Potentia
Physik
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Grundidee
Das lateinische Wort Potentia bezeichnet zunächst ein Vermögen [1], im philosophischen Sinn eine Möglichkeit [2]. In der mittelalterlichen Philosophie Westeuropas, der Scholastik, steht Potentia im Zusammenhang mit der Aristotelischen Physik rund um Begriffe wie Entelechie [12], Energeia [13] und Dynamis [14]. In dem Begriffspaar Akt/Potenz (energeia/dynamis) lässt sich jede Veränderung beschreiben als eine „Überführung von der Potenz in den Akt: etwas gelangt von dem Vermögen, zu sein (zu tun, zu leiden etc.), in die Wirklichkeit, zu sein (zu tun, zu leiden etc.)“. [4] [15] Quantenphysikalische Zustände, etwa ausgedrückt durch Zustandsvektoren [5], werden von manchen Autoren als Ausdruck solcher aristotelischer Potentia gedeutet. [6] Dieser letzte Aspekt steht im Mittelpunkt des Artikels hier.
Einführung
Potentia, Latein für das Altgriechische Dynamis [14] ist heute eng mit der Philosophie des Aristoteles und seiner Deutungen durch die mittelalterliche Scholastik verbunden. Potentia steht dabei für Entwicklungsmöglichkeiten, die in einer Sache angelegt sind. So ist im Holz als Materie die Potentialität einer Truhe angelegt, im Kupfer die Potentialität einer Statue.
Die Idee der Potentia geht auf Aristoteles zurück. In der Sprache seiner mittelalterlichen Intrpreten kann das Konzept recht passend auf die Beschreibungsweise der modernen Quantenphysik übertragen werden.
In der aristotelisch geprägten Philosophie unterscheidet man ein wirklich Seiendes (actus ens) und ein potentiell Seiendes (ens in potentia). Diese Unterscheidung von bloßen Möglichkeiten einerseits und verwirklichten Möglichkeiten andererseits erinnert an das Wechselspiel zwischen Quantenzuständen als bloßer Wahrscheinlichkeitsverteilung von Entwicklungsmögichkeiten und "kollabierten" Zuständen als tatsächlich wahrnehmbaren (wirklichen) Phänomenen. [5]
Während aber die aristotelische Physik und die Weltentwürfe mittelalterlich-christlichen Scholastiker immer auch einen Sinn, einen Zweck, ein Telos mit in die Welt legten, fehlt der modernen Physik dieser Aspekt völlig. In der aristotelischen Weltsicht schwingt mindestens zwischen den Zeilen immer auch ein WOZU oder DAZU mit. Aus der modernen Physik (und auch der Evolutionsbiologie) hatte man seit etwa dem 17. Jahrhundert jede Zielgerichtetheit der Prozesse verbannt und begnügt sich dem bloßen WARUM und WIE. Doch seit Mitte des 20. Jahrhunderts versuchen einige Physiker [5] [6], die aristotelische Sicht für die weitere Entwicklung der Quantenphysik fruchtbar zu machen.
