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Laterna magica

Optik

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Definition


Die Laterna magica, auf Deutsch so viel wie zauberhafte Laterne, war ein Apparat mit dem sich auf Glas gezeichnete Bilder an eine Wand projizieren ließen. Die ersten Modelle kamen Ende des 17. Jahrhunderts auf. Ihre Blütezeit zur Verzauberung von einfachen Leuten aber auch gebildeter Wissenschaftler war das 18. Jahrhundert. Obwohl das optische Prinzip recht einfach zu verstehen ist, war der Betrieb dieser Laternen recht tückisch und aufwändig. Doch der Aufwand lohnte, sich. Die zauberhaften Lichterscheinungen hatten die Kraft, die Menschen im innersten ihres Gefühlslebens zu erregen.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Links eine frühe Version von Athanisus Kirch aus dem Jahr 1767. In der Mitte eine Laterna magica aus dem Jahr . Und rechts ein wandernder Schausteller aus Savoyen, mit einer Laterna magica auf seinem Rücken. Beachte den kleinen Schornstein, mit dem Hitze und Rauch abeführt wurden. © Athanasius Kircher Andreas Praefcke Jacques Grasset de Saint-Sauveur ( 1757-1810) ☛


Funktionsweise: eher einfach


Bei einer Laterna magica wurde ein Bild auf einer Glasscheibe von einer möglichst starken Lichtquelle angeleuchtet. Das Glas und die Lichtquelle waren im Inneren einer Kiste. Durch ein System aus Linsen und/oder auch Spiegeln wurde das Licht dann so nach außen geleitet, dass auf einem einige Meter weit entfernten hellen Schirm, etwa einer Wand, eine möglichst scharfe und bunte Projektion des Bildes entstand. Die Laterna magica war von etwa 1700 bis fast 1900 eine beliebte Attraktion, die unter anderem von wandernden „Lanternisten“ gegen Bezahlung vorgeführt wurde. [1] Dabei kämpften die Bauer und Vorführen mit einigen praktischen Problemen.

Herstellung und Betrieb: eher schwierig


Schwache Lichtquelle
Die Laterna magica kam im späten 17. Jahrhundert auf. Es gab damals keine annähernd so starken Quellen von Licht wie es die heutigen Glühbirnen, LED-Leuchten oder Gasentladungslampen sind. Man war damals beschränkt auf Kerzen, Öl- und Gaslampen. Die Lampen erzeugten nur vergleichsweise schwaches Licht, was auch zu recht dunklen Bildern auf den Wänden und Schirmen führte. Ein möglichst helles Licht mit solchen Mitteln zu erzeugen, führte dann zu weiteren neuen Problemen.

Rauchabfuhr
Wenn im Inneren der Kiste ein Feuer als Lichtquelle brannte, mussten irgendwie der Rauch und die Hitze abgeführt werden. Dies wurde meist über einen von außen auch gut sichtbaren Schornstein erreicht. Eine klassische Laterna magica hatte meist einen nach führenden Zylinder, aus dem Rauch und Hitze aus der Kiste entweichen konnten. Während aber Rauch und Hitze abgeführt werden sollten, sollte das Licht das Innere der Kiste möglichst nicht verlassen. Der Vorführraum sollte möglichst dunkel bleiben. Gefragt waren also Konstruktionen, die Rauch und Hitze herausließen, das Licht aber möglichst nicht.

Lichtbündelung
Um das schwache Licht eines Feuers möglichst effizient zu nutzen, wurde es mit Hohlspiegel im Sinne eines Reflektors dort aufgefangen wo es ansonsten nutzlos verloren gegangen wäre. Solche Reflektoren findet man zum Beispiel auch in den Strahlen von einem Fahrrad. Diese Reflektoren zu bauen war zu den damaligen Zeiten aufwändig. Ideal wäre eine Parabelform gewesen. Wie aber kann man aus Glas oder einem glänzenden Metall eine parabelförmige Schüssel herstellen? Und bei Metall kam das Problem hinzu, dass es oft oxidierte ("rostete") und damit seine reflektierende Wirkung verlor.

Farbenschutz
Je heller das Licht im Inneren der Kiste war, desto heißer war es auch. Damit aber strahlte auch viel Hitze auf die Farbpigmente auf den durchleuchteten Glasplatten. Nicht jede Farbe hielt die Hitze aus. Hier musste viel experimentiert werden, um Farben zu finden, die bei großer Hitze nicht rissig wurden oder sich sonstwie stark veränderten. Überhaupt war die Herstellung geeigneter Farben vom 17. bis zum 19. Jahrhundert eine eigene Kunst, auf die viel Mühe verwendet werden musste.

Raumabdunkelung
Um das an die Wand geworfene Bild gut erkennen zu können, musste man Licht von anderen Quellen ausschließen. Entweder machte man die Vorführung nachts oder man musste den Raum möglichst vollständig abdunkeln. Durch keinen Ritz durfte etwa helles Sonnenlicht von außen eindringen.

Dunkeladaption
Wollten Zuschauer einer Vorführung mit einer Laterna magica zusehen, mussten sich ihre Augen erst längere Zeit an die Dunkelheit gewöhnen. Während die Zäpfchen-Zellen in menschlichen Augen gut Farben bei Helligkeit unterscheiden können, sind für das Sehen im Dunklen die Stäbchen-Zellen zuständig. Bis sich das Auge an die Dunkelheit angepasst hat, vergeht einige Zeit. Das musste bei Vorführungen eingeplant werden. Das Fachwort für diesen Vorgang der Biologie ist Dunkeladaption.

Linsen
Sehr aufwändig war früher die Herstellung guter Linsen. Alleine Glas ohne Lufteinschlüsse oder sonstige Inhomogenitäten zu fertigen war eine Kunst. Dann kam das zeitaufwändige Schleifen der Linsen mit Sand hinzu. Die Anfertigung einer einzigen Linse konnte schnell zwei Tage dauern. Von der Qualität der Linsen hing die Schärfe des Bildes aber maßgeblich ab. Und mit jeder Linse gehen Fehler in der Abbildung einher, wie etwas die chromatische Aberration. Diese bewirkt, dass am Rand von Figuren unerwünschte Farbstreifen auftreten. Die Herstellung von Linsen mit nur geringer chromatischer Aberration erforderte viel Wissen, spezielles und nicht immer preiswertes Glas (Flintglas, Kronglas) und Aufwand.

Während sich reiche Bürger und Adelige oder erfolgreiche Wissenschaftler teure und gute Geräte leisten konnten, mussten sich die einfachen Leute mit wenig Geld mit den minderwertigen Geräten von wandernden Schaustellern begnügen. Es waren vor allem Männer aus der französischen Gegend Savoyen, im Grenzgebiet von Frankreich, Italien und der Schweiz, die alleine oder sogar mit ihrer Familie von Dorf zu Dorf oder Stadt zu Stadt zogen und Privatleuten gegen Bezahlung eine Vorführung anboten. Die ganze Ausrüstung wurde dabei auf dem Rücken getragen. Reich wurde damit wohl niemand. Die Geschichte dieser Savoyards ist lebendig und einfühlsam beschrieben in Mannonis sehr empfehlenswerten Buch über die Vorgeschichte des Kinos. [1]

Fußnoten


  • [1] Eine sehr ausführlich (Kultur)Geschichte der Laterna magica findet man in: Laurent Mannoni: The Great Art of Light and Shadow. Archeology of the Cinema. Aus dem Französischen übersetzt von Richard Crange. University of Exeter Press, Devon (UK), 2000. Original: Le Grand Art de la Lumière et de l'Ombre (1995).

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