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Panorama

Rundumblick

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Definition


Das aus Worten des Altgriechischen [1] neu geschaffene Wort Panorama bezeichnete ursprünglich, seit 1789, ein großes Rundgemälde: auf der Innenseite eines Zylindermantels mit mehreren Metern Durchmesser wurde ein großes detailgenaues Bild, etwa einer Landschaft oder einer Stadt gemalt. Besucher konnten gegen Eintritt so einen lebensechten Eindruck einer fernen Gegend bekommen. Später erweiterte das Wort seine Bedeutung. Heute bedeutet es so viel wie ein ungestörter Rundumblick bis hin zu 360° oder eine entsprechende Abbildung.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Im frühen 19. Jahrhundert wurde riesige zylindrische Rundgebäude, sogenannte Rotunden, mit Durchmessern von bis zu 40 Metern gebaut. Auf der Innenseite zeigten riesige 360°-Bilder historische Ereignisse, fremde Städte oder Landschaften. Solche Panoramen waren damals ein starker Publikumsmagnet. © Jean Joseph Olivier, Jacques-Ignace Hittorff Robert Mitchell Unbekannt ☛


Das Panorama als Schau


Urheberschaft

Das Panorama als 360°-Rundumbild wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfunden. Als Urheber werden wahlweise der Danziger Georg Kaspar Nagler (1766 bis 1831) [5] [9] [10] oder der Ire Robert Barker (1736 bis 1806) genannt. Barker sicherte sich die Urheberschaft mit einem Patent aus dem Jahr 1787 und gilt heute auch als Schöpfer des Wortes Panorama. Spätestens im Jahr 1792 waren die Panoramen Bakers in Edinburgh und London wirksame Publikumsmagnete.

Größe

Für die Rundumbilder wurden eigens hergestellte Rundgebäude, sogenannte Rotunden, errichtet. Übliche Durchmesser lagen später bei 30 bis 40 Metern. [7] [11] Schon die unbemalte Leinwand wog schnell bis über 1000 Kilogramm. [11]

Publikumswirkung


ZITAT:

Brockhaus, 1811: Ein Panorama ist "ein ungeheuer großes, in einem besonders dazu erbauten zirkelförmigen Gebäude aufgestelltes Gemälde, von irgend einer Gegend, Stadt etc. welches nach der Perspective und so täuschend aufgenommen ist, daß der Zuschauer, welcher auf einem gewissen Standpunkte dieses Ganze übersieht, dadurch sich an den Ort, oder in die Gegend selbst versetzt glaubt." [3]


Lichteffekte

Bemerkenswert ist, dass fast alle historischen Quellen aus dem 19. Jahrhundert, der Blütezeit der Panoramen, die gezielte Herbeiführung von Lichteffekten erwähnen. Das Spiel von Dunkel und Hell sei wesentlich für die täuschend echte Illusion fremder Gegenden und Orte.


ZITAT:




Als Vorteilhaft für die verzaubernde Wirkung des Lichts werden verschiedene Faktoren genannt. Alle Quellen erwähnen übereinstimmend, dass das Licht von oben [4], und zwar nur von oben [5] kommen muss und idealerweise natürliche Sonnenlicht ist [6], aber kein direktes solches Licht [7]. Der Besucher selbst steht in einem temperierten [6], das heißt abgedunkelten [7] Bereich. Die Wirkung wird noch einmal gesteigert, wenn der Zugang zum Raum selbst möglichst dunkel ist [7], etwa als Tunnelbahn [8].

Eine weitere Entrückung vom Alltag sollten auch Geräuscheffekte und Musik herbeiführen. [8] Zusammenfassend kann man sagen, dass es vor allem eine von oben kommende, indirekte und natürliche Beleuchtung der Gemälde ist, die wesentlich zur Illusion von Wirklichkeit beitragen.

Buchempfehlung


Eine ausführliche und lebendig geschriebene kurze Geschichte von Panoramen aus der Zeit von der Französischen Revolution bis knapp zum Jahr 1840 findet man in dem Buch:

  • Laurent Mannoni: Le Grand Art de la Lumière et de l'Ombre (1995).
  • Aus dem Französischen ins Englische übersetzt von Richard Crange.
  • The Great Art of Light and Shadow. Archeology of the Cinema.
  • Englische Version: University of Exter Press, Devon (UK), 2000.