Definitionen
DEFINITION:
Thomas von Aquin, 13. Jh.: "Dasjenige, was sein kann, wird als in Potenz seiend bezeichnet; dasjenige, was bereits ist, wird als in Wirklichkeit seiend bezeichnet." [8]
Thomas von Aquin, 13. Jh.: "Dasjenige, was sein kann, wird als in Potenz seiend bezeichnet; dasjenige, was bereits ist, wird als in Wirklichkeit seiend bezeichnet." [8]
DEFINITION:
Thomas von Aquin, 13. Jh.: "[Das aktive Vermögen] ist ein Prinzip der Veränderung in einem anderen, insofern dieses ein anderes ist." [9]
Thomas von Aquin, 13. Jh.: "[Das aktive Vermögen] ist ein Prinzip der Veränderung in einem anderen, insofern dieses ein anderes ist." [9]
DEFINITION:
Lexikon, 1907: "Die Begriffe actus und potentia wurden von den Scholastikern verwendet, um Aristoteles’ energeia oder entelecheia sowie dynamis zu übersetzen. Im Englischen gibt es kein einzelnes Wort, das diese Begriffe exakt wiedergibt. Actus kann je nach Kontext mit Handlung, Wirksamkeit, Aktualität, Vollkommenheit oder Bestimmung wiedergegeben werden; potentia mit Vermögen, Möglichkeit, Kraft oder Fähigkeit. Allgemein gesagt, bezeichnet potentia eine Anlage oder Fähigkeit zur Veränderung, zum Handeln oder zum Erleiden, zum Geben oder Empfangen einer neuen Bestimmung. Actus hingegen meint die Erfüllung oder Verwirklichung einer solchen Fähigkeit. Daher verweist potentia immer auf etwas Zukünftiges, das gegenwärtig nur als Keim oder Anlage existiert, während actus die entsprechende vollendete Realität bezeichnet." [3]
Lexikon, 1907: "Die Begriffe actus und potentia wurden von den Scholastikern verwendet, um Aristoteles’ energeia oder entelecheia sowie dynamis zu übersetzen. Im Englischen gibt es kein einzelnes Wort, das diese Begriffe exakt wiedergibt. Actus kann je nach Kontext mit Handlung, Wirksamkeit, Aktualität, Vollkommenheit oder Bestimmung wiedergegeben werden; potentia mit Vermögen, Möglichkeit, Kraft oder Fähigkeit. Allgemein gesagt, bezeichnet potentia eine Anlage oder Fähigkeit zur Veränderung, zum Handeln oder zum Erleiden, zum Geben oder Empfangen einer neuen Bestimmung. Actus hingegen meint die Erfüllung oder Verwirklichung einer solchen Fähigkeit. Daher verweist potentia immer auf etwas Zukünftiges, das gegenwärtig nur als Keim oder Anlage existiert, während actus die entsprechende vollendete Realität bezeichnet." [3]
Zitate
ZITAT:
Thomas von Aquin: "Die Erde kann nicht als potentiell eine Truhe bezeichnet werden … Denn die Truhe ist weder Erde noch irden, sondern hölzern. Das Holz aber ist potentiell eine Truhe und die Materie der Truhe." [11]
Thomas von Aquin: "Die Erde kann nicht als potentiell eine Truhe bezeichnet werden … Denn die Truhe ist weder Erde noch irden, sondern hölzern. Das Holz aber ist potentiell eine Truhe und die Materie der Truhe." [11]
ZITAT:
Ernst Bloch: "[D]ie Materie ist so zu definieren: Sie ist nicht der mechanische Klotz, sondern – gemäß dem implizierten Sinn der Aristotelischen Materie-Definition – sowohl das Nach-Möglichkeit-Seiende (kata to dynaton), also das, was das jeweils geschichtlich Erscheinenkönnende bedingungsmäßig, historischmaterialistisch bestimmt, wie das In-Möglichkeit-Seiende (Sein) (dynamei on), also das Korrelat des objektiv-real-Möglichen oder rein seinshaft: das Möglichkeits-Substrat des dialektischen Prozesses. […] Die Materie ist bewegt, indem sie in ihrem zu sich offen Möglichen ein ebenso unausgetragenes Sein ist, und sie ist nicht passiv wie Wachs, sondern bewegt sich selber formend, ausformend." [7]
