer mehr durch. Man spricht heute vom sogenannten Empirismus. Siehe dazu 👉 Roger Bacon (Zitate)
Fußnoten
- [1] Klaus Bergdolt: Der Sehvorhang als theologisches Analogon: Augenanatomie und -physiologie bei Roger Bacon. In: Sudhoffs Archiv. Band 75, 1991, S. 1–20. Siehe auch 👉 Brille
- [2] "Bacon noted that the opening through which the light rays passed did not need to be circular. This phenomenon was the basis of his theory, astonishing in its intuition, that light propagated by means of spherical waves. If the image projected through a square aperture was circular, it was simply because the light had resumed its natural spherical shape." In: Laurent Mannoni: The Great Art of Light and Shadow: Archaeology of the Cinema. University of Exeter Press, 2000. Dort auf Seite 5. Siehe auch 👉 Camera obscura