Die Panoramen Westeuropas sind in einem eigenen Kapitel mit dem Titel "From Panorama to Daguerreotype" beschrieben. Das Buch gibt zunächst wertvolle Hinweise, wie die optischen Effekte durch die Wahl und das Arrangement der Lichtquellen, gesteigert wurden. Es zeigt eindrucksvoll, welch ein großer finanzieller Aufwand hinter den oft gigantischen Installationen steckte. Der Bau der Rundgebäude, die Leinwände und Farben kosteten oft weit mehr, als eine Person alleine aufbringen konnte. Das Buch erzählt aber auch lebendig die Geschichten der treibenden Personen. Ein durchgängiges Motiv sind Streitigkeiten über die Urheberschaft und Patentrechte. Daguerre, so wird erzählt, hatte in Paris geschäftlich sehr erfolgreich eine Weiterentwicklung des Panoramas hin zu einem Diorama betrieben. In einem eigens errichteten Gebäude konnten bis zu 350 Besucher gleichzeitig, auf einem Drehteller sitzend, verschiedene Riesenbilder mit beeindruckenden Lichteffekten (z. B. die Kathedrale von Canterbury) betrachten. Ein Brand vernichtete nicht nur das Gebäude sondern auch viele der von Daguerre gemalten Bilder. Daguerre und seine Firma waren bankrott.