Ernst Bloch: "[D]ie Materie ist so zu definieren: Sie ist nicht der mechanische Klotz, sondern – gemäß dem implizierten Sinn der Aristotelischen Materie-Definition – sowohl das Nach-Möglichkeit-Seiende (kata to dynaton), also das, was das jeweils geschichtlich Erscheinenkönnende bedingungsmäßig, historischmaterialistisch bestimmt, wie das In-Möglichkeit-Seiende (Sein) (dynamei on), also das Korrelat des objektiv-real-Möglichen oder rein seinshaft: das Möglichkeits-Substrat des dialektischen Prozesses. […] Die Materie ist bewegt, indem sie in ihrem zu sich offen Möglichen ein ebenso unausgetragenes Sein ist, und sie ist nicht passiv wie Wachs, sondern bewegt sich selber formend, ausformend." [7]
ZITAT:
Robert C. Koons: "Ich entwickele eine neue Version der Kopenhagener Deutung [der Quantenphysik], eine Version, die realistisch, holistisch und holymorph in ihrem Wesen ist. Das erlaubt menschlichen Beobachtern und ihren Instrumenten eine kausale Einflussnahme." [6]
Robert C. Koons: "Ich entwickele eine neue Version der Kopenhagener Deutung [der Quantenphysik], eine Version, die realistisch, holistisch und holymorph in ihrem Wesen ist. Das erlaubt menschlichen Beobachtern und ihren Instrumenten eine kausale Einflussnahme." [6]
Das Problem der Geringfügigkeit
Die Potentia ist also der Möglichkeitsraum, in den hinein sich die Welt in einem ihrer nächsten Schritte entwickeln kann. Das wirft die Frage auf, wozu überhaupt der Raum der Möglichkeiten begrenzt sein soll. Warum verändert sich die Welt nicht in großen Sprüngen sondern eher in kleinen Geringfügigkeiten? Die moderne Physik setzt einem Kugel aus Stahl recht enge Grenzen, wie sie sich von einer Sekunde zur nächsten in Lage, Form, Beschaffenheit oder sonstwie verändern kann. Kennt man den jetzigen Zustand der Kugel recht genau, so kann die Physik auch recht genau sagen, in welchem Zustand die Kugel kurz darauf ist.
Erst auf mikroskopischer Ebene, vielleicht bei den sogenannten Quantenobjekten, zwängt sich die Idee von offenen Möglichkeitsräumen unabweisbar auf. Die meisten Physiker sind sich mehr oder minder einig, dass die Naturgesetze für die Veränderung von Zuständen von Elektronen in einem Atom letztendlich Wahrscheinlichkeitsgesetze sind. Sie ordnen jedem möglichen Zustand eine Wahrscheinlichkeit zu, mehr nicht. Zwar hat auch eine große Stahlkugel eine Restwahrscheinlichkeit, ohne äußeren Anstoß plötzlich in die Höhe zu springen. Aber diese Wahrscheinlichkeit ist so klein, dass man sie für alle praktischen Erwägungen vernachlässigen kann. Die größten Wahrscheinlichkeiten ergeben letzten Endes, dass sich die Welt in vielen Bereichen mehr oder minder gesetzmäßig und damit auf eine festgelegte Weise verändert. Aber warum und wozu?
Eine mögliche Antwort auf das Problem der Geringfügigkeit ist die Idee einer sorgfältig aufeinander abgestimmten Beeinflussbarkeit der Welt durch verschiedene in ihr wirkende Willen einerseits und einem Mindestmaß an Verständlichkeit und Vorhersagbarkeit dieser Abläufe andererseits. Stellt man sich die von uns bewohnte Welt bildhaft als eine von mehreren Spielern geteilte Spielewelt vor, dann macht die Abstimmung Sinn. Das Spiel würde schnell sinnlos, wenn jeder einzelne Spieler jederzeit die Möglichkeit hätte, schrankenlose Veränderungen an der gemeinsamen Spielewelt vorzunehmen. Berge können nach Belieben versetzt werden, Mitspieler können einfach "weggeklickt" werden, die