Fußnoten


  • [1] Das Wort „Panorama“ ist aus Wörtern des Altgriechischen zusammen gesetzt: πᾶν (pan = alles) + ὅραμα (horama = Anblick, von ὁρᾶν = sehen) und bedeutet „Gesamtansicht“; das oft bekannte σκοπεῖν (skopein = genau betrachten, untersuchen) steckt dagegen in Wörtern wie „Mikroskop“ und meint gezieltes Hinschauen, nicht das bloße Sehen.
  • [2] "Rund-, Ausblick in die Landschaft’, zuerst ‘Rundgemälde, Rundbild’, d. h. Landschaftsbild auf zylindrisch aufgestellter Oberfläche und daher Räumlichkeitseindruck vermittelnd, gelehrte Neubildung des Iren Barker (ca. 1789, noch vor 1800 ins Dt. entlehnt) mit dem unter pan- (s. d.) behandelten Bestimmungswort zu griech. hórāma (ὅραμα) ‘das Sehen, Anblick, Geschautes, Erscheinung’, vgl. griech. horā́n (ὁρᾶν) ‘sehen, schauen’." In: der Artikel „Panorama“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 03.05.2026. Online: https://www.dwds.de/wb/etymwb/Panorama
  • [3] Große Wirkung auf das Publikum: "Das Panorama (ein a. d. Griech. entlehntes Wort, um damit etwas zu bezeichnen, was man allenthalben schauen, sehen kann): eine Erfindung neuerer Zeit, deren Urheber, ein gewisser Maler Barker, ein Irländer von Geburt, bei seiner Kunst die magische Wirkung der Optik zu Hülfe gerufen hatte, um ein solches Gemälde hervorzubringen. Es ist dies nemlich ein ungeheuer großes, in einem besonders dazu erbauten zirkelförmigen Gebäude aufgestelltes Gemälde, von irgend einer Gegend, Stadt etc. welches nach der Perspective und so täuschend aufgenommen ist, daß der Zuschauer, welcher auf einem gewissen Standpunkte dieses Ganze übersieht, dadurch sich an den Ort, oder in die Gegend selbst versetzt glaubt. (Die Erfindung soll eigentlich zu Neapel beim Ritter Hamilton gemacht worden sein. Ein Eckzimmer war nemlich auf zwei Seiten mit Balkons versehen und an den Wänden mit Spiegeln bekleidet worden. So hatte man die prächtigen Umgebungen Neapels vor sich, ohne hinaussehen zu dürfen. Der Gedanke, dieses Rundgemälde aus den Spiegeln auf Leinwand überzutragen, war sehr natürlich und er kam zur Ausführung.) – Barker, welcher sich eine Zeitlang von Portraitmalerei ernährte, machte zuerst (1787) mit der Gegend von Edinburg einen Versuch im Kleinen, ob es ihm gleich Anfangs [194] der berühmte J. Reynolds gänzlich abrieth. Es gelang und nun nahm er andere Gegenden mit Seeprospekt und Kriegsschiffen ganz nach der Natur auf; London kam bald auch an die Reihe; die Täuschung für die Londner war außerordentlich, und dies Panorama der Gegenstand aller Gespräche; ja, jene Täuschung war so groß, daß viele Personen bei dem Anblick der See die Seekrankheit selbst anwandelte. Neuerlich (sagt ein treflicher Reisebeobachter, Göde) beschränkt man sich nun nicht mehr auf landschaftliche Darstellungen allein; man hat auf gleiche Art historische Gegenstände mit dem glücklichsten Erfolge dargestellt, z. B. die Bestürmung von Seringapatnam, von Porter gemalt, die Belagerung von S. Jean dʼAcre etc., besondern Beifall aber fand der Sieg der Engländer bei Alexandrien. Zu den gelungensten landschaftlichen Panoramen von Barker gehört auch der Hafen von Constantinopel und die gegenüber liegenden Städte Pera und Galata, welche Uebersicht alle die übrigen übertreffen soll." In: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 194-195. Online: http://www.zeno.org/nid/20000800597
  • [4] Wirkung der Beleuchtung: Panorama, Rundgemälde einer Stadt oder Landschaft, worin die Gegenstande wie von einer Anhöhe beschaut, in vollendeter Perspective erscheinen, mit der Beleuchtung von oben, so daß sich der Beschauer inmitten derselben glaubt. Als Erfinder dieser täuschenden Darstellung wird der Engländer Parker genannt, welcher zu Ende des 18. Jahrhunderts mit seinen ersten Versuchen dieser Art auftrat." In: Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 83. Online: http://www.zeno.org/nid/20001756524
  • [5] Licht und Perspektive: "Panorāma oder Rundgemälde wird die von einem hochgelegenen Standpunkte aus bewirkte malerische Aufnahme der Umgegend desselben genannt, so weit das Auge ringsum den Horizont erreichen kann. Es kommt dabei vorzüglich darauf an, durch zweckgemäßen Gebrauch von Perspective, Farben und Licht es dahin zu bringen, daß solche Gemälde, begünstigt von einer angemessenen Aufstellung, dem Beschauer im Ganzen, wie im Einzelnen eine möglichst täuschende und so naturgetreue Anschauung gewähren, daß er sich selbst auf den Standpunkt des Malers versetzt glaubt. Jene Aufstellung erfolgt in runden Gebäuden, welche in großen Städten dazu im Voraus eingerichtet sind, sonst auch für kurze Zeit aus Bretern aufgeführt werden und wo [392] der Standpunkt für den Beschauer in der Mitte des rings an den Wänden befindlichen und nur von oben beleuchteten Gemäldes angebracht ist. Man hat jetzt solche Rundgemälde von interessanten Städten und Gegenden, z.B. von Rom, London und Paris im Kleinen auch in Kupferstich vervielfältigt und sie sind mit Hülfe angemessener Aufstellung ein sehr angenehmes Mittel, sich an den Orten zu orientiren, welche sie vorstellen, können aber natürlich auf malerische Täuschung nicht mehr berechnet sein. Die Zeichnung des Panorama erfand Professor Breysig in Danzig und in England wurde 1793 das erste zu Edinburg aufgestellt. – Man kann aber auch die Ansicht einer Stadt oder Gegend blos von einer Seite nach denselben Gesetzen wie die Panoramen darstellen, und solche Gemälde heißen Diophanoramen. – Insofern ein solches Bild blos die Ansicht des Äußern oder Innern eines Gebäudes oder einer Gegend gibt, nennt man es Diorama, und diese Bezeichnung ist die gebräuchlichste. Ausgezeichnet durch die vollkommenste Täuschung für das Auge sind in Deutschland die von Gropius in Berlin aufgestellten Dioramen. – Von Langhans in Breslau ist das Pleorama erfunden und 1831 aufgestellt worden, in dem die Beschauer sich auf einem beweglichen Standpunkte befinden und die Ansicht der vorgestellten Gegend sich fortwährend nach Maßgabe des wechselnden Standpunktes verändert." In: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 392-393. http://www.zeno.org/nid/20000851299
  • [5] Beleuchtung: "Panorama, griech., Rundgemälde, perspectivisches, auf einer Fläche aufgestelltes Bild, dessen Theile senkrecht stehen u. nach Gutdünken von oben her beleuchtet werden, von Breisig in Danzig erfunden, 1793 von Barker in Edinburgh zuerst aufgestellt. Vgl. Diorama. Pleorama, von Langhans od. Kopisch erfundenes Kosmorama, Wassergegenden darstellend, wobei der Zuschauer denselben Wechsel der Landschaft wie der Schiffende hat." In: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 450. Online: http://www.zeno.org/nid/2000346038X
  • [6] Tageslicht von oben ist wichtig: "Panorāma (gr.), 1) die bildliche Darstellung aller derjenigen Gegenstände, welche man von einem gewissen Punkte aus übersehen kann. Dieser Punkt ist entweder feststehend, u. in diesem Falle das Gemälde ein Rundgemälde, od. er wird als beweglich angenommen u. das Gemälde langsam vorüber gezogen (Cyclorama). Im erstern Falle ist das P. daher ein nach allen Seiten hin mit gleicher Deutlichkeit, Farbe u. Beleuchtung überschaubares, eine weite Gegend mit einer Menge naher u. ferner Gegenstände darstellendes Gemälde. Es wird dies bes. dadurch bewirkt, daß das mit Treue aufgenommene u. colorirte Gemälde einer Landschaft, eines Hafens, einer Stadt od. auch eines Stadttheils, wie solche sich von einer Höhe (Berg, Thurm etc.) herab beschaut darbieten, in einer angemessenen Entfernung vom Auge vertikal, aber zugleich in einem Zirkelbogen so aufgestellt wird, daß, um einen jeden einzelnen Gegenstand zu erblicken, der Beschauer selbst sich nur in einer Bogenlinie zu bewegen braucht. Ein solches Rundgemälde erfordert daher ein eignes Gestände von ebenfalls runder Form, in dessen Innern der Beschauer seinen Platz auf einer Gallerie hat, deren Brüstung ihm unterwärts etwas Näheres als das vor ihm aufgehängte Gemälde zu erblicken eben so wenig, als deren Bedachung ihm den Blick aufwärts auf einen fremden Gegenstand zu werfen verstattet. Zugleich ist seitwärts durch Vorkehrungen dafür gesorgt, daß auch da, wo das im Zirkelbogen aufgestellte Gemälde aufhört, nichts Fremdartiges erblickt wird. Durch von oben auf das Gemälde fallendes Tageslicht u. die reine Beleuchtung, welche es dadurch, bes. bei hellem Sonnenschein, erhält, wird die Täuschung so vollkommen erreicht, daß man die Gegenstände in der Natur zu erblicken vermeint, bes. nachdem das Auge sich an das temperirte Licht des Standorts gewöhnt hat. Erfinder des P-en ist Robert Parker, ein irländischer Maler, welcher 1787 den ersten Versuch dieser Art im Kleinen mit der Ansicht von Edinburg machte, dann in London, wo er in Leicester-Square eine eigne Rotunda dafür von 90 Fuß Durchmesser aufführen ließ u. die russische Kriegsflotte zu Spithead zum ersten Gegenstand seiner Schaustellung erwählte. Robert Fulton, ein Amerikaner, machtedie Panoramen zuerst in Paris bekannt. Hier erhielten sie durch seinen Landsmann James u. die Franzosen Fontaine, Prevot u. Bourgois wesentliche Verbesserungen, u. es wurden in