Geschwindigkeit von Flugzeugen kann ganz frei gewählt werden. Wenn ein Spieler solche Allmachten umsetzt, wäre die Welt für die anderen Spieler schnell nur noch ein unverständliches Chaos. Je weiter aber die Einflussnahme einzelner Spieler begrenzt ist, desto vorausberechenbarer, beständiger (persistenter) und zuverlässiger wird die Welt dann für die anderen Spieler. Die maximale Zuverlässigkeit ist dann erreicht, wenn kein Spieler mehr frei eingreifen kann. Für eine gemeinsame gestaltete Mehrbenutzerwelt liegt der maximale Sinn also irgendwo als Optimum zwischen keiner und maximaler Einflussnahme. Eine Möglichkeit, solch einen Kompromiss technisch umzusetzen könnte das Konzept einer Potentia sein. Dieser Gedanke ist weiter ausgearbeitet im Artikel 👉 kollaborative Physik
Fußnoten
- [1] Potentia als Vermögen: "potentia, ae, f. (potens), das Vermögen, die Kraft, Kräfte, I) die physische: 1) eig.: a) im allg.: solis, Verg.: morbi, Ov.: formae, Ov. – b) insbes., die Sehkraft, Cels. 7, 7, 14. – 2) übtr., die Kraft, Wirksamkeit, herbarum, Ov.: aquarum, Plin. – II) prägn., die geistige u. polit. Kraft, A) die geistige Kraft, das geistige Vermögen, vir supra humanam potentiam magnitudine animi praeditus, Iustin. 12, 16, 1. – B) die polit. Macht, Gewalt im Staate usw., a) der Einfluß, das Ansehen, Cic., Caes. u. Sall.: erant in magna potentia, Cic.: nulla potentia longa, Ov. – Plur., opum nimiarum potentiae, Cic.: opes, potentiae, honores, Lact. – b) die Oberherrschaft, Obergewalt, victoris, Übermacht, Cic.: rerum, Oberherrschaft, Cic.: singularis, Alleinherrschaft, Monarchie, Nep." In: Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Hannover 81918 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 2, Sp. 1812.
- [2] Potentia als Möglichkeit, im Gegensatz zum Akt: "Act (actus): einzelne Tätigkeit, Handlung, Wirksamkeit. Das scholastische »actus« ist die Übersetzung der energeia (s. d.) des ARISTOTELES (im Gegensatz zu »potentia«) und bedeutet Wirklichkeit, Wirklichsein, Verwirklichung, Vollendung einer Möglichkeit (»potentiae perfectio«). »Actus primus« ist die Wirklichkeit, durch »actus secundus« die Tätigkeit (das operari) des wirklich[10] Gewordenen bezeichnet. Der Gegensatz von esse »actu« und esse »potentia« schon bei BOËTHIUS (Isag. Porph. p. 37, 49)." In: der Artikel "Act". Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 10-11. Online: http://www.zeno.org/nid/20001778625
- [3] Die Übersetzung ins Deutsche stammt von mir. Das Original von 1907: "The terms actus and potentia were used by the scholastics to translate Aristotle's energeia or entelecheia, and dynamis. There is no single word in English that would be an exact rendering of either. Act, action, actuality, perfection, determination express the various meanings of actus; potency, potentiality, power, capacity, those of potentia. In general, potentia means an aptitude to change, to act or to be acted upon, to give or to receive some new determination. Actus means the fulfilment of such a capacity. So, potentia always refers to something future, which at present exists only as a germ to be evolved; actus denotes the corresponding complete reality." In: Dubray, C. (1907). Actus et Potentia. In The Catholic Encyclopedia. New York: Robert Appleton Company. http://www.newadvent.org/cathen/01124a.htm
- [4] Metzler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Dort der Artikel "Actus/Potentia" auf Seite 8.