allen großen Städten Europas dergleichen P-en als Schaustellungen dargeboten. In neuerer Zeit ist es auch gelungen, die Zeichnung der P-en durch mechanische Apparate (Panoramographen von Gavard in Paris, u. Scenographen vom Mechanikus K. Hofmann in Leipzig) zu erleichtern. An die Erfindung der P-en schlossen sich sehr bald eine Menge mehr od. weniger ähnlicher Darstellungen an, wie Dioramen, Georamen, Kosmoramen, Myrioramen, Neoramen (s.d.a.) an. Das Cyclorama unterscheidet sich vom eigentlichen P. dadurch, daß der Standpunkt des Beschauenden als beweglich angenommen u. die Täuschung dadurch erreicht wird, daß während der Zuschauer selbst auf demselben Punkte bleibt, das Längenbild einer Gegend, wie sich dieselbe etwa dem Reisenden zeigt, mit gelegentlicher Abwechselung der Beleuchtung zu verschiedenen Tageszeiten vorübergezogen wird; meist stellen diese Cycloramen Wasserlandschaften vor u. werden dann auch Pleoramen genannt, solche P. gibt es vom Rhein, der Donau, dem Mississippi, dem Golf von Neapel, dem Bosporus u.a. In ähnlicher Weise stellte 1853 Kahleis 3000 Jahre Weltgeschichte in einem Cyclorama dar. 2) In großem Maßstab ausgeführte Karten malerischer Gegenden (gewöhnlich großer Flüsse u. deren Ufer), auf welchen die wichtigsten Punkte bildlich dargestellt sind, so hat man z.B. Rhein-, Elb- (Sächsische Schweiz), Donau- etc. Panoramen." In: Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 602. Online: http://www.zeno.org/nid/20010585788
  • [7] Vom Dunkeln ins Helle sehen, Tageslicht: "Panorama, bildliche Darstellung aller von einem (meist erhöhten) Punkte aus sichtbaren Gegenstände, also ein Rundbild einer Gegend, Stadt, Schlacht u.s.w. Als Gebäude ist es ein 30–40 m weiter runder oder vielseitiger Raum, an dessen Wänden ringsum ein Gemälde aufgestellt ist, das durch Oberlicht hell beleuchtet wird, während der in der Mitte stehende Beschauer sich auf einem nichtbeleuchteten Platze befindet, um so die Lichtwirkung[796] zu erhöhen und den Eindruck der Wirklichkeit hervorzurufen. Das Gebäude besteht meist aus Fachwerk von Holz oder Eisen, seltener in Massivbau. Die Dachkonstruktion ist entweder freitragend oder ruht auf einem Mittelständer auf. Als günstigste Beleuchtungsart bewährt sich ein Kranz von Oberlichtfenstern, der etwa 2–3-m vom Fuße des Daches entfernt liegt, wobei durch ein aufgehängtes Zeltdach im Innern die direkten Sonnenstrahlen vom Bilde abgehalten werden. Ein schwach erleuchteter Zugang, der sich bis unter die Plattform hinzieht, die durch eine Treppe zu ersteigen ist, kommt der Erhöhung der Lichtwirkung zu Hilfe (Fig. 1 und 2). Das erste Panorama wurde von Papker im Jahre 1787 in Edinburgh errichtet; eine spätere Entwicklung und Förderung fand dasselbe in Paris von 1820 an, wo heute sechs solcher Gebäude bestehen, die ihre Nachahmung in den meisten Großstädten gefunden haben. Ein Gebäude ähnlicher Art ist das Diorama, bei dem ein Gemälde den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten darstellt, also die Beleuchtung von Sonne und Mond auf Gegenden oder Gebäude künstlich nachahmt. Hierbei ist die Bildfläche auf beiden Seiten bemalt und wird durch abwechselnd wirkendes, künstliches oder natürliches Licht wirksam beleuchtet. Grundbedingung ist auch hier, daß vom Dunkeln ins Helle gesehen wird. Erfinder war Maler Daguerre in Paris, der später durch die Erfindung der Lichtbilder (Daguerrotypie) berühmt geworden ist." In: Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 796-797. Online: http://www.zeno.org/nid/20006097529
  • [8] Dunkelheit, Geräusche, Musik: "Panorāma (griech., »Allschau, Allübersicht«), die Darstellung einer Rundsicht, wie man sie von einem erhöhten Punkt aus genießt (natürliches P.), durch ein zylindrisches Gemälde, weniger um einen künstlerischen Genuß als um eine möglichst vollkommene Sinnestäuschung hervorzurufen. Die Illusion kann durch allerlei künstliche Mittel verstärkt werden, vor allem durch plastische Gestaltung des Vordergrundes und geschickte Überleitung dieses Vordergrundes zum Gemälde, durch entsprechende Vorbereitung des Zuschauers, der etwa auf das Dach eines Hauses oder mittels eines Aufzugs, einer Tunnelbahn u. dgl. auf den Gipfel eines Berges geführt wird, durch Musik und Nachahmung natürlicher Geräusche, durch Vortäuschung von Naturereignissen (Sonnenauf- und -Untergang, Gewitter, Schneefall) und andres mehr. Panoramen wurden von dem Architekturmaler Breysig in Danzig erfunden und zuerst von dem irischen Maler Robert Parker 1787 ausgeführt. Er ließ in London eine 45 Fuß im Durchmesser haltende Rotunde ausführen, worin er die Darstellung der russischen Flotte zu Spithead zeigte. Etwas später stellte man Panoramen in Paris auf, wo sie durch den Maler Prévost u.a. sehr verbessert wurden, und von wo sie dann in allen größern Städten Europas Eingang fanden. Einen neuen Aufschwung nahm die Panoramenmalerei seit dem deutsch-französischen Krieg, nachdem schon 1867 in den Champs-Elysées zu Paris ein Versuch mit einem P. der Schlacht von Solferino gemacht worden war, dem 1875 ein kolossales, die Verteidigung von Paris darstellendes Rundbild von Philippoteaux folgte. In Deutschland wurden in Berlin, München, Frankfurt a. M., Leipzig, Hamburg u.a. O. besondere Gebäude für Panoramen errichtet. Als Maler von Schlachtenpanoramen erntete besonders Ludwig Braun große Erfolge (Schlachten von St.-Privat, Weißenburg, Mars-la-Tour, Lützen, Murten), dann Anton v. Werner, der in Gemeinschaft mit Bracht, Röchling und Koch ein Sedanpanorama schuf, von den Franzosen Detaille und Neuville. Von landschaftlichen Panoramen sind Pergamon (von Koch und Kips), Konstantinopel bei der Einfahrt Wilhelms II. (von Bohrdt und Koch), Einfahrt der Lahn in den Hafen von New York (von Hans v. Petersen) zu nennen, von religiösen das 1892 in Wien verbrannte Jerusalem mit der Kreuzigung Christi (von Piglhein). Die Erfindung des Panoramas zog in den 1830er Jahren die einer Menge andrer »oramen« nach sich. Dahin gehören außer dem Diorama (s. d.), das jetzt gewöhnlich mit Panoramen verbunden ist, das Georama (s. Globus), Neorama (s. d.) und Myriorama (s. d.): das Kosmorama, eine Zusammenstellung von Bildern einzelner Gegenden, die, unter künstlicher Beleuchtung und durch vergrößernde Gläser angesehen, in natürlicher Größe erscheinen; das Pleorama, von Langhans oder von Kopisch in Breslau 1831 erfunden und Strandgegenden so darstellend, wie sie dem Vorüberschiffenden erscheinen, indem das durch optische Täuschung möglichst naturgetreu erscheinende Bild an dem Beschauer vorübergeführt wird; das Zyklorama, gewöhnlich große Flüsse mit ihrem nähern oder entferntern Ufer von der Quelle bis zum Ausfluß und unter gelegentlicher Abänderung der Beleuchtung zu verschiedenen Tageszeiten dem Auge vorführend. Kahleis brachte 1853 in einem großen Zyklorama »3000 Jahre Weltgeschichte«, d.h. eine zeitlich angeordnete Darstellung aller Hauptbauwerke von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, zur Ansicht. Eine große Auswahl dieser Darstellungen in ihrer raffiniertesten Ausgestaltung bot die Pariser Weltausstellung von 1900: Aussicht vom »Männlichen« (von Band Bovy), Fahrt im Speisewagen eines Eisenbahnzuges durch Sibirien nach Peking, Fahrt auf einem Dampfer im Mittelländischen Meer (mit Vortäuschung eines Seesturms), Dioramen in den Kolonialabteilungen, vor allem das Schweizer Dorf, eine Art Riesenpanorama im Freien (von Henneberg und Allemand). Vgl. Bapst, Essai sur l'histoire des panoramas et des dioramas (Par. 1891). In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 364. Online: http://www.zeno.org/nid/20007209487
  • [9] Erfinder sei Breisig: "Panorāma (grch., »Gesamtschau«), das Gesamtbild aller von einem bestimmten Punkte aus übersehbaren Gegenstände in der Natur und die graphische sowie malerische Darstellung desselben, als Rundgemälde oder Längenbild; im 18. Jahrh. durch Prof. Breisig in Danzig erfunden; in der Neuzeit P. meist in eigenen Rundgebäuden, überwiegend Schlachtenpanoramen." In: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 346. Online: http://www.zeno.org/nid/20001421956
  • [10] Breisig als Erfinder: "Breysig ist der Erfinder des Panorama" In: Georg Kaspar Nagler: Künstler-Lexicon. Verlag von E. A. Fleischmann. München, 1835.
  • [11] Panorama-Museum Bad Frankenhausen wurde als Gebäude 1973 bis 1974 erbaut. Das Rundbild im Inneren hatte eine Länge von etwa 123 Metern, eine Höhe von 14 Metern und einen Durchmesser von etwa 40 Metern. Alleine die unbemalte und nicht grundierte Leinwand hatte eine Masse von 1,1 Tonnen oder 1100 Kilogramm. Informationen des heutigen Museumsbetreibers im Internet, abgeglichen mit Angaben aus anderen Quellen. Siehe auch 👉 Rotunde
  • [12] Eine sehr ausführliche Geschichte der Panorama-Schau, mit eigenem Kapitel, findet man in: Laurent Mannoni: The Great Art of Light and Shadow. Archeology of the Cinema. Aus dem Französischen übersetzt von Richard Crange. University of Exter Press, Devon (UK), 2000. Original: Le Grand Art de la Lumière et de l'Ombre (1995).

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