- [5] Im Sinne eine aristotelischen Potentia könnten zum Beispiel die Zustandsvektoren der Quantenphysik gedeutet werden: "The notion of potentiality has played a major role within the history of quantum physics. Its explicit introduction within the theory goes back to the late 1950’ when several authors discussed —independently— the possibility to understand Quantum Mechanics (QM), in close analogy to the Aristotelian hylomorphic metaphysical scheme, through the consideration of a potential realm —different to that of actuality." Und: "The elements of the basis, |αᵢ⟩, are interpreted in terms of powers. The coordinates of the elements of the basis in square modulus, |cᵢ⟩², are interpreted as the potentia of the power |αᵢ⟩, respectively. Given the PSA [Potential State of Affairs] and the context, the quantum situation, QS_Ψ,B, is univocally determined in terms of a set of powers and their respective potentia." In: Christian de Ronde — Immanent Powers versus Causal Powers (Propensities, Latencies and Dispositions) in Quantum Mechanics (2017)
- [6] Die Quantenphysik beschreibt einen Formalismus, der im Wesentlichen die kausale Einflussnahme von Menschen auf die Welt als Möglichkeit beschreibt. Der Philosoph Robert C. Koons versucht aristotelisches und thomistisches Denken mit der Quantenphysik zu verbinden: "I develop a new version of the Copenhagen interpretation, a version that is realist, holistic, and hylomorphic in character, allowing for the attribution of fundamental causal powers to human observers and their instruments". Und speziell zu den Zustandsvektoren: "Quantum mechanics assigns to particles vectors in a state space, with projections of the vectors on various properties corresponding (via Born’s rule) with the probability of our observing the particle’s exhibiting the property in question. From the perennial perspective, the quantum representation is a representation of a certain active power of the whole substance—power to manifest a particulate part with certain features in interactions with other substances (in this case, the experimenters and their instruments)." In: Koons, R.C. Powers ontology and the quantum revolution. Euro Jnl Phil Sci 11, 14 (2021). Online: https://doi.org/10.1007/s13194-020-00314-9
- [7] Ernst Bloch, Tübinger Einleitung in die Philosophie, Gesamtausgabe, Bd. 13, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 233 f.
- [8] "Illud quod potest esse dicitur esse potentia; illud quod iam est, dicitur esse actu." In: Thomas von Aquin: De principiis naturae, cap. 1.
- [9] "[Potentia activa] est principium transmutationis in alio inquantum est aliud." In: Thomas von Aquin: Sententia libri Metaphysicae, lib. IX, lect. 1, n. 9.
- [10] Bronze ist die Potenz einer Statue: "Est enim aes potentia statua". In: Thomas von Aquin: In Octo Libros Physicorum Aristotelis Expositio. Online: https://aquinas.cc/la/en/~Phys
- [11] Das Beispiel mit der Truhe im Original: "Ut terra, quae non potest dici potentia arca … Arca enim neque est terra, neque terrea, sed lignea. Lignum enim est in potentia arca et materia arcae." In: Corpus Thomisticum: Sententia libri Metaphysicae, Buch IX. Online: https://www.corpusthomisticum.org/cmp09.html
- [12] Entelechie steht für verwirklichte Potentiale, oft teleologisch gesehen, also auf ein Ziel hin ausgerichtet. Siehe auch 👉 Entelechie
- [13] Energeia ist in der Vorstellungswelt von Aristoteles die Arbeit, die aus einer Dynamis (Latein: Potentia) eine Entelechie macht: "'Daher ist der Name Wirklichkeit (energeia) von Werk (ergon) abgeleitet und zielt hin auf Vollendung (entelechaia).' Genaugenommen bedeutet Energeia Tätigkeit oder Verwirklichung während entelechaia die resultierende Wirklichkeit oder Vollendung meint." Aristoteles habe aber die beiden Ausdrücke auch Synonym verwendet. In: der Artikel "Energeia". Metzler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Dort auf Seite 133.
- [14] Schon vor Aristoteles habe auch Platon den Begriff der Dynamis verwendet, nicht aber als genau definierten Terminus technicus. Das sei erst bei Aristoteles der Fall. Dynamis heißt im Altgriechische zunächst erst einmal nur "Kraft, Macht, Fähigkeit, Möglichkeit, Vermögen, Potentialität". Dynamist ist "sowohl die Fähigkeit, etwas zu tun, wie die, etwas zu erleiden". In Met 5, 12 defiere Aristoteles Dynamis als das "Prinzip der Bewegung oder Veränderung in einem anderen". In Met9, 6 habe er dann Dynamis als "Potentialität" herausgearbeitet, nämlich als die "Fähigkeit in einen neuen Zustand überzugehen". In: der Artikel "Dynamis". Metzler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Dort auf Seite 121.
- [15] Der Mathematiker und Physiker Roger Penrose beschrieb diese Dualität von Möglichkeit und verwirklichter Möglichkeit mit dem Begriffspaar Prozess U (die Möglichkeiten) und Prozess R (Reduzierung des Quantenzustandes). Siehe auch 👉 Prozess U